Sendling: Wohnanlage im Heimatstil erstrahlt im neuen Glanz

Die vierflügelige Wohnanlage, die um einen großzügigen Innenhof angelegt ist und durch ihre malerischer Gebäudestruktur und Dachlandschaft besticht, wurde 1910 von Robert Rehlen im Reformstil errichtet.

 

Der Architekt Robert Rehlen (1859 – 1941), damals Baurat für die Lokalsbaukommission der Stadt München, errichtete 1910 die vierflügelige Wohnanlage im Reformstil, die um einen großzügigen Innenhof angelegt ist. Der große Vierflügelblock mit „Kleinwohnungen“ für gemeindliche Bedienstete ist der umfangreichste Beitrag der Stadt zur Lösung der Wohnungsnachfrage in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Während der Bauzeit lag das Gebiet noch völlig brach. Wie mit dem Schulhausbau am naheliegenden Gotzinger Platz beabsichtigte man das Gebiet im Sendlinger Unterfeld zu entwickeln. Die Wohnanlage befindet sich in der Thalkirchner Straße 117 bis 123 (ungerade Hausnummern), Würzstraße 6 bis 10 (gerade), Arzbacher Straße 2 – 10 (gerade) sowie der Wackersberger Straße 7 – 11 (ungerade) im Sendlinger Feld des Stadtbezirks Sendling.

Die aus insgesamt 15 Häusern bestehende Wohnanlage ist stark aufgegliedert: Jede Front besteht aus niedrigeren und höherenBauteilen mit Bodenerkern sowie verschiedenen Dachformen und Giebeln. Der Gesamteindruck orientiiert sich einem leicht historisierenden Heimatstil, der geometrische Putzstil ist allerdings einem strengen Jugendstil verpflichtetet.

Das zugehörige Haus in der Wackersberger Straße 9, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, ist in der Nachkriegszeit in angepassten Formen der umgebenden Bebauung wieder aufgebaut  worden, entsprechen aber nicht dem Originalentwurf.

Wiederherstellung und Sanierung der Wohnanlage

In den letzten Jahrzehnten wurde der Charakter des Gebäudes durch dem Zeitgeist entsprechende, jedoch nicht denkmalgerechte Renovierungsarbeiten, stark verändert.

Um dem heruntergekommenen Gebäude mit stark verwitterten Fenstern, teils defekten Dachanschlüssen und marodem Putz wieder eine Anmutung zu geben, sanierte die GWG München den Thalkirchner Block von Grund auf. Dies geschah in Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde, wobei z. B. auf Handputz, Holzfenster mit Sprossen oder Eingangstüren aus Holz geachtet wurde. Anstelle der Kunststofffenster mit Scheinteilung wurden wieder konstruktiv richtig geteilte Holzisolierglasfenster mit Feinsprossen eingebaut. Die Fensterläden und Hauseingangstüren aus den 1950er Jahren wurden nach historischem Vorbild neu gefertigt. Störende An- und Einbauten wie z. B. die Vorbaurollladenkästen wurden entfernt. Darüber hinaus wurde der gesamte absandende Fassadenputz auf Grundlage einer Befunduntersuchung struktur- und materialgerecht als Rauhputz nachgebildet. Das Gewände eines Hauseingangs fehlte aufgrund eines Kriegsschadens komplett, dieses stellte die Bauherrin originalgetreu wieder her. Der neue monochrome Fassadenanstrich nimmt Bezug auf die ursprünglich gekalkten Putzoberflächen. Die neue Farbfassung wählte die GWG München in Absprache mit der Unteren Denkmalschutzbehörde.

Ornamente und Einfassungen aus Romanzement blieben steinfarben. Alle Verblechungen wurden in Kupferblech erneuert, die Dachziegel partiell original-getreu erneuert.

Die vorbildliche Rückführung der Fassaden dieses quartiersprägenden Wohnblocks in ihr ursprüngliches Erscheinungsbild bedeutet für das Stadtbild Untersendlings einen erheblichen Gewinn.

Die Wohnanlage erhielt nach der Sanierung anlässlich der Vergabe des Fassadenpreises 2017 des Landeshauptstadt München eine lobende Erwähnung. „Die vorbildliche Rückführung der Fassaden dieses quartiersprägenden Wohblocks in ihr ursprüngliches Erscheinungsbild bedeutet für das Stadtbild Untersendlings einen erheblichen Gewinn“, Jury des Fassadenpreises. „Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung. Nächstes Jahr feiert die GWG München ihren 100. Geburtstag und das Bewahren von Geschichte in Form von historischen Gebäuden für kommende Generationen ist uns ein großes Anliegen“, erklärt Christian Amlong, Geschäftsführer der GWG München (SPD).

Quellen: Pressemeldungen der Landeshauptstadt München (vom 13.12.2017) GWG-München (15.12.2017).

Literatur: Denis A. Chevalley, Timm Weski: Denkmäler in Bayern, Landeshauptstadt München – Südwest, 2. Band, Seite 624

Foto: Edward Beierle / Pressemeldung GWG München