Finanzierungsberater Neuwirth: Wir empfehlen einen variablen Zins

Seit der Finanzkrise halten die Notenbanken der großen Währungen die Zinsen auf ein ungewöhnlich niedrigem Niveau. Die EZB hat die Zinsen im Euroraum sogar auf etwa Null Prozent gesenkt. Viele Kreditnehmer reagieren bei der Immobilienfinanzierung mit zunehmend längeren Zinsbindungen. Kurt Neuwirth von Neuwirth Finance in Starnberg rät ihnen jedoch zu einer anderen Strategie.

 

 

immobilienreport:  Herr Neuwirth, laut dem Dr. Klein Trendindikator Baufinanzierung  (DTB) beträgt die durchschnittliche Zinsbindung neu vergebener Hypothekenkredite 12 Jahre und vier Monate. Angesichts des langfristigen Rekordzinstiefs halten viele Kreditnehmer offenbar eine langfristige Zinsbindung für sinnvoll. Sie auch?

Kurt Neuwirth: Nein, das sehe ich anders. Eine variable Zinsbindung ist vorteilhafter, da hiermit eine Zinsersparnis von bis zu 50 Prozent erreicht werden kann. Wer eine langfristige Zinsbindung eingeht, ist für mich ein Zinsspekulant. Wer weiß denn wo der Zins nach 10 oder 12 Jahren steht? Der Kreditnehmer kann in einer Hochzinsphase landen. Die Bank führt erneut eine Bonitätsprüfung durch und stellt evtl. fest, dass der Kreditnehmer sein Darlehen nicht mehr abzahlen kann. Solch eine Situation lässt sich mit einer variablen Zinsbindung  und einer begleitenden strategischen Zinsberatung, wie wir sie anbieten, verhindern.

immobilienreport:  Was raten Sie stattdessen den Kreditnehmern?

Neuwirth: Wir empfehlen eine Immobilienfinanzierung mit variabler Zinsbindung auf Basis des 3-Monats-Euribor Euribor-Basis, weil unsere Kunden auf diese Weise eine Menge Geld sparen können und durch Mehrinvestition in die Tilgung auch mit der Finanzierung schneller fertig sind. 

immobilienreport:  Weshalb sollten Kreditnehmer, die das Risiko steigender Zinsen nicht eingehen wollen, einen Kredit mit flexiblen Zins wählen?

Neuwirth: Wer mit uns zusammenarbeitet und sich zinszyklisch beraten lässt, geht so gut wie kein Risiko mehr ein, wenn er variabel finanziert. Wir ermitteln, basierend auf klaren Regeln, den Zeitpunkt einer echten Zinstrendwende und informieren alle unsere Beratungskunden umgehend. In solch einer Situation empfehlen wir für etwa fünf Jahre eine Zinsbindung abzuschließen. Der Kunde umgeht so  die Hochzinsphase und behält auf diese Weise optimale Sicherheit.

immobilienreport:  Sie orientieren sich bei Ihren Empfehlungen nach Ihrem eigenen Berechnungsmodell FlexSafe©. Wie funktioniert dies?

Neuwirth: FlexSafe ist unsere strategische Zinsberatung, die wir privaten und gewerblichen Kunden im Rahmen einer Immobilienfinanzierung anbieten. Mit FlexSafe wird der Kunde optimal vor steigenden Zinsen abgesichert, da wir den Zeitpunkt einer Zinstrendwende über unseren Wirtschafts-Indikator ermitteln. Unsere Kunden werden darüber umgehend informiert und es wird ihnen empfohlen ihr Darlehen mit einer fünfjährigen Zinsbindung abzusichern. Neben dieser Kerndienstleistung führen wir mit jedem unserer Kunden ein jährliches Strategiegespräch durch und informieren sie regelmäßig durch unseren Zinskommentar über die aktuelle Zinsentwicklung.

immobilienreport:  Wie erkennen Sie, dass die Zinsen steigen?

Neuwirth: Wir analysieren die Zinsschritte der Europäischen Zentralbank (EZB) und gleichen die Entscheidungen mit unserem Neuwirth Finance-Wirtschaftsindikator ab. Dieser Indikator ist ein Pulsmesser der konjunkturellen Lage. Hebt die EZB nun den Leitzins an und unser Indikator zeigt parallel stärkstes Wirtschaftswachstum, dann deutet alles auf eine Zinstrendwende hin. Sehen wir jedoch eine Rezession wie 2011, dann ist das Zinsplus der EZB lediglich ein Fehlsignal, aber keine nachhaltige Zinstrendwende.

immobilienreport:  Wie schätzen Sie für dieses Jahr die Wahrscheinlichkeit steigender Zinsen ein?

Neuwirth: Wenn sich die Wirtschaft wieder erholt und dauerhaft wächst, wird die Niedrigzinsphase ein Ende haben, Nur wenn sich die Wirtschaft wieder erholt und dauerhaft wächst. Ich gehe davon aus, dass in 2015 die Zinsen weiterhin niedrig bleiben werden

immobilienreport:  Wie kostet Ihre Dienstleistung dem Kunden/Kreditnehmer bzw. wie finanzieren Sie sich?

Neuwirth: Kunden, denen wir ein Immobiliendarlehen mit variabler Zinsbindung vermitteln zahlen hierfür 1,75 Prozent einmalige Vermittlungsgebühr auf die Darlehenssumme. Für die FlexSafe-Zinsberatung fallen 0,25 Prozent pro Jahr an.

immobilienreport:  Herr Neuwirth, Danke für das Gespräch.

Das Interview führte Ulrich Lohrer

 

Bilder: Kurt Neuwirth – Neuwirth Finance GmbH; EZB in Frankfurt –