Das Viertel König Ludwig I.

Bereits als Kronprinz beauftragte der spätere König Ludwig I die Architekten Carl von Fischer und Leo von Klenze zur Planung des Königsplatzviertel. Wo einst der Adel residierte, befindet sich Münchens Kulturquartier. Vereinzelt gibt es noch noble Wohnhäuser.

 

Am 1, Januar 1806 wurde der Herzog von Bayern aufgrund seines Bündnisses mit Napoleon zum ersten König von Bayern erhoben. Maximilian I. Joseph wollte auch baulich in München seinen Königstitel manifestieren. In der neuen Maxvorstadt sollte die Residenz via einer Prachtstraße mit der Nymphenburger Straße zur Sommerresidenz, dem Nymphenburger Schloss, verbunden werden.

Eine elegante Vorstadt als Schauplatz des neuen Königreichs

Im Dezember 1807 wurde auf Betreiben des Kronprinzen Ludwig dazu ein städtebaulicher Wettbewerb veranstaltet, in dem vor allem die Entwürfe des Landschaftsarchitekten Friedrich Ludwig Sckell und des Architekten Carl von Fischer im neuen Generalplan Berücksichtigung fanden. Dieser gab einen Rasterplan für die künftige Maxvorstadt vor.

Die neue Prachtstraße erhielt entsprechend des neuen Status von Bayern den Namen Königstraße, wird aber seit 1826 Brienner Straße genannt. Die Straße  verband drei neue Plätze: dem kreisrunden Karolinenplatz (Bild oben links), den rechteckigen Königsplatz (großes Bild oben) und den runden Stiglmaierplatz. Diese Folge geometrisch gestalteter Plätze wurde von dem 25-jährigen Architekturgenie Carl von Fischer nach dessen Italienreise von 1808 festgelegt.

Die Adelspaläste um den Karolinenplatz

Von Fischer und Sckell wurden bei der Gestaltung des Karolinenplatzes – benannt nach der Gemahlin von König Max Joseph – von den Rondellplätzen des französischen Städtebaus wie dem Place des Victoires in Paris inspiriert. Um den Karolinenplatz herum entstanden vier von Carl von Fischer entworfene Palais, davon drei mit jeweils zwei Nebengebäuden, die alle drei Franz Wilhelm Freiherr von Asbeck, Präsident der Finanzverwaltung des Königreichs Bayern, erbauen ließ.

Das zuerst erbaute südwestliche Palais Asbeck, Karolinenplatz 3 (1945 zerstört, seit 1957: Amerikahaus), bezog er selbst, das nordwestliche stattliche Kronprinzenpalais Karolinenplatz 4 (1945 zerstört, seit 1954 Staatliche Lotterieverwaltung) bewohnte Kronprinz Ludwig und das Palais am Karolinenplatz 5 (zerstört, Neubau durch L. Deiglmair, heute Sitz  des Sparkassenverbandes Bayern)  russissche Gesandte. Der einzige von Fischer entworfene Palast am Karolinenplatz, der nicht von Adligen bezogen wurde, war das Atelier- und Wohnhaus des Hofbildhauers Joseph Kirchmayer Karolinenplatz 1 (zerstört; seit 1956 LBS von Josef Wiedemann). Außer den Nebengebäuden der Paläste blieb keines der Häuser von Fischer erhalten, doch seine großzügige und elegante Planung prägt heute nicht nur den Karolinenplatz, sondern auch den Königsplatz.

Der Königsplatz – Ludwigs Akropolis an der Isar

Die treibende Kraft des neuen, klassizistischen München – bald Isar-Athen genannt – war der Kronprinz, der seit 1825 als König Ludwig I. bald auch die Monumentalprachtstraße Ludwigstraße vorantrieb. Statt Carl von Fischer wurde allerdings Leo von Klenze Ludwigs Hofarchitekt, der keine Gelegenheit ausließ, von Fischer beim neuen Regenten zu diskreditieren, aber beim Entwurf des Schlüsselbaus des Königsplatzes, des Sammlungsgebäudes der antiken Skulpturen (Glyptothek), auf dessen Entwurf zurückgriff.

Dies war für Carl von Fischer,  umso bitter, da er von seinem Wohnhaus am östlichen Rand des neuen Königsplatz täglich die von Klenze geleitete Baustelle sah. Bereits 1820 verstarb er mit nur 38 Jahren an Tuberkulose.

Auch der Idee der Anlage des Königsplatz geht auf Carl von Fischer zurück. Er hatte sie nach dem Vorbild der Akropolis in Athen entworfen. Von Klenze stammt der im Westen des Platzes positionierte Torbau Propyläen (Bild links, Bildmitte), der aber erst 1860 fertiggestellt wurde.

Dagegen wurde der von Georg Friedrich von Ziebland, einem Schüler von Fischer, im Süden des Platzes von 1836 bis 1848 eine Art korinthischer Tempels erbaut. Das Gebäude diente zunächst für Kunst- und Industrieaustellungen bis diese Rolle zunehmend vom Glaspalast im Alten Botanischen Garten  übernommen wurde. Heute beherbergt der Tempel von Ziebland die Staatlichen Antikensammlung.

Etwa zeitgleich entstand  direkt am Rückgebäude anschließend – ebenfalls von Ziebland entworfen – das im frühchristlich-byzantinischen Stil erbaute Kloster St. Bonifatius mit einer Basilika. Hier wurde der 1868 verstorbene Ludwig I. mit seiner Gemahlin begraben.        

Erste Villen und Mietshäuser für die Bürger

Mit den Museumsbauten am Königsplatz und Klenzes Gemäldegalerie Pinakothek entstanden in der Maxvorstadt nicht nur repräsentative Gebäude des Königreichs, sondern außer den Palästen für den Adel auch weitere Wohnhäuser.

Bereits seit Ende der 1820er-Jahre bestanden in der Max-Joseph-Straße und in der Karlstraße Villen mit Vorgärten, wie das erhaltene, von Rudolf Röschenauer für Joseph Breitenbach errichtete Vorstadthaus in der Karlstraße 32 .

Nur wenig später entstanden auch palastartige Mietshäuser wie das des Bauunternehmers Joseph Höchl (Karlstraße 21) oder von Röschenauer erbaute Häuser in der Karlstraße 18, 20 und 22.

Auch entstand bereits vor dem Regierungsantritt von Maximilian im Revolutionsjahr 1848 – als Folge des durch die Lola-Montez-Affäre erzwungenen Abdankung Ludwig I. – das in einem frühen Maximilianstil erbaute Mietshaus in der Sophienstraße 5.

Häuser der Künstler und Paläste der Reichen

Ende des 19. Jahrhunderts errichteten neben dem Adel  auch Vertreter des Großbürgertums herrschaftliche Wohnsitze im Viertel. So ließ sich der Schriftsteller Paul Heyse Gottfried von Neureuther seine Villa in der Luisenstraße 22 bauen.

Der Schwiegervater von Thomas Mann, der Industriellensohn und Mathematikprofessor Alfred Pringsheim, bezog 1890 sein Palais Pringsheim. Und Bayerns damals reichster Mann, der Lokomotivfabrikant und Bankier Hugo Ritter von Maffei, ließ sich 1892 von Albert Schmidt sein Palais Maffei (Katharina-von Bora-Straße 11) errichten.

Am Maximiliansplatz, der Max-Joseph-Straße und der Brienner Straße entstanden großstädtisch repräsentative Geschäftsbauten, de ganze Blockbebauungen einnahmen, wie die Palais für die jüdischen Kunsthändler Bernheimer (Lenbachpalais) und Drey, das Hotel Regina oder das Gebäude der IHK.

Hitlers Aufmarschplatz und NSDAP-Verwaltungszentrum

Nach der Machtergreifung von Adolf Hitler verwandelte sich das Viertel um das Braune Haus (Brienner Str., seit 2015 NS-Dokumentationszentrum) zur Verwaltungszentrale der NSDAP. Hitlers Lieblingsarchitekt Paul Ludwig Troost plante den Führerbau, den Verwaltungsbau der NSDAP (heute: Haus der Kulturinstitute) sowie zwei Ehrentempel. Anstelle eines Rasen wurde auf dem Königsplatz Granitplatten ausgelegt und dieser zum Aufmarschplatz und Weihestätte des Kultes für die Toten des Hitler-Putsches 1923 zu verwandeln. Das Regime zerstörte durch die Neuauten das ehemalige Wohnhaus von Fischer und das Palais Pringsheim. In der Brienner Straße 23 entstand das Haus Deutscher Ärzte von Roderich Fick sowie am Alten Botanischen Garten das Park-Cafe von Oswald Eduard Bieber und das Oberfinanzpräsidium von Franz Stadler.

Hochschulviertel und Kunstquartier mit Luxuswohnungen 

Die durch Hitlers Weltkrieg verursachte Zerstörung des Viertels wurde zum Teil erst Jahrzehnte später mit dem vereinfachten und schöpferischen Wiederaufbau von Bauwerken wie der Alte Pinakothek (Wiederaufbau Hans Döllgast) oder Glyptothek (Wiederaufbau durch Josef Wiedemann) beseitigt.

Mit der Ausweitung der Technischen Universität und der Fachhochschule sowie neuer Museumsbauten wie dem Ägyptischen Museum mit der Filmhochschule ging der ohnehin geringe Wohnanteil im Viertel weiter zurück. Dies änderte sich erst, als die Frankonia Eurobau anstelle von Institutsbauten von 2005 bis 2010 nach Plänen von Hilmer Sattler und Albrecht sowie Otto Steidle das Luxusquartier Lenbachgärten mit den damals teuersten Münchner Neubauwohnungen am Botanischen Garten entwickelten.

Das aktuell größte Bauvorhaben ist die Verwandlung des ehemaligen Heizkraftwerks in eine Wohnanlage der Stadtwerke SWM für deren Mitarbeiter und zum Verkauf als Eigentumswohnungen. Wer im Königsplatzviertel wohnt, der zählt oft zu Münchens  Führungsschicht.

 

Das Viertel in Zahlen

Das Königsplatzviertel ist heute ein Bezirksteil des Münchner Stadtbezirk Maxvorstadt und liegt nordwestlich des ersten Münchner Stadtbezirks (Altstadt-Lehel). Im Südosten, ab dem Karlsplatz bis zum Platz der Opfer des Nationalsozialismus, bildet der Maximiliansplatz die Grenze zwischen dem Königsplatzviertel und dem Kreuzviertel der Altstadt. Von dort trennt die Brienner Straße bis zum Karolinenplatz und dann die nördlich verlaufende Barer Straße das Viertel vom nordöstlich gelegenen Universitätsviertel. Im Norden verläuft die Grenze entlang der Theresienstraße zum Viertel des alten nördlichen Friedhofs. Im Westen reicht das Königsplatzviertel bis zur Luisenstraße und liegt dort im nördlichen Bereich gegenüber dem Josephsplatzviertel und im südlichen Bereich gegenüber dem Viertel der Augustenstraße. Im Süden stößt das Königsplatzviertel entlang der Prielmayerstraße an die Ludwigsvorstadt Kliniken, ein Bezirksteil des Stadtbezirks Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt.

Einwohner: Im Königsplatzviertel wohnen bezogen auf die Fläche und der zentralen Lage sehr wenige Menschen. Es gibt relativ wenige Familien mit Kindern, und der Ausländeranteil ist doppelt so hoch wie in der gesamten Stadt.

Infrastruktur: Das Viertel wird auch als Kulturquartier bezeichnet und verfügt mit den Pinakotheken, der Glyptothek und dem Ägyptischen Museum über eine der weltweit bedeutendsten Kunst- und Kultursammlungen. Mit dem Alten Botanischen Garten, dem Königsplatz und der Anlagen der Pinakotheken ist ein hoher Grünanteil vorhanden. Die nahe Altstadt bietet alle Einkaufsmöglichkeiten.

Immobilien: Aktuell werden im Viertel keine Miet- und  Eigentumswohnungen angeboten.

Text: Ulrich Lohrer, Stand 09.01.2018

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