Unterschleißheim: Eine Stadt investiert in ihre Zukunft

Nördlich von München gelegen, lockt Unterschleißheim Unternehmen mit günstigen Gewerbesteuern, Familien mit neuen Schulen und vielen Einfamilienhäusern sowie allen mit der Nähe zum Flughafen und zur Landeshauptstadt. Aufgrund wirtschaftliche Umbrüche könnten sich Veränderungen auf dem Wohnungsmarkt ergeben.

 

Ende 2013 hatte Unterschleißheim zwei Hiobsbotschaften zu verkraften. Mit Microsoft und Airbus Defence and Space (Cassidian) kündigten gleich zwei Großunternehmen an, ihren Standort nördlich von München zu schließen.

Microsoft Deutschland, seit 1990 in Unterschleißheim ansässig, will noch dieses Jahr mit 1800 Mitarbeitern das neue Firmengebäude in Münchens Parkstadt Schwabing beziehen. Und Airbus Defence and Space beabsichtigt von den rund 1400 Mitarbeitern in der Verteidigungssparte Cassidian 280 Arbeitsplätze zu kündigen und hatte die restlichen Angestellten seit 2014 nach Taufkirchen bei Ottobrunn verlagert. Hart ist dies vor allem für die Mitarbeiter, die in der Vergangenheit in Unterschleißheim ihr Eigenheim erworben haben und nun wegziehen müssen, im schlimmeren Fall  ihren Arbeitsplatz verlieren.

Auch für die 28.000-Einwohner-Stadt, ist der Wegfall der hohen Gewerbesteuereinnahmen von Microsoft nicht gerade erfreulich. Denn aktuell stemmt Unterschleißheim einige große Investitionen. So entsteht am Münchner Ring beim Valentinspark mit dem Neubau der Therese-Giehse-Realschule für 36 Millionen Euro das größte Bauprojekt der Stadt. Gleich nebenan wird die Mittelschule für 4,5 Millionen Euro modernisiert und südlich anschließend, das Carl-Orff-Gymnasium (COG) für 15 Millionen Euro umgebaut und erweitert. Auch eine neue Straßenunterführung zwischen den Ortsteilen Unterschleißheim und Lohhof  für insgesamt 11,6 Millionen Euro schlugen im Gemeindehaushalt zu Buche.

Doch Unterschleißheims Oberbürgermeister zeigt sich trotz des Wegzugs von Microsoft und Airbus-Cassidian gelassen. "Unterschleißheim bleibt aber ein hervorragender Gewerbestandort und auch die Finanz- und Haushaltsplanungen der Stadt müssen deswegen nicht grundsätzlich geändert werden“, so OB Christoph Böck (SPD).

Er sehe in den Firmenabgängen "keine Entscheidung gegen den Wirtschaftsstandort Unterschleißheim“, betont Oberbürgermeister Böck, auch wenn die Schließung bitter sei. Doch gebe es im Gewerbegebiet von Unterschleißheim noch weitere Unternehmen, die insgesamt 15.000 Arbeitsplätze bereitsstellen.

Auch von Microsoft Deutschland wurde eingeräumt, dass mit  der Übersiedlung von Unterschleißheim nach München deutlich höhere Mietkosten und Gewerbesteuer anfallen, dass aber Microsoft in der Parkstadt näher bei den Kunden sei und der neue Standort besser für die Mitarbeiter-Akquise und Qualifikation sei.

Attraktive Stadtpolitik

In Unterschleißheim erhöhte der Wegzug den Druck auf die Stadtspitze, Firmen und Menschen nicht nur am Ort zu binden, sondern auch neue anzulocken. So wurde der im Vergleich zu München (490 Prozent) günstige Gewerbesteuerhebesatz 2016 um 20 Prozentpunkte von 350 auf nun 330 Prozentpunkte gesenkt. Auch baut die Stadt das Breitbandnetz für ultraschnelles Internet in den Ortsteilen Riedmoos, dem Inhauser Moos und Lohhof Süd, wo es die Netzbetreiber nicht taten. Vor allem aber ist der Bau von Bildungseinrichtungen als Investition in die Zukunft positiv zu werten.

Die Verlagerung von Microsoft und Airbus Defence and Space könnten jedoch durch den damit verbundenen Fortzug einiger Einwohner die Eigentumspreise auf den Wohnungsmarkt in Unterschleißheim dämpfen. Für Kauf-interessenten eine gute Nachricht, ist die mittelfristige Perspektive der Stadt doch gut. So verfügt sie aufgrund der zwei S-Bahn-Haltestellen, der A 92 und der Nähe zum Münchner Flughafen über eine hervorragende Verkehrsanbindung.Vor allem gehören die ansässigen Firmen verschiedenen und wachsenden Branchen wie Automation (Kratzer), Automobil (BMW), Finanzen (Baader Bank, pbb), Gase (Linde), IT (Xerabit, VMWare), Kunststoffe  (Baerlocher) sowie Gesundheit (Baxter, Intervet) an.

Auch gibt es immer wieder einen Wechsel. Auf den Wegzug von Firmen folgen andere, die die leerstehende Geböude wieder beziehen. Clevere Investorennutzen daher den Zeitpunkt von Fortzüge als günstige Gelegenheiten zum Kauf.So hat Rock Capital eine große Büroimmobilie in der Robert- Schumann-Straße 1 mit rund 10.000 Quadratmeter Fläche  unweit des Rathaus-Zentrums im Herbst 2014 von einer ausländischen Gesellschaft erworben. Mieter sind der Nutzfahrzeughersteller Iveco Magirus AG sowie das Facility-Unternehmen Sauter.

Obwohl sich in der Gegend zur Römerzeit eine Villa Rustica befand und mit der Kirche St. Ulrich und dem Gasthaus Alter Wirt ein alter Dorfkern besteht, ist die Stadt von Bauten der 1970er Jahre geprägt. Nach dem Bau der S-Bahnlinie S 1 zu den Olympischen Spielen 1972 erhöhte sich die Einwohnerzahl in Unterschleißheim von 7553 (1970) auf über 25.000 (ab 1996). Die seither nahezu stagnierende Einwohnerzahl wächst seit 2010 wieder, wenn auch deutlich langsamer als in den Boomjahren. Von den knapp 4600 Wohngebäuden in Unterschleißheim sind rund 70 Prozent Einfamilienhäuser. Aktuell ist jedoch das Wohnungs- und Mietangebot  in den Internetportalen sehr überschaubar. Größere Neubauvorhaben im Wohnbereich stehen nicht an. Für Kaufinteressenten besteht daher vor allem ein Markt für Einfamilienhäuser der Jahre 1970 bis 1990, die jedoch zum Teil sehr sanierungsbedürftig sind. Im guten Zustand werden die meisten Einfamilienhäuser mit Wohnflächen um 120 Quadratmeter für Preise zwischen gut 550.000 und 680.000 Euro angeboten. Die Preise von Wohnungen der 1970er-Baujahre liegen zwischen 2700 und 3700 Euro pro Quadratmeter.

 Nun wird auch schon das 17 Hektar große ehemalige Cassidian-Areal bebaut. Die Vielberth-Gruppe errichtet dort mit ihrem neuen Business Campus einen Gewerbepark, wie sie ihn bereits erfolgreich mit dem Business Campus: Munich in Garching verwirklicht hat..

 

Die Stadt in Zahlen

Unterschleißheim wurde im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern 1818 eine selbständige politische Gemeinde, die zunächst von einem Gemeindevorsteher, ab 1869 von einem Bürgermeister geführt wurde. Zwischen 1933 und 1939 vermehrte sich die Bevölkerung sprunghaft von 753 auf 1737 Einwohner, vor allem durch den Zuzug nach Lohhof, bedingt durch die Förderung des Eigenheimbaus während der NS-Zeit. 1972 wurde Unterschleißheim an das Münchner S-Bahn-Netz angebunden, Ende 1977 erhielt die Gemeinde einen zweiten S-Bahn-Bahnhof.

Die Stadt gliedert sich in sechs Stadtteile: Unterschleißheim, Lohhof, Lohhof-Süd, Riedmoos, Inhauser Mooser und Hollern.

Die Stadt Unterschleißheim, nördlich von München gelegen, befindet sich im Landkreis München. Nach Süden grenzt es an Oberschleißheim, nach Westen an die Gemeinde Petershausen im Landkreis Dachau. Im Nordosten befindet sich jenseits der Unterschleißeimer Stadtgrenze die Gemeinde Eching im Landkreis Freising.

 

Einwohner: Die Altersstruktur der Bevölkerung von Unterschleißheim entspricht etwa der von München.

Infrastruktur:  Die Stadt ist über die A 98 und den S-Bahn-Haltestellen Unterschleißheim und Lohhof der S1 gut an München und Flughafen angebunden. Einkaufsmöglichkeiten finden sich im Stadtzentrum am Rathausplatz. Möglichkeiten für Freizeitaktivitäten bietet das Freizeitbad Aquariush, der Valentinspark, der Unterschleißheimer See, Oberschleißheimer Berglwald und das BallhausForum.

Immobilien: Es gibt kaum Wohnungsbauprojekte und aktuell am Markt nur ein geringes Angebot an Miet- und Eigentumswohnungen.  In der Bebauung überwiegen Einfamilienhäuser.

 

 

Weitere Informationen:

Unterschleissheim: Webpräsenz der Stadt Unterschleissheim

 

Text: Ulrich Lohrer, erstellt am 13.04.2016

Bildnachweis: Fotografien von Unterschleißheim, Ulrich Lohrer