Schwere-Teiter-Straße: Vom Kasernen- zum In-Viertel

Das ehemalige Kasernenviertel an der Schwere-Reiter-Straße verwandelt sich in eines der begehrtesten Münchner Wohnviertel. Nach der Fertigstellung der Wohnanlage am Ackermannbogen stehen nun weitere Wohnprojekte an.

 

Südlich des Olympiaparks, im Bezirk Schwabing-West, liegt das Viertel um die Schwere-Reiter-Straße. Wo ehemals Bayerns Regimenter stationiert waren, befindet sich das Kreativquartier mit dem Schwere Reiter – Tanz Theater und dem Kunstbereich MUCCA.

Noch bis Ende des 19. Jahrhunderts war die Gegend unbesiedelt. Zwar wurde bereits 1796 das Oberwiesenfeld als Exerzierplatz, Artillerie-Übungsgelände und Schießpulver-Depot genutzt. Doch erst Ende des 19. Jahrhunderts entstanden am Oberwiesenfeld Gebäude – gleich mehrere neue Kasernen. Für das von Ingolstadt nach München verlegte Eisenbahnbataillon wurde 1890 an den Gleisen, die später durch die Dachauerstraße ersetzt wurden, die Eisenbahnkaserne errichtet. 1896 wurde zudem die Luitpold Kaserne für die neue Luftschifferabteilung südlich der Eisenbahnerkaserne fertiggestellt. Und als wegen der katastrophalen sanitären Bedingungen gleichzeitig in mehreren Kasernen in der Innenstadt 1893 die Typhus-Epidemie ausbrach, kam es zu dem Beschluss, mehrere Regimenter von der Innenstadt nach Oberwiesenfeld zu verlegen. Die Infanterie bezog bereits im Herbst 1893 zwischen der heutigen Infanteriestraße und der Winzererstraße das Barackenkasernement Oberwiesenfeld, das ständig ausgeweitet wurde.

So entstand von 1909 bis 1918 für Bedienstete des militärischen Bekleidungsamts die Barbarasiedlung mit ihren malerischen Wohnhäusern (siehe großes Bild oben). Der Name des Schwere-Reiter-Viertels geht aber auf das 1902 in die neue Prinz-Leopold-Kaserne verlegte 1. Kürassier-Regiment zurück. Erhalten sind die von Georg Zeiser im Neobarockstil entworfenen Kasernenbauten – das Mannschaftsgebäude (siehe Bild links) sowie das Stabsgebäude in der Schwere-Reiter-Straße, die heute gewerblich genutzt werden.

Während der 1930er-Jahre wurde der Militärstandort am Oberwiesenfeld ausgebaut und östlich der Eisenbahnerkaserne um die Stetten- (1931) und Waldmann-Kaserne (1934) ergänzt. Die Kasernenbauten, die im Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont geblieben waren, wurden nach 1945 zum Teil von amerikanischen Streitkräften und ab 1955 von der Bundeswehr genutzt. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurden die Kasernen aufgelöst und die Liegenschaften privatisiert und nun gewerblich genutzt. So befindet sich beispielsweise im ehemaligen Bekleidungsamt der Luitpoldkaserne das Business- und Gewerbeareal Infanteriestraße 11a der Allgemeine Südboden Grundbesitz mit der Fresenius Hochschule. Etliche Gebäude, wie das Bekleidungsamt, die ehemalige Garnisonskirche St. Barbara von Erich Goebel sowie die Reithalle in der Heßstraße 132 (siehe Bild links oben) sind heute denkmalgeschützt.

Die neuen Wohnquartiere.

Heute befindet sich nur noch das Kreiswehrersatzamt in einem Teil der ehemaligen Eisenbahnerkaserne. Diese musste teilweise bereits Anfang der 1970-Jahre wegen der Anlage des Olympiaparks weichen. 2010 wurde, im Zuge der Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2018 für den unbebauten südlichen Bereich zwischen Olympiapark und Schwere-Reiter-Straße ein Planungswettbewerb für Sportlerunterkünfte mit nachträglicher Wohnnutzung ausgelobt, bei dem der Entwurf der Berliner Architekten Léon Wohlhage Wernik den ersten Preis erhielt. Im Februar 2018 legte die Landeshauptstadt den auf diesen Entwurf zurückgehenden Bebauungsplan vor: Auf dem Grundstück, das dem Freistaat Bayern gehört, sollen nun 680 Mietwohnungen für Staatsbedienstete entstehen.

Erst vor Kurzem wurde das östlich gegenüberliegende Quartier am Ackermannbogen fertiggestellt, das anstelle der Stetten- und Waldmannkaserne seit 2000 südöstlich des Olympiaparks entstand. In vier Bauabschnitten wurden etwa 2.250 Wohnungen und gewerblich genutzte Bauten. Kürzlich wurde das Wohngebäude Olympia Gate Munich / studiomuc nach Plänen von Steidle Architekten bezogen. Steidle Architekten haben auch das Hochhaus Business Suiten an der Adams-Lehmann-Straße im Quartierszentrum entworfen.

Nun wird das große Areal eines Teiles der früheren Luitpold Kaserne und der Artilleriewerkstätten östlich der Dachauer Straße zum Kreativquartier entwickelt. Bereits vor einem Jahrzehnt sollte dort die Werkbundsiedlung Wiesenfeld entstehen. Doch dem Münchner Stadtrat war der Entwurf des japanischen Architekten Kazunari Sakamoto mit vielen kleineren Wohntürmen zu mutig, weshalb sie das interessante Vorhaben stoppten. Erst 2012 wurde ein weiterer städtebaulicher Wettbewerb zur Neubebauung dieses Kreativquartier ausgeschrieben, den die Berliner Teleinternetcafe mit den Hamburger TH Treibhaus gewannen. Danach entstand ein Rahmenplan, der das Areal in die vier Bereiche – Kreativpark, Kreativplattform, Kreativfeld und Kreativlabor – unterteilt. Im Sommer 2017 trat der Bebauungsplan für das nordöstlich gelegene Kreativfeld mit Baurecht für 385 Wohnungen in Kraft: Demnächst werden die Baugrundstücke an Projektentwickler vergeben, dann wird mit dem Bau begonnen. Die drei anderen Bereiche werden bis zum Abschluss des Bebaungsplanverfahrens zwischengenutzt. Die denkmalgeschützten Industriebauten Jutier- und Tonnenhalle im Kreativpark sollen künftig das kulturelle und kreativwirtschaftliche Herz des Kreativquartiers bilden.

Das Viertel in Zahlen

Das Viertel Schwere-Reiter-Straße ist der westlichste Bezirksteil des Münchner Stadtbezirk Schwabing-West.

Im Westen bildet der Ackermannbogen und der westlichste Teil der Schwere-Reiter-Straße die Grenze zum Oberwiesenfeld. Etwas östlich von der Dachauer Straße befindet sich zudem die Grenze zu dem südwestlich gelegenen Viertel Alte Kaserne, das wie das Oberwiesenfeld Bezirksteile des Stadtbezirks Neuhausen-Nymphenburg ist.

Südöstlich grenzt das Viertel Schwere-Reiter-Straße an das Maßmanbergl, das zur Maxvorstadt gehört.  

Im Osten wird das Schwere-Reiter-Straßen-Viertel von der Winzererstraße begrenzt. Gegenüber liegen die Nachbarviertel Neuschwabing (im Süden) und Am Luitpoldpark (im Norden), beides Bezirksteile von Schwabing-West.

Im Norden befindet sich der Olympiapark, der verwaltungstechnisch zum Bezirksteil Am Riesenfeld des Bezirk Milbertshofen Am Hart zugeordnet ist. 

 

Einwohner: Die Bewohner des Viertels haben einniedriges Durchschnittsalter, weil sehr viele Familien mit Kindern vertreten sind. 

Infrastruktur: Mit den Bus- und Tramlinien entlang der Schwere-Reiter-Straße und der Dachauer  Straße besteht ein guter Anschluss an den ÖPNV. Vielseitige Freizeitmöglichkeiten bietet der direkt angrenzende Olympiapark und das Nordbad. Einkaufsmöglichkeiten gibt es im Ackermannquartier und entlang der östlich gelegenen Schleißheimer Straße.

Immobilien: Das Angebot an Eigentumswohnungen (ETW) direkt im Viertel ist gering. Entlang der Schleißheimer Straße entstehen aber neue ETW. Kleine Apartmentwohnungen im Neubau studiomuc zu hohen Mieten (30 €/qm).