Weltwirtschaftsinstitut: Bauboom wird sich beschleunigen

Stefan Kooths, Prognosechef am Institut für Weltwirtschaft in Kiel, sagt wegen der staatlichen Investitionsoffensive für die kommenden Jahren einen Bauboom voraus. Die expansive Geldpolitik birgt aber zunehemend Risiken:  die Inflation wird sich auf drei Prozent erhöhen – aber erst am Ende dieses Jahrzehnts.

 

 

Mittelfristige Prognosen interessieren die Medien kaum. Für Anleger, vor allem im Bereich von Immobilien, können sie allerdings sehr wichtig für Ihre Entscheidungen sein. Das Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW Kiel - Bild oben) hat nun unter ihrem neuen Leiter des Prognosezentrums, Professor Stefan Kooths (Bild links), die „Mittelfristprojektion für Deutschland 2015“ veröffentlicht. In der Vergangenheit hat das IfW Kiel vor allem im Bereich der mittelfristigen Preisvorhersagen eine im Vergleich zu anderen Prognosen hohe Trefferquote nachweisen können.

Niedrige Inflation ist ein Segen

„Deutschland lebt derzeit auf der Sonnenseite der Konjunktur“, so Stefan Kooths. Die Wirtschaftsleistung nehme in diesem Jahr um 1,8 Prozent zu, im nächsten Jahr dürfte der Anstieg mit zwei Prozent sogar noch etwas stärker sein. Stimuliert wird die Konjunktur in der ersten Hälfte des Prognosezeitraums  durch höhere Konsumausgaben und Wohnungsbauinvestitionen der privaten Haushalte. Die aktuell noch niedrige Inflation sei keine Gefahr (Deflation), sondern für die Menschen ein Segen: Sie erhöht das real verfügbare Einkommen und trage neben der robusten Arbeitsmarktlage und den deutlich höheren Sozialleistungen dazu bei, dass die privaten Konsumausgaben mit einer Rate von 2,7 Prozent in diesem Jahr so kräftig steigen dürften wie seit 1992 nicht mehr.

Staat heizt Bauboom an

Bald würden sich die Baumaßnahmen noch verstärken. Grund seien die öffentlichen Bauinvestitionen, die sich aufgrund Investitionspakete des Bundes in der mittleren Frist deutlich beschleunigen. Dazu gehöre die jüngst vorgestellte „Investitionsoffensive“ und das für das Jahr 2017 geplante Bundesteilhabegesetz, welches gerade die Kommunen, die angesichts hoher Sozial- ausgaben kaum finanzielle Spielräume für Investitionen haben, merklich entlasten soll und so deren Investitionstätigkeit stimulieren dürfte Allerdings dürften nicht alle in Aussicht gestellten Mittel zu höheren Investitionsvolumen führen. Zum einen ist damit zu rechnen, dass es auf Seiten von Ländern und Kommunen zu Mitnahmeeffekten kommt, und zum anderen dürfte es gerade mit Blick auf nur vorübergehende „Investitionsoffensiven“ zu deutlichen Preiseffekten kommen. Insgesamt wird die Ausweitung der öffentlichen Investitionen den wegen zu geringen staatlichen Investitionen seit 15 Jahren zu verzeichnenden Verfall des öffentlichen Kapitalstocks voraussichtlich nicht stoppen, sondern lediglich verlangsamen.

Weiterhin sinkende Arbeitslosigkeit

Der Aufschwung ist vor allem durch binnenwirtschaftliche Faktoren geprägt. Aufgrund der günstigen Lage am Arbeitsmarkt und den anhaltenden Impulsen von monetärer Seite ist der derzeitige Aufschwung deutlich stärker von binnenwirtschaftlicher Seite geprägt als frühere Aufschwünge. Dazu trägt freilich auch bei, dass die Exporte trotz Euro-Verfalls nicht mehr ganz so dynamisch expandieren dürften, da sich das Potenzialwachstum nicht nur in vielen fortgeschrittenen Volkswirtschaften, sondern auch in vielen Schwellenländern etwas verlangsamt hat. Im Zuge der Beschäftigungsaus- weitung wird die Arbeitslosigkeit – wenn auch unterproportional – weiter sinken. Die Arbeitslosenquote nach Definition der Bundesagentur für Arbeit geht bis zum Jahr 2019 auf 5,0 Prozent zurück.

Steigende Inflation birgt ab 2016 zunehmend Risiken

Die zunehmende Anspannung auf dem Arbeitsmarkt wird sich in stärker steigenden Löhnen niederschlagen. Angesichts stark überausgelasteter Kapazitäten wird sich der Preisauftrieb merklich verstärken. „Die Teuerungsrate für die privaten Verbraucher dürfte sich unserer Mittefristprojektion zufolge der 3-Prozent-Marke nähern. Der jährliche Anstieg des Deflators des Brutto- inlandsprodukts, welcher bereits seit zwei Jahren über der Inflationsrate liegt, wird sich eben- falls beschleunigen“, so Kooths. Kurz: Ende des Jahrzehnts müssen die Deutschen mit Kaufkraftverlusten rechnen, wie es sie zuletzt in den 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre gegeben hat. Diese bilde auch die Gefahr einer neuen Krise: Damit verteuert sich die Produktion in Deutschland so stark wie seit gut 20 Jahren nicht mehr. Da die Konjunktur und der Preisauftrieb im übrigen Euroraum weiterhin deutlich schwächer ausfallen werden, wird die Geldpolitik der anziehenden Inflation in Deutschland nicht energisch entgegentreten können.

Weitere Information:

Institut für Weltwirtschaft: Mittelfristprojektion für Deutschland 2015

Bilder: Porträt - Stefan Kooths, Luftbild - Institut für Weltwirtschaft Kiel, Pressebereich