Ranking der Top-Wohngebiete: Die teuersten Straßen Europas

Wo liegt das teuerste Wohngebiet Europas: In Monaco, der Côte d’Azur, in London oder in St. Moritz? Nein. Laut dem neuen Top-Straßen-Ranking von Engel & Völkers – in dem auch der Starnberger See, Sylt und München vertreten ist – liegt die teuerste Wohnlage Europas im Norden der Mittelmeerinsel Sardinien an der Romazzino Bucht.

 

Das neue Ranking der teuersten Wohnstraßen Europas veröffentlichte das Hamburger Immobiliendienstleistungsunternehmen Engel & Völkers am 25. April 2013 vorgelegt hat.

 

 

Basis sind in 2012 durch Engel & Völkers erfasste oder vermittelte Wohnimmobilien. Im Vergleich zu 2011 bewegen sich die Preise in den meisten Lagen weiterhin im Rekordbereich und im Verhältnis zu anderen Wohnlagen am Gesamtmarkt auf einem weiterhin enorm hohen Niveau.

„In den besonders begehrten Lagen Europas hält die Knappheit exklusiver Immobilien weiter an“, erklärt Christian Völkers, Vorstandsvorsitzender der Engel & Völkers AG. „Das wird sich auch künftig nicht ändern, da immer mehr Menschen – vor allem auch zu Wohlstand gekommene Bürger aus den Schwellenländern von Asien über Russland bis Südamerika – ebenfalls nach Europa drängen, um mit dem Erwerb einer hochwertigen Immobilie in Best-Lage in Exklusivität und Sicherheit zu investieren.“ Die hohen Preise dürften deshalb zukünftig bestätigt werden und sogar noch weiter steigen.

Die Analyse von Engel & Völkers konzentriert sich auf Ausnahmelagen und -immobilien. Die erzielten Preise sind nicht repräsentativ für den Gesamtmarkt oder für die Preisentwicklung von Wohnimmobilien in anderen Lagen. Nur ein Bruchteil der Transaktionen in den einzelnen Lagen erreicht die in dieser Analyse aufgeführten Spitzenpreise. Die Nobelmeilen im einzelnen:

 

Platz 1: Porto Cervo, Sardinien

Unweit der bekannten Bucht Cala di Volpe auf Sardinien liegt zum offenen Mittelmeer ausgerichtet nahe des exklusiven Küstenortes Porto Cervo die Romazzino Bucht. An den für die Costa Smeralda typischen Hügeln schlängeln sich einige kleinere Wege und Straßen, die keine Namen führen und über ein sehr knappes Angebot an hochwertigen Wohnimmobilien verfügen. Dies ist aktuell die teuerste Wohnlage Europas, denn hier werden bis zu 300.000 Euro je Quadratmeter erzielt.

Der Urlaubsort im touristischen Zentrum der Costa Smeralda ist erst 1962 als Ortsteil der Gemeinde Arzachena entstanden. Gegründet wurde er als Urlaubsziel für exklusive Feriengäste von Karim Aga Khan IV, einem mit geschätzen Vermögen von zehn Milliarden Euro reichsten Männer der Welt. Schnell wurde Porto Cervo bei reichen Urlaubern populär und entwickelte sich zu einem beliebten Urlaubsziel des internationalen Jet-Sets. Der Baustil des Ortes verbindet alte sardische Traditionen mit modernen Elementen. Mit größter architektonischer und landschaftsplanerischer Sorgfalt entstand das kleine Städtchen rund um die charakteristische Piazzetta. Sie ist durch exklusive Restaurants und Abendlokale geprägt. Ein Wahrzeichen ist der 46 Meter hohen Capo Ferro mit seinem Leuchtturm.

 

Platz 2: Avenue d’Ostende, Monaco

Die Straße ermöglicht einen direkten Blick auf den Yachthafen in Monaco ermöglicht. Im kleinen und eng bebauten Fürstentum besteht kaum noch Platz für ein Neubauangebot, so dass in dieser begehrten Lage Preise von bis zu 100.000 Euro je Quadratmeter Wohnfläche bezahlt werden. Hinzu kommt, dass viele Reiche einen Wohnsitz im Steuerparadies zwischen Frankreich und Italien suchen.

 

Platz 3: Knightsbridge, London

London bildet erneut Rang drei in der Liste, angeführt durch die Straße Knightsbridge im Bezirk Kensington. Hier erreichen die Kaufpreise pro Quadratmeter bis zu 93.000 Euro. Knightsbridge (Bild lins: Eingang zur U-Bahn-Station) ist damit die teuerste Straße Europas, die innerhalb einer Großstadt liegt.

 

Platz 4: Cap Ferrat, Côte d‘Azur

Auf Rang vier der teuersten Straßen Europas liegt die französische Côte d‘Azur. In Saint- Jean-Cap-Ferrat auf der malerischen Halbinsel Cap Ferrat werden bis zu 70.000 Euro je Quadratmeter erzielt, für Wohnimmobilien an der weltberühmten Flaniermeile Boulevard de la Croisette in Cannes sind es bis zu 50.000 Euro je Quadratmeter.

Im Jahr 1905 ließ Béatrice Ephrussi de Rothschild, die Tochter des Bankiers und Millionärs Alphonse de Rothschild, auf dem Cap einen opulenten und exquisiten Palazzo im toskanischen Stil erbauen, dessen Parkanlage zu den schönsten Gärten Europas zählt. Neben einigen ruhigen Buchten am Meer, die zum Baden einladen, gilt es nun als Hauptattraktion der Gegend. Weitläufige Villen mit zum Teil bewaldete Parkanlage bestimmen seither das exquisite Wohngebiet, das in den vergangenen Jahren vor allem von Russen dominiert wird.

 

 

Platz 5: Via Suvretta, St. Moritz

Top-Preise werden unverändert ebenfalls am bekannten Suvretta-Hang im Engadiner Nobel-Skiort St. Moritz gezahlt. Aufgrund der großen Objektknappheit war die Anzahl der Transaktionen im zurückliegenden Jahr sehr gering, in den wenigen Kauffällen wurden in der begehrtesten Lage der Alpen Höchstpreise von bis zu 65.000 Euro je Quadratmeter erreicht.

An dem Hang unterhalb des Skigebiets Corviglia hat Madelaine Schickedanz ihre zwei Anwesen für geschätzte 70 Millionen Franken verkauft, während osteuropäische Milliardäre wie der Russe Andrij Melnitschenko und der Pole Jan Kulczyk sich teure Villen erwarben. Nach dem aktuellen Ranking des Maklerhauses Engel & Völkers ist die Via Suvretta in der Nähe des riesigen 5-Sterne Hotels Suvretta House die teuerste Schweizer Wohndestination.

 

Platz 6: Chemin de la Boucle, Genf

 

Die Schweizer Metropole Genf rangiert im Ranking auf Platz sechs. Die Villengegend um die Ringstraße Chemin de la Boucle befindet sich im Nordosten der Stadt. Hier wurden für einige wenige Stadthäuser neuerliche Rekordpreise gezahlt. Die Spitzenpreise haben sich in der internationalen Stadt am Genfer See seit der letzten Erhebung 2011 um mehr als 40 Prozent erhöht und erreichten Höchstwerte von bis zu 55.000 Euro pro Quadratmeter. Hohe Preise wurden auch in der Route de Lausanne im Nordwesten am Parc de l`Imperative und in der Chemin de la Bellafontaine in der Nähe der Societé de Nautique de Genéve bezahlt.

 

 

Platz 7: Oberbort, Gstaad

Die Top-Quadratmeterpreise im Schweizer Nobelskiort Gstaad liegen auf einem ebenfalls sehr hohen Niveau. In der begehrten und sonnigen Hanglage von Oberbort werden für Chalets bis zu 48.500 Euro pro Quadratmeter erzielt. Zu den guten und teuren Lagen gehört auch das Unterbort in Saanen.

Wie die Schweizer Version von Schloss Neuschwanstein thront das weiße Hotel Palace auf einer Anhöhe über das Chaletdorf Gstaad. Auch wenn die legendäre Zeiten mit Elisabeth Taylor, Richard Burton, Tony Curtis und Gunter Sachs unwiderruflich vorbei sind, kann sich in dem kleinen Ort im Berner Oberland niemand über zu wenig Prominenz beklagen. Die italienische Milliardärin Dona Bertarelli Späth hat deshalb gerade eine andere Luxusherberge, das 100 Jahre alte Grand Hotel Park, modernisiert. Die meisten Reichen und Prominente schätzen an Gstaad aber ohnehin mehr die Ruhe und Diskretion. Zusammen mit dem Hauptort Saanen hat es aber vieles mit Sankt Moritz gemein: Die Anzahl Eigentumswohnungen (etwa 3000), das Niveau und die Entwicklung der Preise und die starke Präsenz internationaler Käufer.

 

Platz 8: Avenue Montaigne, Paris

Die französische Hauptstadt Paris nimmt den achten Platz im Ranking ein. Besonders begehrt sind Wohnungen in der Avenue Montaigne, die Spitzenpreise erreichen hier bis zu 40.000 Euro pro Quadratmeter.

Die Avenue Montaigne gilt als die la grande dame unter Frankreichs Modemeilen. Hier haben Luis Vuitton, Dior, Chanel, Fendi, Valentino und Ralph Lauren ihre Vorzeige-Stores, auch Juweliere wie Bulgari und das noble Plaza Athénée Hotel finden sich hier. Mit dem Luxuskonzern LVMH (Moët Hennessey Louis Vuitton) des Milliardärs Bernard Arnault kamen internationale Käufer und  Topdesigner. Inès  de la Fressange und Christian Lacrois besitzen oder besaßen in der Avenue Montaigne große Immobilienbestände. Eine der bekanntesten Anwohner war Marlene Dietrich, die in einem Luxusapartment in der Avenue Montaigne No. 35 wohnte und dort 1992 verstarb. Das Comité Montaigne hat eine eigene Website für Events und zur Orientierung eingerichtet.

 

Platz 9: Hobookenweg, Kampen (Sylt)

Die teuersten Adressen Deutschlands liegen weiterhin stabil auf der Nordseeinsel Sylt. Der Hobookenweg in der begehrten Wattlage von Kampen erreicht mit Preisen bis zu 35.000 Euro pro Quadratmeter Platz neun der teuersten Straßen Europas. An der Wattseite von Kampen kostet ein Quadratmeter Wohnfläche 25 000 bis 35 000 Euro. Nur in den direkt angrenzenden Straßen wie Heideweg/Heidewinkel, Wiesenweg und Osterheideweg sind ähnliche Preise zu registrieren. Der Kampener Hobookenweg ist übrigens kein Ausreißer. Für die Auswertung, betont das Maklerunternehmen, wurden nur Straßen berücksichtigt, in denen in den letzten zwei Jahren mehrere Wohnungen oder Häuser zu den genannten Spitzenpreisen veräußert wurden.

 

Platz 10: Am Kohlmarkt, dem Graben und in der Tuchlauben, Wien

 

 

Weiterhin deutlich anziehende Preise verzeichnet Wien, Drehscheibe zwischen Ost-, Süd- und Westeuropa. Die teuersten Wohneinheiten liegen direkt im Zentrum im 1. Bezirk der österreichischen Hauptstadt. Am Kohlmarkt, dem Graben und in der Tuchlauben erreichen Penthouse-Wohnungen mit Blick über die Stadt inzwischen Preise von bis zu 30.000 Euro je Quadratmeter und bringen Wien damit auf den zehnten Platz im europäischen Vergleich.

 

 

 

 

Platz 11: Starnberger See

 

Erstmals im Ranking vertreten ist der Starnberger See (Platz elf). Die knappen bevorzugten Seelagen in Starnberg mit Blick auf die Alpen sind so begehrt, dass die Wertsteigerungen schon bald das Niveau der Nordseeinsel Sylt erreichen könnten. Aktuell werden am Starnberger See Top-Quadratmeterpreise von bis zu 25.000 Euro erzielt. Besonders begehrt ist das Ostufer mit der Abendsonne vom Westen über den See. Zu den teuersten Lagen gehören die Seeuferstraße um Ambach sowie die Südliche Seestraße um den Ortsteil Ammerland in der Gemeinde Münsing (hier Schloss Ammerland).

 

 

Platz 11: Müllerstraße, München

Ebenfalls auf Platz elf liegt mit 25.000 Euro je Quadratmeter die Müllerstraße in München. Bekanntestes und teuerstes Objekt in der Straße ist „The Seven“ im ehemaligen städtischen Heizkraftwerk.

 

 

Platz 12: Carrer Castanyetes, Port d’Andratx (Mallorca)

In den Best-Lagen von Mallorca steigen die Preise ebenfalls deutlich. Erzielte Kaufpreise von bis zu 23.500 Euro pro Quadratmeter in der Carrer Castanyetes oberhalb der Bucht von Cala Marmacen in Port d‘Andratx sorgen für Platz zwölf im Ranking der teuersten Straßen Europas.

 

 

 

 

Platz 13: Urbanización Santa Margarita, Marbella

Ebenfalls neu in der Rangliste ist Marbella, wo für Wohnimmobilien auf einer kleinen Erhebung, der Urbanización Santa Margarita, etwa auf der Hälfte gelegen zwischen Marbella-Stadt und Puerto Banús (Bild links), im vergangenen Jahr Spitzenpreise von rund 20.000 Euro pro Quadratmeter erzielt wurden.

Ebenfalls auf Platz 13 liegen mit 20.000 Euro je Quadratmeter die Piazza di Spagna an der Spanischen Treppe in Rom (Bild rechts), sowie die Spitzenlagen von Zürich am Hausberg, am Zürichberg und am Zürichseeufer.

 

Platz 14: Harvestehuder Weg, Hamburg

In Hamburg markiert mit 16.000 je Quadratmeter unverändert der Harvestehuder Weg an der Außenalster die teuerste Straße. Mit ihren zahlreichen freistehenden Villen aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, in großen, teils parkartigen Gärten, gilt sie als eine Prachtstraße der Hansestadt und als Zeugnis des Reichtums Hamburger Kaufleute und Unternehmer während der Gründerzeit. Der Harvestehuder Weg führt am Vorland der Außenalster von der Alten Rabenstraße bis zum Klosterstern auf zwei Kilometern Länge durch die Stadtteile Rotherbaum und Harvestehude. Er ist in weiten Teilen nur halbseitig bebaut und lässt dadurch oft den Blick über die angrenzenden weitläufigen Grünanlagen und den Alstersee frei. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts nahm die Straße mit ihrer ersten Bebauung, Landhäuser und Sommerwohnsitze reicher Hamburger Familien wie den Amsinck, Behrens, Blohm (Blohm + Voss), Hudtwalker, Krogmann (Wachsmuth und Krogmann), Laeisz (Reederei F. Laeisz), Lutteroths, Robinow (Sigmund Robinow & Sohn ) und Sloman (Sloman Bank) eine herausragende Stellung ein. In neuerer Zeit lebten hier die Modedesigner Wolfgang Joop und Jil Sander sowie der ehemalige Tennisstar Michael Stich.

 

Platz 15: Werderscher Markt und Am Zirkus, Berlin

Die Etablierung Berlins als beliebte Hauptstadt und ihre bauliche Weiterentwicklung vor allem in den historischen Lagen sorgen für starke Nachfrage und für deutliche Preissteigerungen, die aktuell ein Spitzenniveau von 15.000 Euro je Quadratmeter erreichen. Damit liegt Berlin auf Platz 15 im europäischen Vergleich und ist in diesem Jahr erstmals im Ranking von Engel & Völkers vertreten. Zu den Spitzen-Neubaulagen gehört das Luxuprojekt der Marke Yoo Am Zirkus und die Kronprintengärten am Werderschen Markt im Herzen von Berlins Mitte. Direkt an Schinkels Friechswerdersche Kirche, ein Steinwurf vom Gendarmenmarkt , Unter den Linden und dem „neuen“ Stadtschloss entfernt. Bis zu 15 000 Euro pro Quadratmeter werden dafür verlangt. Für die Hauptstadt ist das ein Topwert, die Kronprinzengärten zählen damit zu den teuersten und nobelsten Wohnanlagen in Berlin.

Auf demselben Preisniveau und ebenfalls auf dem 15. Platz liegt Spaniens Metropole Barcelona mit ihrem Prachtboulevard Paseo de Gràcia.

 

 

 

 

 

Bilder:

Kleines Aufmacherbild: Saint-Jean-Cap-Ferrat auf der Halbinsel Cap Ferrat in Frankreich;

(Engel & Völkers); großes Aufmacherbild, drittes Bild links oben: Porto Cervo bei der Romazzino Bucht, Sardinien, Italien (wikipedia); zweites Bild links: Avenue d‘Ostende, Monaco (wikipedia); erstes Bild rechts: Straße Knightsbridge im Bezirk Kensington, London, Großbritanien (wikipedia); viertes Bild rechts: Suvretta-Hang in der Via Suvretta in St. Moritz, Schweiz (wikipedia); fünftes Bild: Genf, Schweiz (wikipedia); Gstaad, Schweiz sechstes rechts Bild: Avenue Montaigne, Paris, Frankreich (wikipedia); siebtes Bild rechts: Kampen, Sylt, Deutschland (wikipedia); dem Graben und in der Tuchlauben erreichen Penthouse-Wohnungen, Wien (wikipedia); Starnberger See; München; Mallorca (Engel&Völkers, Marco Richter); Puerto Banús, Marbella (wikipedia); Spanische Treppe, Rom (wikipedia); Harvestehuder Weg, Hamburg (wikipedia); Werderscher Markt, Kronprinzengärten (Kronprinzengärten, Animation)