Olchinger Wohnträume

In der Stadt des Landkreises Fürstenfeldbruck westlich von München bezogen in den vergangenen Jahren viele Familien ihr neues Eigenheim. Darunter etliche Münchner, die dort ihren Traum vom Eigenheim noch verwirklichen konnten. Doch viel Baugrund gibt es nicht mehr.

 

München weist seit Jahren ein rasantes Bevölkerungswachstum auf. Doch in den vergangenen vier Jahren nimmt die Bevölkerung fast nur noch durch den Zuzug von Ausländern und Geburten zu.  Seit 2013 ziehen mehr Deutsche aus München weg als in die Stadt hinein. 2016 erreichte der Saldo mit minus 5617 Personen einen Rekord.

 Viele Familien mit Kindern ziehen ins Umland, weil dort noch eine Chance besteht, den Traum vom Haus im Grünen verwirklichen zu können. Die Preise von Einfamilien- oder Reihenhäusern liegen zwar auch im Münchner Umland im oberen Bereich der deutschen Preisskala, doch gibt es im Gegensatz zur Landeshauptstadt noch ein Angebot. 2015 und 2016 lag der Bevölkerungstausch allein zugunsten des Landkreises Fürstenfeldbruck bei mehr als 3000 Personen.

Das zwischen Fürstenfeldbruck und Dachau an der Amper gelegene Olching ist eine der Städte, die besonders viel Eigenheimerwerber anzieht. 2011 wurde die Gemeinde zur Stadt erhoben und zählt heute knapp 27.000 Einwohner.

Olching locht Unternehmen und neu Bürger an

Das starke Bevölkerungswachstum der jungen Stadt resultiert aus der großzügigen Ausweisung von Bauland und der unternehmensfreundlichen Standortpolitik des 38-jährigen Bürgermeisters Andreas Magg (SPD), aber auch aus der günstigen Verkehrsanbindung mit S-Bahn-Anschluss und Zufahrt zur A 8 in der Nähe des Autobahnrings München (A 99).

Gewerbesteuern für Stadtentwicklung

In dem neuen Gewerbepark an der B 471 im Olchinger Ortsteil Geiselbullach haben sich Amazon, der Feinkostvertrieb Heiderbeck, der Medizintechniker Medin Medical Innovations und der Betriebshygienegroßhändler Zwetko angesiedelt (siehe Seite 07). Dies beschert dem Haushalt der Stadt höhere Gewerbe- und Einkommensteuer-Einnahmen, die für den Schuldenabbau,  der weiteren Stadt-entwicklung und dem Schul- und Kita-Ausbau verwendet werden können.

Gräber aus der Hallstadtzeit und romanische Kirchtürme 

Obwohl Olching und die heutigen Ortsteile Esting und Geiselbullach – die 1978 zu einer Großgemeinde zusammengelegt wurden – zum Teil bereits in der Hallstattzeit (750 bis 500 v. Chr.) bewohnt waren und zu den ersten bajuwarischen Ansiedlungen zählen, gab es dort lange Zeit nur einige Bauernhöfe.

In Esting ist der Kirchturm von St. Stephanus noch romanischen Ursprungs (siehe Foto rechts). Hier errichteten die Herren de Ehstingen im 12. Jahrhundert ein Schloss, das 1704 im Spanischen Erbfolgekrieg von den Soldaten des Herzogs von Marlborough zerstört wurde und dessen Wiederaufbau von 1764 mit Schlosskapelle heute eine der Sehenswürdigkeiten ist (siebe Bild links).

Olching zählte noch 1839 lediglich 300 Einwohner. Im selben Jahr begann aber mit dem 19 Kilometer langen Eisenbahnabschnitt München-Olching und ein Jahr später mit dem Gleisausbau nach Augsburg das Eisenbahnzeitalter.

Arbeitersiedlung mit Gutshäusern.

Danach siedelte sich die Holzstoff-Fabrik der Münchner-Dachauer Papierfabrik (siehe Bild links: Wasserkraftwerk der ehemaligen Papierfabrik) an, die Einwohnerzahl stieg und der Ort verwandelte sich in eine Arbeitersiedlung.

Rundherum befanden sich aber einige Gutshäuser mit großen Ländereien: das Gutshaus Stürzer in Geiselbullach, das Gut Graßlfing (siehe Bild unten links) und das Gut Roggenstein mit seinen Mustersiedlung aus geklinkerten Doppelwohnhäusern für die Arbeiterfamilien des Gutes (siehe Foto rechts unten).

1901 wurde die von Moritz von Horstig und Josef Schormüller entworfene Basilika St. Peter und Paul am Nöscherplatz errichtet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt die Gemeinde einen Zuzug von rund 2000 Heimatvertriebenen aus Schlesien und dem Sudetenland. Der bis heute anhaltende starke Bevölkerungsschub setzte aber mit der Inbetriebnahme der S-Bahnlinie 1972 ein. Seither hat sich die Zahl der Einwohner von gut 14.000 nahezu verdoppelt.

Um ausreichend Wohnraum zu schaffen, entstanden neue Groß-Wohnsiedlungen, zunächst auf dem Gelände der Holzstoff-Fabrik und bis heute im Schwaigfeld.

Quartier Schwaigfeld weitgehend fertig gestellt

Nach der Bebauung mit Geschosswohnungsbauten entstehen nun im Schwaigfeld nördöstlich der Wittelsbacher Allee auch freistehende Einfamilienhäuser (siehe Bilder ganz oben). Die Bauträger Immolease und Walser Immobilien bieten sie mit Wohnflächen von 130 bis 150 Quadratmetern zu Preisen von rund 800.000 Euro bis gut eine Million Euro an. Damit ist die vollständige Bebauung des Schwaigfeld absehbar.

Zwar hat die Stadt 2016 für sieben Millionen Euro vom Wittelsbacher Ausgleichsfonds zwei angrenzende, noch unbebaute Ackerflächen mit rund 47.100 und 4500 Quadratmetern zwischen Ludwig-, Tuchola- und Ascherbachstraße gekauft. Doch nur die kleinere Fläche liegt noch im Bebauungsplan des Schwaigfelds und soll mittelfristig für kommunalen oder geförderten Wohnungsbau verwendet werden. Für das große Areal ist eine Bebauung allenfalls langfristig angedacht.

Das weiter südlich an der Max-Reger-Straße gelegene ehemalige Mannesmann-Areal ist bereits mit Einfamilien-, Doppel- und Mehrfamilienhäusern mit 180 Wohneinheiten bebaut. Nur zwei Grundstücke sind noch frei, die aber laut Bauträger Wowobau in nächster Zukunft nicht bebaut werden.

Fast fertiggestellt ist auch das neue Wohnquartier Am Schlossgarten in Geiselbullach neben der Barockkapelle St. Nepomuk. Bartsch Immobilien in Wolfratshausen errichtet dort Wohnungen in einem Mehrfamilienhaus sowie mehrere Doppel- und Reihenhäuser, die jedoch bereits verkauft sind. Und an der S-Bahn-Haltestelle Esting startet die HS Firmengruppe demnächst mit dem Bau der Wohnanlage Hubertushof.

Künftig soll Olching aber langsamer wachsen: In dem 2016 verabschiedeten Flächennutzungsplan sind keine neuen Quartiere auf grüne Wiesen vorgesehen. Stattdessen soll die Ortsteile verdichtet werden. Es wird weniger neue Häuschen im Grünen geben.

 

Die Stadt in Zahlen

Olching ist eine Stadt im Nordosten des Landkreises Fürstenfeldbruck. Es grenzt im Westen an die Gemeinde Maisach, der Kreisstadt Fürstenfeldbruck und der Gemeinde Emering und im Süden an die Gemeinde Eichenau, die Stadt Puchheim und die Gemeinde Gröbenzell, die sich alle ebenfalls im Landkreis Fürstenfeldbruck befinden.

Nördlich der A 8 grenzt die Gemeinde Bergkirchen im Landkreis Dachau an Olching.

Im Nordosten grenzt zudem bei der Abzweigung der Ringautobahn A 99 die Landeshauptstadt München mit dem westlichsten (22.) Stadtbezirk (Bezirksteil Lochhausen) beim Langwieder See an Olching.

Einwohner: Olching weist seit Jahrzehnten einen Bevölkerungszuwachs auf. Das Durchschnittsalter ist relativ niedrig.

Infrastruktur: Olching ist über die S-Bahnhöfe Esting und Olching direkt an München angebunden. Zudem besteht über die A8 eine gute Verkehrsanbindung. Die Stadt verfügt über ein gutes Angebot an Bildungseinrichtungen und Einkaufsmöglichkeiten (Hauptstraße) sowie mit dem Golfclub, dem Vogelpark, dem Olchinger See und dem Auengebiet der Amper über vielfältige Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten.

Immobilien: Das Angebot an Eigentumswohnungen und Eigenheimen resultiert vor allem aus der Neubautätigkeit, die jedoch seit 2012 leicht rückläufig ist.  

Weitere Informationen:

Webpräsenz der Stadt: www.olching.de