Der Freiherr und seine Neue Pinakothek

Anlässlich des 100. Geburtstags von Alexander Freiherr von Branca zeigt das Architekturmuseum Schwaben eine Ausstellung zu den Projekten des Architekten. Sein bekanntestes Werk – die Neue Pinakothek in München – ist wegen Renovierungen geschlossen.

 

Am 11. Januar 2019 wäre Alexander Freiherr von Branca 100 Jahre alt geworden, der gebürtige Münchner starb am 21. März 2011. Branca „war der bayerische Stararchitekt seiner Zeit“ (Süddeutsche Zeitung) und steht in München gerade wieder im Mittelpunkt des Interesses - als Erbauer der Neuen Pinakothek. Die Architektur der Neuen Pinakothek lehnt sich bewusst aus der Architekturgeschichte bekannter Formelemente wie Rundbogenfenster, Schlusssteine, Erker und Freitreppen an.  Allerdings ist Brancas postmodernes Hauptwerk seit dem 1. Januar 2019 für eine große Sanierung geschlossen. So dringt beispielsweise bei Starkregen Wasser in das 1981 eröffnete postmoderne Museum. Um Brandschutz, Sicherheits-, Klima- und Haustechnik sowie das marode Dach zu erneuern, benötigt man mindestens sechs Jahre. Frühestens 2025 wird das Museum, das Ende dieses Jahres schließt, wieder eröffnen. Das haben Hausherr Bernhard Maaz, Kunstminister Bernd Sibler und Bauamtsleiter Eberhard Schmid nun bekannt gegeben. Über die Kosten schweigen sie sich aus. Klar ist jedoch: Frühere Schätzungen von bis zu 80 Millionen Euro sind überholt. Beauftragt mit der Sanierung sind das Münchner Architekturbüro Hild und K sowie Caruso St John Architects aus London.

Auch wenn die Sanierung zu begrüßen ist, so stellt sich doch die Frage, weshalb Brancas Hauptwerk ausgerechnet zu seinem 100. Todestag geschlossen werden musste. Vor allem aber stellt sich die Frage, wieso die Jubiläums-Ausstellung in Augsburg und nicht in München stattfindet, wo Branca Zeit seines Lebens wohnte und arbeitete, wo sein Nachlass im Archiv der Technischen Universität und deren Architekturmuseum verwahrt wird? Vielleicht spiegelt sich darin die keinesfalls umstrittene Stellung Brancas unter den Architekten der Moderne wider, die beispielsweise an der Neuen Pinakothek kritisierten, deren Architektur illusioniere lediglich mit einem Stahlbetonbau den Schein eines Natursteinbaus. Doch der Individualist Branca, der in seiner Jugend eine Zeit lang in Gestapohaft saß, weil er sich kritisch gegenüber Hitler geäußert hatte, lässt sich nicht von einer Architekturschule vereinnahmen, sondern verbindet Vorteile der Moderne mit der Tradition. Das offene Foyer der Pinakothek der Moderne mit seinen fließenden Räumen nimmt Bezug zum Neuen Bauen der Zwischenkriegszei. Die lichten Kunstsäle mit ihrer gleichmäßig ruhigen Belichtung durch Oberlichter erweist seine Kenntnis der Klassiker eines Leo von Klenze. Internationale Beachtung erlangte von Branca außer mit der Neuen Pinakothek schon in den 1950er-Jahren mit dem Bau des Herz Jesu-Klosters in München und später mit der Deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl in Rom.

Die Ausstellung in Augsburg zeigt eine Auswahl von Projekten aus dem umfangreichen Werk des Architekten, Städtebauers und langjährigen Heimatpflegers der Stadt München. In Augsburg entstanden nach seinen Plänen das Haus St. Ulrich, das Priesterseminar St. Hieronymus und das Gebäude der Augusta-Bank an der Schießgrabenstraße.

 

Alexander Freiherr von Branca (1919 – 2011)

Ort: Architekturmuseum Schwaben im Buchegger-Haus, Thelottstraße 11, 86150 Augsburg

Zeit: Ausstellung bis 5. Mai 2019; geöffnet Donnerstag bis Sonntag von 14-18 Uhr