Bestellerprinzip: Bestellt und nicht abgeholt?

Anfang März beschloss der Bundestag das Bestellerprinzip: Vermieter, die künftig einen Makler beauftragen, müssen ihn beim vermittelten Vertragsabschluss auch bezahlen. Um Kosten zu sparen, werden Vermieter, aber auch Mietinteressenten aktiver das Internet nutzen. Neue Plattformen bieten Hilfestellung.

 

Wer bestellt, der zahlt. Was in den meisten Bereichen des Wirtschaftslebens eine Selbstverständlichkeit ist, soll nun auch bei der Einschaltung von Maklern bei der Vermittlung von Wohnmietverträgen gelten. Am 5. März 2015 beschloss der Bundestag das Bestellerprinzip zusammen mit der Mietpreisbremse.

Weil die Vermieter bislang Makler für die Vermittlung von Mietwohnungen beauftragen, die Mieter jedoch bei Abschluss die Courtage zahlen mussten, taten sie dies oft und gerne. Wer selbst zahlt, der überlegt sich nun genau, ob er die Dienste in Anspruch nehmen will. „Es wird eine Delle geben“, sagt Peter Schneider, Vorstand der Schneider & Prell Immobilientreuhand AG in Wolfratshausen und Regionalbeirat des Immobilienverbandes Deutschland (IVD). Besonders Einzelmakler und Makler, die ihr Geschäft auf die Wohnungsvermietung ausgerichtet haben, „werden mit Umsatzeinbrüchen rechnen müssen“.

In der Regel erhält der Makler bei Vertragsabschluss zwei Nettokaltmieten. Das Wohnungsvermittlungsgesetz schreibt dies als Obergrenze vor. Grundsätzlich kann eine geringere Courtage mit dem Makler ausgehandelt werden. Einige Auftraggeber werden dies auch versuchen. Wie weit sie die Provision drücken können, hängt von ihrem Verhandlungsgeschick und vom Markt ab. 

Etliche Vermieter werden sich den Makler lieber ganz sparen und die Mietersuche selbst übernehmen: Anzeigen schalten, Termine vereinbaren, Mietinteressenten durch die Wohnung führen und deren Zahlungsfähigkeit überprüfen.

Doch nicht alle Vermieter haben Zeit und Lust, diese Arbeit zu übernehmen. Sie werden weiterhin einen Makler beauftragen – auch wenn sie ihn nun aus eigener Tasche zahlen müssen.

Gleiches gilt übrigens auch für die Mietinteressenten. Wer aufgrund eines Jobwechsels in München eine Wohnung sucht, aber noch in Hamburg lebt, beauftragt mangels Zeit und Marktkenntnis gerne einen Makler vor Ort. Auch wenn er dafür die Courtage zahlen muss. Schließlich mussten die Mieter diese in der Vergangenheit auch zahlen. Nun dürfen sie den Makler aber selbst aussuchen und beauftragen.

Die Anzahl der Verträge, die ohne Vermittlung vom Makler zustande kommt, wird aber sicher zunehmen. Anbieter und Nachfrager von Mietwohnungen werden dabei noch öfters Internet-Marktplätze nutzen. Diese sind für die Inserenten zwar auch nicht kostenfrei, aber weit günstiger als ein Makler. (Gute) Makler erbringen allerdings auch eine darüber hinaus gehende Leistung. 

Neben den ohnehin bereits stark genutzte Angebotsplattformen werden auch Suchanzeigen-Portale eine größere Bedeutung erlangen. Denn nicht nur die Vermieter von Wohnungen stellen ihre Angebote ins Netz, auch die Mietinteressenten können Gesuche lancieren.

Dafür gibt es bereits seit einiger Zeit die Suchanzeigen-Bereiche bekannter Vermittler im Internet wie immobilienscout24 und den demnächst fusionierenden immowelt und immonet. Neue Plattformen wie immobase in München sind hinzugekommen. Die Newcomer bieten zum Teil günstigere Konditionen und mehr Optionen (Tabelle unten).

Vermieter können die Gesuche nach Standort und die für sie wichtigen Kriterien wie Anzahl der Personen oder Schufaauskunft aussuchen.

Clevere Makler nutzen bereits Suchanzeigen-Platformen wie immobase, den nicht alle der Internet-Gesuche schließen von vornherein Makler aus.

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