Meiller-Gärten: Wir legen besonderen Wert auf Nachhaltigkeit

Mit einem Investitionsvolumen von rund 300 Millionen Euro entwickelt die Rathgeber AG mit den „Meiller Gärten“ eines der größten Wohnbauprojekte in München. Immobilienreport sprach mit Andreas Ferstl, Vorstand der Rathgeber AG, über das Projekt.

 

 

immobilienreport: Herr Ferstl, mit den Meiller Gärten in Moosach entsteht eines der größten Wohnquartiere in München. Wer sind die Bauherren?

Andreas Ferstl (Bild links): Bauherren sind die Unternehmen Rathgeber AG für die Baufelder 3 bis 7 sowie die F.X. Meiller-Gelände GmbH & Co. KG für die Baufelder 1,2 und 8. Sie sind zusammen Eigentümer der als Meiller-Areal bekannten Grundstücksflächen südwestlich des Moosacher Bahnhofs in München. Hinter den beiden Firmen stehen die Münchner Unternehmerfamilien Meiller und Meyer.

Immobilienreport: Bislang wurde das Gelände als Stammwerk der Firma F. X. Meiller zur Herstellung von qualitativ hochwertigen Kippaufbauten und Kippanhänger genutzt. Wie kommt es, dass die Eigentümerfamilien Meiller und Meyer – obwohl am Standort Moosach weiterhin produziert wird – hier nun ein Wohnquartier entwickeln?

Ferstl: Von dem insgesamt rund 20 Hektar großen Gelände ist das nordöstliche Drittel aufgrund von technischen Optimierungen der Produktion sowie Auslagerungen des schweren Stahlbaus  für den Fahrzeug- und Maschinenbau nicht mehr betriebsnotwendig. Auf diesem Grundstücksteil südlich des Memminger Platzes entwickeln wir daher die Meiller Gärten. Die restlichen zwei Drittel des Grundstücks bleiben unverändert Stammsitz der Fa. Meiller mit Produktion und Verwaltung.

immobilienreport: Welchen Umfang hat das Projekt Meiller Gärten?

Ferstl: Die Gesamtinvestition inklusive des Grundstücks beträgt rund 300 Millionen Euro. Dafür werden auf den acht Baufeldern insgesamt 14 Baukörper mit rund 600 Mietwohnungen entstehen. Hinzu kommen etwa 8.000 Quadratmeter Geschossfläche Gewerbe, die im Wesentlichen für ein Boardinghouse mit etwa 150 Apartments, vorgesehen sind. Die Freianlagenplanung umfasst neben privatem Grün zwei große öffentliche Grünflächen, den „Meiller-Park“ und den „Rathgeber-Park“.

immobilienreport: In München werden aktuell Rekordpreise für Neubauwohnungen bezahlt, die Mietrendite ist eine der niedrigsten in der Bundesrepublik. Wäre es nicht naheliegender die entstehenden Wohnungen als Eigentumswohnungen zu verkaufen?

Ferstl: Die Unternehmerfamilien Meiller und Meyer wollen die Meiller Gärten langfristig im Bestand halten und legen bei der Entwicklung daher besonderen Wert auf Nachhaltigkeit.  Natürlich werden auch wir das Quartier kosteneffizient errichten, da wir aus den Mieten dauerhaft unsere Verpflichtungen gegenüber den Finanzierungspartnern sicherstellen müssen. Dieses Ziel wollen wir trotz der sehr nachhaltigen Bauweise durch Einsparungen aufgrund des großen Mengeneffektes des Gesamtprojektes erreichen.  

immobilienreport: Die Eigentümerfamilien wollen die Meiller Gärten auch längerfristig im Bestand halten?

Ferstl: Ja, dies ist eine bewusst getroffene Entscheidung der Gesellschafter. Die Familie Meiller ist bereits in der sechsten Generation Eigentümer des Unternehmens F.X. Meiller und die Gesellschafter glauben auch weiter an die Zukunft des Standorts München. Bereits 1850 wurde das Unternehmen Meiller als Hammerschmiede und 1852 das Unternehmen Rathgeber als Maschinenbauunternehmen in München gegründet. Beide Unternehmen haben seither ihren Sitz in der bayrischen Landeshauptstadt. 1956 übernahm die Firma Meiller die Aktienmehrheit an der Rathgeber AG. Hier kreuzen sich erstmals die Wege der beiden Firmen. Seit Beginn der 1970ern produziert Meiller auf dem Rathgeber-Werksgelände Moosach die Meiller-Kipper. 1986 wurde Rathgeber durch Meiller vollständig übernommen. Erst 2012  entwickelte sich dann die Rathgeber AG zum Immobilienprojektentwickler.

immobilienreport: Wie sieht Ihr Zeitplan für die Meiller Gärten aus?

Ferstl: Für das rund 64.000 Quadratmeter große Areal wurde im Frühjahr 2013 der Beschluss zur Aufstellung des Bebauungsplans durch den Stadtrat München gefasst. Seit 2015 liegt vollumfängliches Baurecht vor. Das Grundstück wurde in acht Baufelder realgeteilt. Die Baugenehmigung für die ersten Wohnungen liegt vor: Der Baubeginn im Baufeld 7entlang der Bahnachse erfolgte Ende März 2017. Der Fertigstellungstermin für diese ersten 110 Wohnungen ist für Anfang 2019 vorgesehen. Entsprechend der vorgegebenen Baureihenfolge, werden weitere Quartiere in 2017 und 2018 versetzt begonnen. Ausgenommen davon sind zunächst die nördlich gelegenen Baufelder am Memminger Platz mit dem geplanten Hochhaus und der zu sanierenden Rathgeber-Villa, deren Planung erst noch gestartet wird.

immobilienreport: Für die Planung haben Sie gleich mehrere Architekturbüros beauftragt. Warum?

Ferstl: Ja. Einerseits möchten wir durch die Einbindung unterschiedlicher regionaler sowie überregionaler Architekturbüros eine individuelle und abwechslungsreiche Architektur im Quartier verwirklichen. Die Entwürfe stammen von prpm Architekten + Stadtplaner, München (Baufelder 7, 2), Steidle Architekten, München, (Baufeld 6), Baumschlager Eberle, Lustenau/Österreich (Baufeld 5), Hilmer, Sattler Architekten Ahlers Albrecht, München (Baufeld 4) und Hierl Architekten, München (Baufeld 3). Andererseits möchten wir , dass die Meiller Gärten  insgesamt als Einheit und Quartier wahrgenommen werden. Um dies zu erreichen, wurden vorab übergeordnete architektonische Merkmale z.B. für die Fassadenmaterialität vorgegeben. Zusätzlich werden alle Außenanlagen übergeordnet aus einem Guss durch das Büros Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten GmbH geplant.

immobilienreport: Sie legen bei der Entwicklung Wert auf Nachhaltigkeit der Bauten. Woran lässt sich dies erkennen?

Ferstl: Wir verwenden für Teile der Fassaden Klinker als nachhaltiges und langlebiges Material. In einem Baukörper erreichen wir für einen besonders nachhaltigen Ansatz Außenwandstärken von knapp 60 cm! Alle Wohnungen sollen in der Energieeffizienzklasse KfW 55 errichtet werden. Für die Energieversorgung  haben wir ein regeneratives Energiekonzept mit Grundwasserwärmepumpen und Solarstrom entwickeln lassen.

Der Innenbereich des Quartiers wird autofrei. Die Ableitung des PKW-Verkehrs wird dann nur an den Rändern des Areals durch die Zu- und Ausfahrten zu den Tiefgaragen erfolgen.

Und, wir setzen als einer der ersten privaten Bauherren in München ein zukunftsgerichtetes Mobilitätskonzept um.  

immobilienreport: Was geschieht nach Fertigstellung des Wohnbauprojekts Meiller Gärten mit der Rathgeber AG?

Ferstl: Die beiden Bebauungspläne für das Meiller-Areal bieten noch weiteres gewerbliches Entwicklungspotenzial, welches bei gegebener Zeit angegangen werden kann. Ein Teil unseres Teams wird zukünftig auch dauerhalft  mit der Bewirtschaftung und Weiterentwicklung des eigenen Bestands  beschäftigt sein.

immobilienreport: Herr Ferstl, Danke für das Gespräch.

Das Interview führte Ulrich Lohrer, 26.06.2017

Bildnachweis: Porträtfoto Andreas Ferstl, Baufeld 7 und Rathgeber-Villa. Rathgeber AG