Immobilienblase: Schäuble sieht Entwicklungen, die gefährlich sind

Die Sorgen von einer Immobilienblase wegen der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank mehren sich. Nach Warnungen vom Internationalen Währungsfonds, der Bundesbank, dem Sachverständigenrat befürchtet nun auch der Bundesfinanzminister Preisblasen der Immobilienmärkte.

 

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sieht die Lage auf dem Immobilienmarkt angesichts der niedrigen Zinsen und hohen Preisen mit zunehmender Sorge. Im Immobiliensektor gebe es Anzeichen für Preisentwicklungen, „die gefährlich sind“, sagte Schäuble (Bild links) am 19. Juni in Berlin nach einem Gespräch mit dem amerikanischen Finanzminister Jacob Lew.

Bundesbankpräsident Jens Wiedmann hatte bereits einige Wochen zuvor in einem Interview mit dem Magazin Focus nach dem EZB-Beschluss zur weiteren Zinssenkungen und zum Aufkauf von Immobilienkrediten im Euro-Raum seine tiefe Sorge ausgedrückt. Bereits vor einem Jahr hatte die Bundesbank in dem Finanzmarktstabilitätsbericht 2012 vor gefährlichen Entwicklungen der Immobilienpreise in den sieben deutschen Großstädten gewarnt. Doch nun klang der Bundesbankchef geradezu alarmierend: "In einigen Ländern – auch in Deutschland – sehen wir die Gefahr einer Immobilienblase – und dann sollen wir als Eurosystem niederländische Immobilienkredite kaufen?“    

Die Warnungen der Bundesbank nehme er sehr ernst, sagte Schäuble. Die Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) hätten einen Zeitgewinn gebracht, seien aber kein dauerhafter Ersatz für notwendige Strukturreformen.

Europas Politiker müssten nun diesen Spielraum nutzen, den die Geldpolitik geschaffen habe. Klar sei aber auch: „Auf die Dauer ist das Maß an Liquidität zu groß und das Zinsniveau zu niedrig“, sagte Schäuble. Schäuble hatte sich in der Vergangenheit eher als Unterstützer einer expansiven Geldpolitik der EZB erwiesen und diese mit der Stabilisierung hochverschuldeter EU-Staaten begründet. Der Bundesfinanzminister ist aber auch einer der Nutznießer der Niedrigzinspolitik der EZB – konnte er doch so die Zinslast für die hohe deutsche Staatsverschuldung niedrig halten und die expansive Ausgabenpolitik der Großen Koalition wie im Rentenbereich stützen. Mittlerweile scheint es Schäuble aber zunehmend unwohl zu werden, zudem Deutschland der Einfluss in der EU und in der EZB weitgehend entgleitet, weil die hochverschuldeten Südstaaten wie Griechenland, Spanien, Italien, aber auch vor allem Frankreich dauerhaft mit der Geldschwemme der EZB kalkulieren, anstatt die dringend erforderlichen Wirtschaftsreformen in die Wege zu leiten.

In dem am 18. Juni, also nur ein Tag vor Schäubles Warnung zuvor vom Bundesfinanzministerium veröffentlichten „ Erster Bericht an den Deutschen Bundestag zur Finanzstabilität in Deutschland“ waren von den Sorgen einer Immobilienblase noch nichts herauszulesen.

Zwar ist da zu lesen, dass „am deutschen Wohnimmobilienmarkt ... die günstigen Finanzierungsbedingungen und die gute Konjunktur zu dynamischen Preissteigerungen bei(trugen). Im Jahr 2013 erhöhten sich die Preise für Wohnimmobilien in Deutschland insgesamt um durchschnittlich 4,5 Prozent. In 125 Städten stiegen die Preise für Wohnimmobilien in diesem Zeitraum um 6,3 Prozent, in den sieben für Investoren besonders interessan- ten Großstädten (Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart) um 9,0 Prozent. Damit verfestigte sich im Jahr 2013 die seit dem Jahr 2010 in den deutschen Städten zu beobachtende allgemeine Preisdynamik, beschleunigte sich aber nicht weiter.“ Danach werden aber Beruhigungspillen an die Bundestagsabgeordnete verteilt: „Ökonometrische Schätzungen deuten darauf hin, dass die Preise am deutschen Wohnimmobilienmarkt gemessen an den längerfristigen demografischen und ökonomischen Einflussfaktoren im Durchschnitt nicht nennenswert vom fundamental gerechtfertigten Niveau abgewichen sind.“

Dies deckt sich zwar mit anderen Experten-Einschätzungen des deutschen Immobilienmarktes, wie etwa die des IWF (siehe Grafiken), doch spricht vieles dafür, dass die geöffneten Geldschleusen unweigerlich auch den deutschen Immobilienmarkt überschwemmen. Selbst aus den Reihen des von der Bundesregierung ernannten Sachverständigenrates wurden durch den „Wirtschaftsweisen“ Volker Wieland die Zinspolitik der EZB kritisiert und vor einer Inflation der Vermögenswerte, vor allem in Form einer Immobilienblase gewarnt.

Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt vor einem „verheerenden“ Crash bei den Immobilien. Die Warnung erfolgte bereits vor der jüngsten EZB-Sitzung – und wurde auf politischen Druck geheim gehalten. Min Zhu, einer der Stellvertreter von IWF-Chefin Christine Lagarde, schrieb in seiner Analyse zu den Immobilienmärkten: „Die Immobilienpreise steigen rasant. Aber ist das ein Anlass, um zu applaudieren? Oder sehen wir erneut denselben Film? Erinnern Sie sich daran, wie die Häuserpreise nach einem Jahrzehnt des Booms im Jahr 2006 zu fallen begannen – zuerst in den USA und dann überall. Diese Entwicklung hat zu der globalen Finanzkrise 2008-09 beigetragen. Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass Blasen bei Häuserpreisen in mehr als zwei Dritteln den jüngsten, systemischen Banken-Krisen vorangegangen sind.“

Für besonders gefährlich hält der IWF die Lage in Australien, Belgien, Kanada, Norwegen und Schweden. In Deutschland sind die Immobilienpreise zwar in den vergangen Jahren ebenfalls stark gestiegen, aber im Verhältnis zu den Mieten und Einkommen nicht so Besorgnis erregend wie in den genannten Staaten. Der IWF hat dabei Zahlen der OECD und der nationalen Statistiken ausgewertet und eine spezielle Internetseite veröffentlicht.

Weitere Informationen:

Internationaler Währungsfonds: Immobilienmärkte