Kostenexplosion durch höhere Notargebühren

Am 1. August wurden die Gebühren für Notare und für Grundbuchamt kräftig erhöht. Betroffen sind vor allem Immobilienkäufer und Kreditnehmer. Die Gebühren für die Aufsetzung des Kaufvertrags und für die Grundschuldbestellung stiegen um rund 20 Prozent.

 

Immobilienkäufer müssen nun tiefer in die Tasche greifen. So stiegen die Gebühren für die Aufsetzung des Kaufvertrags und für die Grundschuldbestellung um rund 20 Prozent. Je nach Art der Tätigkeit des Notars und dem Geschäftswert kann es hierbei deutliche Unterschiede geben. 

Gesetzgeber beschenkt Notare auf Kosten der Käufer

Bei einem Kaufpreis von 600.000 Euro und einer Grundschuld von 400.000 Euro, erhöhten sich die Notargebühren inklusive Mehrwertsteuer um 19 Prozent auf knapp 6150 Euro und die Grundbuchkosten um fünf Prozent auf rund 2450 Euro. Bei niedrigeren Summen fällt der relative Anstieg sogar noch größer aus. Beim Kauf einer Immobilie mit einem Kaufpreis von 300.000 Euro und einer einzutragenden Grundschuld von 200.000 Euro fielen für Notarkosten inklusive Mehrwertsteuer bislang 2723 Euro sowie Grundbuchkosten in Höhe von 1244 Euro an. Die Gesamtkosten beliefen sich also auf 3967 Euro. Seit dem 1. August müssen Immobilienkäufer für die gleiche Leistung an den Notar inklusive Mehrwertsteuer 3540 Euro und an das Grundbuchamt 1412 Euro zahlen. Die Gesamtkosten stiegen demnach um 24 Prozent auf 4952 Euro. Der Notar erhält (inkl. MwSt.) mit 816 Euro knapp 30 Prozent mehr, das Grundbuchamt mit 168 Euro gut 13 Prozent mehr Geld.

Je nach Einzelleistung und der Kaufpreishöhe beziehungsweise der Grundschuld fällt die Teuerung recht unterschiedlich aus. So steigen in dem Beispielfall die Kosten für die Protokollierung des Kaufvertrags, die Bestellung der Grundschuld und die Abwicklungsgebühr zwischen 22 und 25 Prozent. Besonders stark erhöht sich jedoch mit 150 Prozent die sogenannte Vertragsvollzugsgebühr, während die Kostensteigung für die Abwicklung über ein Notaranderkonto mit 18 Prozent noch am geringsten ausfallen.

Deutlich günstiger wurde dagegen die Beglaubigung von Unterschriften. Will Eigentümer eine eingetragene Grundschuld im Wert von 350 000 Euro löschen lassen und lässt diese Unterschrift unter dem Löschungsantrag beglaubigen, zahlt er nur noch 20 Euro. Nach dem alten Recht waren es noch 130 Euro. Damit wird die Beglaubigung rund 85 Prozent günstiger.

Verbraucherschützer kritisieren Sieg der Notarlobby

Die Anpassung der Notargebühren sei, so die Bundesnotarkammer, mit Augenmaß erfolgt und liege deutlich unterhalb der Gebührensteigerung bei den Gerichten. „Das soziale Gefüge der Wertgebühr wurde nicht beeinträchtigt“, behauptet Timm Starke, Präsident der Bundesnotarkammer. „Auch zukünftig wird jeder, unabhängig von seinem Einkommen und Vermögen, Zugang zum Notar haben. Die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Leistungen der vorsorgenden Rechtspflege ist damit unverändert gewährleistet.“Laut Bundesnotarkammer habe es seit 1986 keine Veränderung in der Gebührentabelle für Notare gegeben. Die dadurch inflationsbedingt entstandenen faktischen Gebührensenkungen hätten dazu geführt, dass außerhalb der großen Ballungszentren, insbesondere im ländlichen Bereich, ein wirtschaftlicher Betrieb von Notarstellen immer schwieriger wurde.

Obwohl die Gebühren zum Teil auch sinken, sind Verbraucherschützer empört. Das neue Gesetz sei ein „Sieg der Lobby“. Eine Steigerung der Bezüge um bis zu 20 Prozent sei in kaum einer anderen Branche möglich, kritisiert die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Die Begründung für die saftige Erhöhung der Notargebühren ist auch nicht schlüssig, weil sich die Gebühren ohnehin an den aktuellen Werten bemessen. Die Kaufpreise für Immobilien und die Höhe der Grundschuld haben im Bundesdurchschnitt etwa entsprechend der Inflationsrate zugenommen. In den vergangenen fünf Jahren fiel der Anstieg der Kaufpreise in vielen Großstädten sogar zum Teil deutlich höher als die Inflationsrate aus. Völlig unverständlich ist daher, weshalb sich die Beurkundung von Immobilienverkäufen nun zusätzlich deutlich verteuern soll, obwohl die Kaufpreise als Grundlage dafür bereits stark gestiegen sind.

Veränderungen berechnen

Je nach Leistungsart und dem zu bemessenden Wert kann die Gebührenerhöhung unterschiedlich ausfallen. Einen Rechner zur Ermittlung der Notargebühren vor und nach Erhöhung bietet die FMH Finanzberatung im Internet an (siehe unten). Für Käufer empfiehlt es sich aber auch nur die Leistungen der Notare in Anspruch zu nehmen, die unvermeidlich sind. Danach empfiehlt es sich, zuerst ein Grundstück zu erwerben und dann später darauf eine Immobilie zu errichten. Denn der Hausbau stellt kein zu beglaubigendes Immobiliengeschäft dar. So ist auch ein Notaranderkonto nur noch in Ausnahmefällen, wie bei einer Ersteigerung bei einer Zwangsvollstreckung, notwendig. Auch muss bei einem Wechsel des Kreditnehmers nicht mehr die Grundschuld gelöscht werden. In der Regel genügt es, die Grundschuld an den neuen Kreditgeber abzutreten. Notarkosten entstehen dann nur für die Beglaubigung der Abtretungserklärung.

Weitere Informationen:

FMH Finanzberatung: Notarkosten- und Grundbuchrechner