"Mietspiegel ist widersprüchlich"

Münchens Vermieter haben heftige Kritik an dem neuen Münchner Mietspiegel geübt. immobilienreport münchen sprach mit Rudolf Stürzer, dem Vorsitzenden des Haus- und Grundbesitzervereins München und Umgebung.

immobilienreport: Herr Stürzer, Sie bezweifeln ob der neue Mietspiegel tatsächlich die Realität abbildet, weil die Mieten nach dem neuen Mietspiegel 2011 im Vergleich zum vorherigen Mietspiegel 2009 gesunken sein sollen?

Rudolf Stürzer: Ja, nach dem neuen Mietspiegel soll die Durchschnittsmiete 9,79 Euro pro Quadratmeter betragen und damit 1,1 Prozent unter der Durchschnittsmiete von 9,89 Euro  des vorausgegangenen Mietspiegels 2009 liegen. Dass die Durchschnittsmiete gesunken sein soll, steht im Widerspruch mit unseren mehr als 5000 Vergleichsmieten. Auch die Zahlen des IVD und der Portale immowelt.de oder immobilienscout24 weisen eine klar steigende Tendenz auf.

immobilienreport: Die Zahlen der Portale wie immobilienscout24 resultieren aber aus Angebotspreisen, nicht aus tatsächlichen Vertragsmieten.

Stürzer: Ja, aber der geringe Wohnungsleerstand in München spricht dafür, dass Angebotspreise und Neuvertragsmieten sehr nahe beeinander liegen. Zudem: Unsere eigene Zahlen und die des IVDs ergeben sich aus tatsächlichen Mietverträgen. Was wir aber vor allem kritisieren, ist der offensichtliche Widerspruch des Mietspiegels mit den eigenen Zahlen der Stadt München.

immobilienreport: Wo besteht ein Widerspruch?

Stürzer: Der vom Referat für Stadtplanung und Bauordnung herausgegeben Bericht zur Wohnungssituation in München weist bis zu zwei Euro höhere Mieten aus als der Mietspiegel. Die Differenz wird zwar damit begründet, dass der Wohnungsmarktbericht nur Mieten enthält, die in den letzten vier Jahren neu vereinbart wurde, der Mietspiegel dagegen ein Mix aus Wiedervermietungsmieten und Bestandmieten sei. Doch wenn man die Wiedervermietungsmieten des Wohnungsberichts heranzieht und das gleiche Verhältnis von Bestandsmieten (39,4 Prozent)und Wiedervermietungsmieten (60,6 Prozent) wie beim Mietspiegel unterstellt, dann dürfen die Bestandsmieten in München nur 6,50 Euro betragen. Das ist unrealistisch

immobilienreport: Weshalb lassen Sie sich nicht einfach die für Mietspiegel erhobenen Daten geben? 

Stürzer: Im Gegensatz zu anderen Städten werden bei der Erstellung des Mietspiegel der Stadt München die Verbände der Vermieter und Mieter nicht herangezogen. Die von der Stadt selbst zur Mietspiegelerstellung erhobenen Daten werden – angeblich aus datenschutzrechtlichen Gründen – nach Erstellung des Mietspiegels vernichtet. Dabei wäre es völlig ausreichend, die Daten zu anonymisieren. Dies alles wirft Zweifel auf, ob der Münchner Mietspiegel ein qualifizierter Mietspiegel im Sinne des Gesetzes sein kann und vor Gericht Beweiskraft haben darf.

immobilienreport: Wie wollen sie reagieren?

Stürzer: Wir werden Betroffene des Mietspiegels bei einer Klage unterstützen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es dazu kommt.      

immobilienreport: Herr Stürzer, Danke für das Gespräch!

Das Gespräch führte Ulrich Lohrer

 

Reaktion auf Kritik

immobilienreport holte zur Kritik Rudolf Stürzers am neuen Mietspiegel eine Stellungnahme im Sozialreferat München ein. Dazu führten wir ein Interview mit Tina Willamowius, Fachbereichsleiterin im Amt für Wohnen und Migration des Sozialreferats der Landeshauptstadt München.

 

Foto Rudolf Stürzer/Vohler