Wohnungspreise, Mieten und Löhne im Globalvergleich

Alle drei Jahre veröffentlicht der Schweizer Großbank UBS eine Datensammlung zu 72 Weltmetropolen. Nun ist es wieder soweit: Untersucht werden Kaufkraft, Einkommen, Preise und Mieten in Städten von Mumbai bis München. Interessant sind die extremen Unterschiede und die Veränderungen im Zuge der Finanzkrise und Währungsschwankungen.

 

Wenn die Schweizer Großbank UBS nicht gerade Stellungnahmen zur deutschen Steuerfahndung abgeben muss, veröffentlicht sie auch eindrucksvolle Studien. Seit 1970 wird alle drei Jahre der Kaufkraftvergleich „Preise und Löhne“ mit 50.000 Daten aus 72 Städten rund um den Globus zusammengetragen. Auch zu München und zu seiner Position im Vergleich zu anderen Metropolen ergibt sich aus dem Datenschatz interessante Erkenntnisse.

Neben der benötigten lokalen durchschnittlichen Arbeitszeit für den Kauf eines Big Macs oder eines iPhone listet die Studie auch penibel Tabellen zu anderen Preisen und Warenkörber auf. Sü müssen Einwohner der philippinischen Stadt Manila im Durchschnitt 435 Stunden arbeiten, um ein iPhone erwerben zu können. In München werden dagegen nur 42  Arbeitsstunden, in Zürich sogar nur 22 Stunden Arbeit dafür benötigt.

„Oslo, Zürich und Tokio sind gemäss unserer aktuellen Umfrage die teuersten Städte im globalen Vergleich“, so die Autoren. „Am tiefsten ist das Preisniveau zahlreicher Güter und Dienstleistungen in den beiden indischen Metropolen Delhi und Mumbai.“ In den Daten zeigen sich auch die Auswirkungen der Finanz- und Schuldenkrise, sei es bei der Preis- und Lohnniveauentwicklung einzelner Städte oder bei den Bewegungen an den Devisenmärkten, wo gerade die Hauptwährungen Euro und US-Dollar unter großem politischen und wirtschaftlichen Druck standen.

Auch die Wohnungspreisen und Mieten der 72 Städten von München bis Mumbai (Bild links, Colaba-Apartments) werden aufgelistet (siehe Tabelle unten). Regional gesehen herrschen in Osteuropa und Afrika die günstigsten Wohnbedingungen. Die höchsten ortsüblichen Mieten werden in Nordamerika, im Nahen Osten und in Westeuropa gezahlt. Insbesondere die Städte New York, Dubai und Zürich (Bild oben) prägen die hohen durchschnittlichen Preisniveaus, wo die Monatsmieten gut 60 bis 100 Prozent über dem regionalen Mittel liegen. Bei dem ortsüblichen Kaufpreis für eine nach 1980 gebaute Wohnung in ortsüblicher Größe und Citynähe liegt München (4030 Euro pro Quadratmeter) in etwa gleichauf mit Moskau (3880 Euro/qm), Helsinki (3950 Euro/qm) und Rom (4000 Euro/qm). Mehr als 50 Prozent teurer sind die Wohnungspreise in London (6230 Euro/qm), Hongkong (6430 Euro/qm) und Tokio (7330 Euro/qm), an der Spitze liegen New York (8540 Euro/qm), Zürich (9050 Euro/qm) und Genf (9160 Euro/qm).

Mietpreisentwicklung seit 2009 seien interessante Muster zu erkennen, die zeigen, wie stark Angebot und Nachfrage den Wohnungsmarkt bestimmen. So sind beispielsweise in Bangkok die Mieten deutlich gestiegen. Studienteilnehmer vor Ort berichten, dass auf Grund der hohen Benzinpreise vermehrt öffentliche Verkehrsmittel statt Autos benutzt werden. Dies erhöht die Nachfrage nach Wohnungen in der Nähe von Bahnstationen, was die Preise solcher Wohnungen antreibt. In Mumbai hingegen liess die zunehmende Immigration von Arbeitskräften die Mieten ansteigen. In Zürich ist das hohe Preisniveau eine Folge der tiefen Leerwohnungsquote, welche unter 0,1 Prozent beträgt.Die Höhe der Preise stehen in Zusammenhang mit Inflation, Wechselkurse und wirtschaftlich Stärke der Standorte. Gewisse Erwartungen hätten sich, so die Verfasser der Studie auch in diesem Jahr wieder bestätigt. „So arbeitet man im asiatischen Raum immer noch einiges mehr als in Europa, verdient aber durch schnittlich pro geleistete Arbeitsstunde deutlich weniger“, sagt Andreas Höfert, Chefökonom der UBS. An der Spitze stehen europäische Städte, während im Regionenvergleich in Nordamerika durchschnittlich die höchsten Löhne bezahlt werden. Am unteren Ende befinden sich die südamerikanischen Städte, wo die Brutto- löhne im Mittel nur etwa einen Viertel des nordamerikanischen Niveaus erreichen.

So werden auch die ortsüblichen Brutto- und Nettolöhne für Berufe wie Finanzanalysten, Kreditsachbearbeiter, Ingenieure oder Lagerarbeiter aufgeführt. Bei Betrachtung der Löhne nach Abzug von Steuern und Sozialversicherungen verdient man in Zürich, Genf und Luxemburg am meisten. Nur rund sechs Prozent des Zürcher Stundenlohns werden hingegen im gewichteten Durchschnitt der 15 erhobenen Berufe in Delhi und Manila bezahlt. Bei 13 der 15 Berufe machen die Städte Zürich, Genf, Luxemburg und New York den Spitzenplatz unter sich aus, während Manila jeweils bei fünf und Kairo bei drei Berufen den geringsten Nettolohn aufweisen.

Die größten Unterschiede innerhalb der einzelnen Berufsgruppen finden sich in den traditionell im öffentlichen Sektor angesiedelten Berufen des Volksschullehrers und des Busfahrers. Beide erhalten auf Nettobasis in Kairo nur je etwa 1,5 Prozent des Lohnes eines Volksschullehrers oder Busfahrers in Luxemburg. Produktmanager gehören zu den bestbezahlten Berufen der internationalen Umfrage. So kommt er insgesamt 13 Mal auf den Spitzenplatz des höchstbezahlten Berufs pro Stadt. Noch öfter an der Spitze liegen der Finanzanalyst mit 27 Mal und der Abteilungsleiter mit 26 Mal. Bei den Berufen mit den jeweils niedrigsten Löhnen jeder Stadt stechen mit 23 Nennungen die Fabrikarbeiterin und mit 19 Nennungen die Verkäuferin heraus. Komplettiert wird das Trio der tiefsten Löhne mit dem Beruf des Bauhandlangers, der 14 Mal den untersten Rang belegt.

 

Studie zum abrufen:

Preise und Löhne: Ein Kaufkraftvergleich rund um die Welt Ausgabe 2012

 

Weitere Beiträge zum Thema:

Economist-Hauspreisindex: Wo in Europa kaufen sich noch lohnt

 

 

Bilder:

Zürich flickr (oben)

Mumbai, Colada Apartments/Joe Zachs wikipedia (oben links)