Waldperlach: Die Einfamilienhaus-Siedlung im Südosten Münchens

Wo einst Kolonisten Wälder rodeten, herrscht nun die Ruhe einer Einfamiliensiedlung wohlhabender Eigentümer. Trotz der etwas abgelegenen Gegend, weist Münchens südöstlicher Bezirksteil hohe Immobilienpreise auf.

 

Am 7. Februar 1911 reichte der Abbruchunternehmer Otto Rieger einen Bauantrag bei der Gemeinde Perlach ein. In dem östlich gelegenen Wald Perlacher Haiden sollte für Veteranen und Soldaten des Königlich Bayerischen Infanterie-Leib-Regiments ein Waldheim entstehen. Bereits am 1. Juni 1911 wurde das neue Ausflugslokal eröffnet: der Beginn der Siedlung Waldperlach.

 Heute mutet die schnelle Genehmigung und Fertigstellung des „Leiberheims“ wie ein Wunder an. Tatsächlich wurde bereits ab 1907 mit dem Bau des Erholungsheims begonnen. Es erwies sich als voller Erfolg. Auch das nahegelegene Bahnhofsrestaurant in Neubiberg zog immer mehr Ausflügler aus München an, sodass an schönen Sonntagen die beiden Gastwirtschaften bis zu 2500 Besucher zählten. Diese erfuhren, dass die Bauern bereit wären, „unnütze“ Grundstücke für den Bau kleiner Wochenendhäuser zu verkaufen.

Kolonisten besiedeln den Wald

Der Münchner Immobilienmakler Matthias Grundler hatte bereits um 1910 damit begonnen, ein großes Waldgebiet systematisch zu erschließen. Schon im Jahr darauf wurden weitere Waldflächen um das Leiberheim für wild errichtete kleine Wochenendhäuser im Sinne der Reformbewegung der Gartenstadt gerodet. Um den Verkauf weiterer Parzellen voranzutreiben, hatte Bauunternehmer Rieger 1911 einen ◊Generalbaulinienplan“ im Bezirksamt München eingereicht, der mit dem Bürgermeister von Unterbiberg, Josef Kyrein, abgestimmt war.

 Bald bewohnten dauerhaft "Kolonisten“ die kleine Waldsiedlung.  Sie bemühten sich bei der Gemeinde Perlach um die offizielle Anerkennung, ihre Siedlung Wald-Perlach nennen zu dürfen. Erst 1920 kam der Perlacher Gemeinderat zu einer Entscheidung – und die war abschlägig. Die Bewohner ließen sich davon nicht entmutigen. 1928 genehmigte das bayerische Innenministerium die neue Bezeichnung für die mittlerweile bereits rund 700 Einwohner zählende Waldkolonie mit den aus der Märchenwelt entlehnten Straßennahmen.

1930 wurde das Dorf Perlach zusammen mit Waldperlach nach München eingemeindet. Dadurch endete zwar die bislang gemeinsame Verwaltung von Waldperlach und Neubiberg, doch wirtschaftlich, schulisch und kirchlich blieb das Gebiet weiterhin eng verbunden. Viele Waldperlacher Bürger orientieren sich auch heute noch nach Neubiberg. 

Neue Heimat für Ausgebombte

Zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurden für "ausgebombte“ Münchner in Waldperlach 175 Behelfsheime – kleine Holzhütten als Notunterkunft – errichtet. Später wurde für deren Bewohner ein Verein gegründet, der sich für ihre Belange einsetzte und zusammen mit der Stadt München und der städtischen Wohnungsgesellschaft GWG an der Salzmannstraße eine Siedlung mit Reihen-, Doppel- und Einfamilienhäusern baute.

Beliebtes Viertel für Familien mit Kindern

1952 bekam Waldperlach auch mit der Gänselieselschule eine eigene Volksschule, die seither zweimal – zuletzt 2010 – erweitert wurde. Während ab Mitte der 1960er-Jahre mit der Entlastungsstadt Neuperlach auf den Wiesen zwischen (Alt-) Perlach und Waldperlach eine riesige Trabantenstadt mit Wohnhochhäusern entstand, behielt Waldperlach den Charakter einer etwas abgelegenen Einfamilienhaus-Siedlung.

Zwar entstand auch hier zusätzlicher Wohnraum, doch über die Jahre kaum bemerkbar durch zusätzliche Häuser auf bislang unbebauten Äckern und Wiesen und durch moderate Verdichtung durch den Austausch von alten Einfamilienhäusern durch neue kleinere Mehrfamilienhäuser. Zur Identifikation trugen die Kirchenbauten der St. Bruder Klaus (1967) vom Architekten Josef Wiedemann (siehe Bild links), der Jubilate-Gemeinde sowie die Josefskapelle im Truderinger Wald bei. 

Gemessen an der Größe des Stadtteils Waldperlach und bezogen auf die rege Bautätigkeit in anderen Vierteln Münchens entstehen hier aktuell jedoch sehr wenige neue Häuser zur Wohnnutzung.

Die RS Wohnbau baut gerade die Stadtvilla Stollstraße mit nur sechs Wohnungen. Die Drei- und VierzimmerWohnungen weisen Wohnflächen von 95 bis 135 Quadratmetern auf und werden zu Preisen um die 7400 Euro pro Quadratmeter angeboten. Und die Primus Concept will in der Ulrich-von-Hutten-Straße  einen Neubau mit sechs Wohneinheiten mit Wohnungsgrößen von 52 bis 129 Quadratmeter errichten. Aktuell bekannt ist nur, dass sich Anleger über die Crowdinvesting-Plattform Zinsland an einem 650.000-Euro-Darlehen beteiligen können. Für eine Laufzeit von nur 18 Monaten stellt Zinsland 6,5 Prozent in Aussicht, was für eine relativ riskante nachgelagerte Besicherung spricht.  

Eine Analyse des Immobilienmarktes Waldperlach bieten der Münchner Makler Rainer Fischer Immobilien und der Neubiberger Makler Revation Immobilien. Danach werden die wenigen Einfamilienhäuser mit Baujahr vor 2015, die zum Kauf angeboten werden zu Preisen von über 7000 Euro pro Quadratmeter offeriert. Günstiger sind die Angebote für Doppelhaushälften (ca. 4200 Euro pro Quadratmeter) und Wohnungen in Mehrfamilienhäusern (ca. 6.600 Euro pro Quadratmeter). Auch im abgelegenen Waldperlach gibt keine Schnäppchen mehr.

 

Das Viertel in Zahlen

Waldperlach ist der südöstlichste Bezirksteil des 16. Münchner Stadtbezirk Ramersdorf  Perlach. Am nördlichen Rand des Truderinger Waldes grenzt das Viertel an Waldtrudering und am westlichen Rand des Waldes sowie entlang der Arnold-Sommerfeld-Straße an Neuperlach. . Im Süden bildet die Linie von der Rotkäppchen- straße über die Schneewittchen- straße und entlang der Brunnhilden- straße in etwa die Stadtgrenze zu Neubiberg. Östlich der Stollstraße und Am Hain befindet sich die Gemeinde Putzbrunn.

Einwohner: Waldperlach verfügt im Stadtvergleich über einen hohen Anteil von Familien mit Kindern im Schulalter. Aber auch der Anteil von Senioren ist überdurchschnittlich hoch.

Infrastruktur: Waldperlach ist über verschiedene Buslinien an den ÖPNV von München angebunden. Die nächste S-Bahnhaltestelle ist der Bahnhof Neubiberg. Lebensmittelläden gibt es in der Ufilastraße und beim Waldheimplatz. Freizeitmöglichkeiten bietet der Grüngürtel zwischen Neuperlach und Waldperlach sowie der große Wald im Norden.

Immobilien: Waldperlach ist durch individuelle Bebauung und kleinere Mehrfamilienhäuser geprägt. Das Preis- und Mietniveau liegt im oberen Bereich.