Strompreise: Staat und Stadtwerke schröpfen Verbraucher

Vor allem wegen überhöhter Abnahmepreise für Solarstrom erhöhen sich die Stromkosten dieses Jahr für die Verbraucher drastisch. Besonders teuer sind die ehemaligen regionalen Strom-Monopolisten wie die Stadtwerke. Bei der Erhöhung mit vorne: SWM.

 

Die Strompreise erhöhten sich zum Jahreswechsel 2013 besonders stark. Zwischen Februar 2012 und Februar 2013 wurde die Grundversorgung für Strom laut dem Vergleichsportal Check24 ermittelte, um rund 13 Prozent teurer – deutlich mehr als in den Vorjahren. Dabei erhöhen viele Stromanbieter erst jetzt noch die Preise: Acht Millionen Haushalte, die zum Jahreswechsel noch um eine Erhöhung der Strompreise herumgekommen sind, müssen in den kommenden Monaten mehr zahlen. 74 Versorger erhöhen im Februar und März ihre Preise - und zwar durchschnittlich um 12,1 Prozent, wie ein anderes Vergleichsportal, Toptarif, berechnet hat.

Am höchsten sind die Strompreise bei den sogenannten Grundversorgern: In der Regel sind dies die Stadtwerke oder die Stromkonzerne, die vor der Liberalisierung ein regionales Monopol besaßen. Auch in München schröpfen die Stadtwerke (SWM) ihre Kunden, die nicht von ihrem Wechselrecht Gebrauch machen: Zum ersten März  erhöhen die SWM nach Angaben von Check24 ihren Preis für einen jährlichen Durchschnittsverbrauch von 5000 Kilowattstunden von  1190 Euro um 184,50 auf  1374,50 Euro. Dies entspricht einer satten Preiserhöhung von  15,5 Prozent, deutlich mehr als die Preiserhöhung der anderen Grundversorger (11,9 Prozent) zu diesem Zeitpunkt. Betroffen von den Preiserhöhungen sind allerdings nicht nur Kunden der Grundversorger, sondern auch von alternativen Anbietern – auch wenn diese in der Regel eine deutlich niedrigere Stromrechnung ausstellen.

„Ursache für die derzeitige Erhöhungswelle sind die gestiegenen staatlichen Abgaben und Umlagen im Zuge der Energiewende", sagt Energieexperte Daniel Dodt von Toptarif. Auch wenn die Bundesregierung versucht die Folgen ihrer Energiewende – einen drastischen Anstieg der Energiepreise aufgrund der garantierten Abnahmepreise für erneuerbare Energien – vor der Bundestagswahl im Herbst diesen Jahres entgegenzusteuern, werden die Verbraucher kaum mit einer nachhaltigen Entlastung rechnen können. Zum einen setzt die Bundesregierung auf noch mehr staatliche Eingriffe, anstatt die Preisfindung für Strom Angebot und Nachfrage zu überlassen. Zum anderen kassiert der Staat durch Mehrwertsteuer und Stromsteuer die Verbraucher (siehe Grafik links unten) gleich zweimal und ist Hauptprofiteuer der hohen Strompreise.

Immerhin reagieren immer mehr Verbraucher auf die Preiserhöhungen mit einem Wechsel zu einem günstigeren Stromanbieter. Zwischen November 2012 und Januar 2013 haben knapp 2 Millionen Verbraucher den Stromanbieter gewechselt: mehr als jemals zuvor. Das ist das Ergebnis der „Wechslerstudie Energie“, die vom unabhängigen Vergleichsportal Verivox in Zusammenarbeit mit Kreutzer Consulting durchgeführt wurde. „Sowohl das Ausmaß der Strompreissteigerungen als auch die Reaktion der Verbraucher sind einmalig auf dem deutschen Strommarkt“, sagt Jan Lengerke, Mitglied der Geschäftsleitung bei Verivox. „Besonders bemerkenswert ist, dass der Anteil der Kunden, die zum allerersten Mal den Stromanbieter gewechselt haben, bei rund 50 Prozent liegt. Dies ist ein wichtiger Impuls für die liberalisierten Energiemärkte in Deutschland.“

Überzogene Strompreise: Durch Anbieterwechsel kosten senken

Bei einer Preiserhöhung haben Stromabnehmer ein Sonderkündigungsrecht. Auch sonst ist ein Wechsel möglich: Zum Ende der Vertragslaufzeit kann regulär gekündigt werden. Bei einem Vertragswechsel sollte daher auch auf kundefreundliche Verträgen mit kurzen Kündigungsoptionen geachtet werden: Bei einigen Anbietern ist der Ausstieg binnen eines Monats möglich, ansonsten sind Laufzeiten zwischen drei und maximal 24 Monaten üblich. Wer seinen Anbieter noch nie gewechselt hat und sich noch bei einem  Grundversorger (meistens Stadtwerke) befindet, kann auf jeden Fall monatlich kündigen. In diesem Fall lohnt sich der Wechsel fast immer, denn das Einsparpotential ist enorm.

Einen Marktüberblick schaffen Online-Vergleichsportale. Dazu müssen lediglich Postleitzahl und der (geschätzte) jährliche Verbrauch eingeben werden: Auf einen Blick erhält man die verfügbaren Tarife. Zudem erfährt man auch gleich, wie viel im Vergleich zum jeweils aktuellen Tarif gespart werden kann. Bei den Auswahlkriterien empfiehlt sich nur Verträge mit kundenfreundlichen Gestaltung auszuwählen: Keine Tarife mit Kaution anzeigen lassen, monatliche Zahlweise wählen und keine Strompakete kaufen, bei denen Aufschläge für Mehr- oder Minderverbrauch drohen. Neukundenboni können heikel sein, wenn sie erst nach einem Jahr verrechnet werden oder wenn der Tarif ohne sie deutlich teurer ist. Wer sich die nächsten Jahre nicht mehr mit dem Thema befassen will, lässt den Bonus besser unberücksichtigt. Sinnvoll ist es hingegen, nach Tarifen mit Preisgarantie zu suchen und eine möglichst kurze Vertragslaufzeit zu wählen.

Vergleichsportale:

München bietet so die Möglichkeit, zwischen mehr als hundert Stromversorgern frei zu wählen. Einen guten Überblick über die Marktsituation kann ein Stromvergleich geben. Zu den bekannten und großen Vergleichsportale der Stromanbieter gehören:

Check24: Strompreisvergleich

Toptarif: Stromanbieter vergleichen

Verifox: Strompreisvergleich