Unterhaching: Wohnen am Hachinger Bach

Unterhaching im Südosten der Landeshauptstadt München wächst auch aufgrund guter Verkehrsanbindung, niedrige Steuern und attraktiver Grünanlagen. Doch zunehmend werden noch die letzten freien Wiesen bebaut.  

 

Schon 2000 Jahre bevor München gegründet wurde, war südlich davon das Hachinger Tal besiedelt. Der Name Haching ist auf das Geschlecht der Hahilinga zurückzuführen und wurde 806 erstmals erwähnt.

Zweitgrößte Gemeinde im Landkreis München

Ende 2015 verfügte Unterhaching, das heute an den Münchner Stadtbezirk Obergiesing grenzt, über mehr als 24.000 Einwohner. Die Nähe zu München, zwei S-Bahnhöfe, die direkte Zufahrt an zwei Autobahnen und ein niedriger Gewerbesteuerhebesatz von 295 Punkten macht die Gemeinde attraktiv für Unternehmen.

Hier befinden sich der Senfhersteller Develey, die deutsche Verwaltung des Kaugummiproduzenten Wrigley sowie der Firmensitz von SportScheck. Auch das chinesische IT-Unternehmen Phicomm will sich hier mit 1100 Mitarbeitern niederlassen. Das nahe Campeon, der Firmensitz von Infineon, liegt aber bereits in Neubiberg.

Im Jahr 1900 lebten in dem Dorf mit der romanischen Kirche St. Korbinian (Bild oben links) gerade mal 616 Seelen. Lange spielten die Klöster Tegernsee und Schäftlarn wirtschaftlich eine wichtige Rolle, weshalb das Gemeindewappen aus dem Abtstab des Klosters Schäftlarn und dem grünen Seeblatt aus dem Klosterwappen von Tegernsee besteht.

Vom Bauerndorf zur Wohnsiedlung

Erst mit der Anbindung an das Bahn- und Postnetz (1898) wandelte sich die Ansammlung von Bauernhöfen zur Wohngegend. Bis in die 1960er-Jahre erhöhte sich die Bevölkerungszahl auf 5800 Einwohner. In der Münchner Straße entstanden sogar vereinzelt noble Bürgerhäuser, wie etwa die um 1900 im Jugend- und Heimatstil erbaute malerische Villa Franziska mit Turm- und Erkerbauten und großer Hausmadonna (siehe Bild links). Vor allem aber wurden viele Siedlungshäuser in einfacher Bauart errichtet.

Golden Sixties

Ein richtiger Bevölkerungsschub setzte dann zwischen 1965 und 1975 mit dem Bau der Großsiedlungen Fasanenpark im Norden und der Grünau im Südwesten der Gemeinde ein. Der Fasanenpark wurde im Stil einer Parkstadt mit Geschosswohnungsbauten und Reihenhäusern aus Flachdach-Bungalows (siehe Bild links) inmitten von Grünanlagen errichtet. Auch verkürzte sich die Fahrzeit für Pendler nach München mit dem Bau der Autobahnen A 8 und der A 995 und der S-Bahn-Linie nach Holzkirchen.

Selbstbewusstsein durch Sport

Zur Stärkung der Identität trugen die sportlichen Erfolge bei, so etwa durch die Bundesligapräsenz der Fußballspieler der Spielvereinigung Unterhaching (1999-2001) und der Volleyballspieler des TSV Unterhaching (2009 Pokalsieg). 

 1997 kaufte die Gemeinde Unterhaching einen Großteil des aufgelassenen Flugplatzes  des ehemaligen Fliegerhorsts Neubiberg. Nach einem Entwurf des Ateliers Loidl aus Berlin entstand dort ab 2001 schrittweise der Landschaftspark Hachinger Tal. Auf der ehemaligen Start- und Landebahn können sich heute Inlineskater und Kitesurfer austoben, auf der Grasheide daneben entstand ein Lebensraum für Feldlerchen und Wachteln.

Entlang dem renaturisierten Hachinger Bach wurden Holzstege errichtet, ein Auenwald angepflanzt und Beach-Volleyball-Felder angelegt.

Auch in Sachen Energiepolitik und Klimaschutz gilt die Gemeinde als Vorreiter. Sie verfügt seit 2007 über eine geothermische Strom- und Wärmeerzeugungsanlage.

Anton Schrobenhauser sorgt für neue Wohnungen

Doch auch beim Wohnungsbau herrscht kein Stillstand. Nachdem sich seit 1995 die Zuzugswelle wieder verstärkte und Unterhaching jedes Jahr einen Einwohnerzuwachs zwischen rund 150 und 500 Menschen aufweist, werden neue Wohnungen dringend benötigt.

Die größte städtebauliche Entwicklung ist die seit 1998 im Bau befindliche Wohnsiedlung Stumpfwiese für insgesamt 5000 Menschen. Das Neubauquartier wird unter der Leitung des Unterhachinger Immobilienunternehmers Anton Schrobenhauser errichtet.

Aktuell baut seine Firmengruppe den Bauabschnitt Grüne Mitte mit insgesamt 88 Wohneinheiten in acht Mehrfamilienhäusern. 2-Zimmer-Wohnungen mit 56 Quadratmetern werden für 405.000 Euro, 3-Zimmer-Wohnungen mit 80 Quadratmetern für 465.000 Euro angeboten. Die Quadratmeterpreise liegen also zwischen rund 5800 und 7200 Euro. Auch sollen in der Stumpfwiese Süd zum Teil geförderte Wohnungen in viergeschossigen Gebäuden für die Wohnungsbaugesellschaft Unterhaching (GWU), die Maro-Genossenschaft und der Baugenossenschaft Unterhaching entstehen.

Bereits verkauft sind dagegen die 110 Wohneinheiten der von der Firmengruppe Schrobenhauser soeben fertiggestellten Wohnanlage Fasanenhof im Nordwesten Unterhachings. Schrobenhauser errichtet zudem zwölf Doppelhäuser sowie Geschossbauten mit Eigentumswohnungen im Hubertusanger im Südwesten, die aber ebenfalls alle verkauft sind. Bereits vergeben sind auch die 22 Wohnungen des Sonnenhofs, die in der Hauptstraße 60 gebaut werden.

Weiter südlich davon, Richtung Taufkirchen, plant Project Invest in der Tölzer Straße 3 – 7 den Bau von 22 Eigentumswohnungen. Das Gesamtverkaufsvolumen beläuft sich auf rund 11 Millionen Euro.

Angeboten werden dagegen bereits Neubauwohnungen, die in bestehenden Wohngegenden durch Nachverdichtung entstehen. So offeriert Kroner Bau 63 bis 133 Quadratmeter große Eigentumswohnungen in einem künftigen Neubau in der Jägerstraße 46a für 389.900 bis 549.500 Euro.

Künftig will Unterhaching langsamer wachsen. Neue Wohnbaugebiete wurden von der Gemeinde nur noch mit dem Klosterfeld-Areal hinter dem Ortspark sowie mit einem Areal nördlich der Ottobrunner Straße ausgewiesen.

Die Gemeinde in Zahlen

Bis zur Säkularisierung im Jahre 1803 war Unterhaching dem Bezirk Wolfratshausen zugeordnet. Heite ist es die zweitgrößte Gemeinde im Landkreis München. Noch vor der Wachstumsphase ab Mitte der 1960er-Jahre musste die Gemeinde durch die Abspaltung Ottobrunns im Jahre 1955 einen starken Bevölkerungsschwund hinnehmen. 

Unterhaching ist heute die zweitgrößte Gemeinde im Landkreis München. Die Gemeinde grenzt im Norden an Südgiesing des Münchner Stadtbezirks Obergiesing-Fasangarten. Ebenfalls nördlich grenzt auch Neubiberg und im Osten Ottobrunn an die Gemeinde Unterhaching. Im Süden befindet sich die Nachbargemeinde Taufkirchen. Zu Oberhaching, das eine westlich gelegene eigene Gemeinde bildet, grenzt Unterhaching nicht direkt an.

Einwohner: Der Anteil der Ausländer und der Single-Haushalte ist im Vergleich zu München geringer, das Durchschnittsalter höher. Unterhaching ist eine Gemeinde, die durch Zuwanderung weiter an Einwohnern gewinnt. Geburten und Todesfälle hielten sich im vergangenen Jahrzehnt in etwa die Waage

 

Infrastruktur: Mit den S-Bahn-Haltestellen Fasanenpark und Unterhaching kann mit der S-Bahnlinie S3 in 15 Minuten Fahrzeit das Stadtzentrum von München erreicht werden. Unterhaching liegt zwischen den Autobahnen A995 und A 8 und verfügt mit Unterhaching-Nord und Unterhaching-Ost über eine direkte Anbindung. Freizeitmöglichkeiten bieten u.a. die Sportanlagen, der Landschaftspark Hachinger Tal und der Perlacher Forst.

In der Gemeinde befinden sich vier allgemeinbildende Schulen. Zwei Grundschulen (Jahnstraße, Sportpark), eine Mittelschule (Sportpark), das Lise-Meitner-Gymnasium Unterhaching sowie eine Förderschule. Die nächste Realschule befindet sich in der Nachbargemeinde Taufkirchen.

Immobilien: Zwei Drittel der Wohnimmobilien sind Einfamilienhäuser. Geringes Angebot an Mietwohnungen.

Literatur:

Georg Paula, Timm Weski: Denkmäler in Bayern – Landkreis München, Seiten 320 – 323 (Gemeinde Unterhaching)

Weitere Informationen:

Webpräsenz der Gemeinde: www.unterhaching.de       

 

Quellen: http://www.unterhaching.de/unterhaching/web.nsf/id/pa_home.html , https://de.wikipedia.org/wiki/Unterhaching; Georg Paula, Timm Weski: Denkmäler in Bayern – Landkreis München