Altstadt: Morger Partner Architekten gestalten Alte Akademie

Die österreichische Signa vergibt den Zuschlag für den behutsamen Umbau der Münchner Traditionsimmobilie an die Basler Architekten. Noch bis zum 24. Mai können die Wettbewerbsentwürfe im Schmuckhof der Alten Akademie besichtigt werden.

 

Die Ausstellung im Schmuckhof der Alten Akademie ist bis zum 24.5. von Montag bis Freitag zwischen 10 und 17 Uhr öffentlich zugänglich. Sie zeigt alle Entwürfe aus dem Architektenwettbewerb - auch die, die nicht in die engere Auswahl kamen. Der Zugang erfolgt über die Kapellenstraße.

Die Alte Akademie befindet sich an der Fußgängerzone Neuhauser Straße und im Kreuzviertel  der Münchner Altstadt und wurde 2013 auf der Basis eines Erbrechtpacht-Vertrages von der Signa von dem Freistaat Bayern übernommen. Die Alte Akademie ist ein ehemaliges Jesuitenkolleg und wurde ursprünglich im 16. Jahrhundert errichtet. Als Architekt gilt der Niederländer Friedrich Sustris. Nach Ergänzungen am Gebäude und dem Bau der Michaelskirche unter Herzog  Wilhelm V, wurde der Bau „Wilhelminum“ genannt. Nach substanziellen Zerstörungen durch Fliegerbomben im Jahre 1944 wurde das Objekt von Josef Wiedemann 1951-55 wieder errichtet. Im Bereich Neuhauser Straße konnte nur die historische Fassade erhalten werden.

Nach einer fast zwölfstündigen Jury-Sitzung am 22. April stimmte das Preisgericht des internationalen, einstufigen Realisierungswettbewerbes fast einstimmig für die behutsamen und stimmigen Umbaupläne des Schweizer Architekturbüros. Den Platz 2 belegen Christ & Gantenbein Architekten – ebenfalls aus Basel/Schweiz. Platz 3 ging an das Londoner Büro Caruso St. John Architects.

Das Preisgericht begründete seine Entscheidung für die Umbaupläne des Schweizer Architekturbüros Morger Partner Architekten, Basel inkl. dem Landschaftsarchitekten Maurus Schifferli, Bern wie folgt:

„Die Verfasser verstehen sich nicht als Autoren, sondern als Interpreten des Gebäudeensembles – und es gelingt ihnen. Minimale Eingriffe oder Adaptionen reichen aus, um den Geist der unterschiedlichen Historie der Gebäude hervorzuheben. So wird das ehemalige Hettlage-Gebäude, unter denkmalgerechtem Erhalt der Fassade, rückgebaut und weiterentwickelt. Fassade und Arkade repräsentieren mit neuer Nutzung die Vergangenheit des Wiedemann-Gebäudes. Zitate aus der Architektursprache der Zeit unterstreichen die Feinfühligkeit der „neuen“ Architektur.

Das Kopfgebäude der Alten Akademie – derzeit als Arkade ausgebildet – erhält eine Verkaufsnutzung und seine historische Fassade einschließlich des östlichen Mittelportals. Dieses steht nun wieder in direktem, visuellen Bezug zur Neuhauser Straße. Der Schmuckhof wird durch einen großzügigen Durchgang über die bestehende Eingangshalle attraktiv erschlossen. Bodenbelag und Decken werden hierbei erhalten. Mit der neuen Arkade im Schmuckhof als Zitat der Architektursprache der 50er Jahre wird dieser reizvoll ergänzt und die notwendige Abschirmung zu den darüber liegenden Wohnungen geschaffen. Der denkmalgeschützte Hofbelag bleibt erhalten. Die Gastronomienutzung im Erdgeschoß des Schmuckhof-Flügels wird für die Attraktivierung und Be- lebung des nun öffentlich zugänglichen Hofes positiv gesehen.

Insgesamt stellt der Beitrag einen wertvollen Lösungsansatz zur gestellten Aufgabe dar, der insbesondere durch die differenzierte Betrachtung der unterschiedlichen Epochen der ein- zelnen Gebäudeteile und deren architektonische Weiterentwicklung auch in denkmal- fachlicher Sicht besonders überzeugen kann.“

Stararchitekt Sir David Chipperfield, der den Vorsitz des Preisgerichtes des Realisierungswettbewerbes innehatte, zeigte sich von den 11 Beiträgen der Architekturbüros sehr angetan. Er betonte nach der Entscheidung die hohe architektonische Qualität der unterschiedlichen Vorschläge und die bei allen gezeigte Sensibilität für das historische Gebäude. Zum Siegerentwurf von Morger Partner Architekten meint Sir David Chipperfield: „Heute ist ein sehr guter Tag für München und die Menschen dieser Stadt! Der Siegerentwurf von Morger Partner Architekten wird die Alte Akademie in neuem Glanz erstrahlen lassen und die pulsierende Innenstadt von München zusätzlich aufwerten. Ein historisch so bedeutsames Objekt im Herzen der Stadt wird durch die stimmige und sensible Formensprache des Schweizer Architekturbüros aufgewertet und weiterentwickelt.“

Signa, die im Dezember 2013 das Objekt „Alte Akademie“ vom Freistadt Bayern in Form eines 65jährigen Erbbaurechts erwerben konnte, hat gleich nach dem damaligen Zu- schlag erklärt, dass die Immobilie in enger Abstimmung und Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt und den zuständigen Behörden generalsaniert werden soll. Der Münchner Stadtrat hat im November 2015 die Rahmenbedingungen für die zukünftige Nutzung beschlossen und hat festgelegt, dass es im historischen Gebäudekomplex eine Mischung aus Einzelhandel, Büros, Gastronomie und Wohnungen geben soll. Dies war Ausgangspunkt für den Wettbewerb. SIGNA Geschäftsführer DI Christoph Stadlhuber (links, mit Susanne Ritter vom Stadtplanungsreferat der LHS München) über das Ergebnis des Wettbewerbes ist deshalb besonders erfreut und betonte: „Wieder einmal zeigt sich anhand des Realisierungswettbewerbes für die Alte Akademie wie sehr eine enge Zusam- menarbeit zwischen Verwaltung, Öffentlichkeit, Politik, Denkmalpflege und einem privaten Investor zu einem hervorragenden Ergebnis für alle Beteiligten führen kann. Das fast einstimmige Abstimmungsergebnis des Architektenwettbewerbes beweist, wie sehr der Vorschlag von Morger Partner Architekten die gesamte Jury überzeugen konnte.“

Generalkonservator Dipl.-Ing. Architekt Mathias Pfeil vom Bayrischen Landesamt für Denkmalpflege ergänzt: „Aus denkmalfachlicher Sicht ist hervorzuheben, dass die Gesamtstruktur des Objektes sowie die Fassade an der Neuhauserstrasse zur Gänze erhalten bleiben und das historische Erscheinungsbild modern weiterentwickelt werden. Hervorzuheben ist weiters, dass die Arkaden an der Neuhauserstrasse zwar redimensioniert aber im Grundsatz erhalten bleiben und die Eingangshalle im Schmuckhof als bedeutendstes Zitat der 50er Jahre für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird!“

Siegerentwurf von Morger Partner Architekten

Da das sensible architektonische Gleichgewicht durch keine weitere Stilebene erweitert bzw. überlagert werden kann, ohne völlig aus den Fugen zu geraten, stellen die wenigen notwendigen Eingriffe an den Fassaden interpretierende Rekonstruktionen dar. Dabei wird die Arkade im Kopfbau der Alten Akademie, dessen Legitimation durch die Einführung der Fußgängerzone obsolet geworden ist, rückgebaut und das Mittelportal an der Ostseite an ganz leicht versetzter Stelle wieder reaktiviert.

Um den Schmuckhof der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wird die Eingangshalle zum Außenraum und erfährt eine neue urbane Bedeutung. Der Durchgang wird zum repräsentativen Entrée für den Schmuckhof, wie auch für die Büronutzungen sowie die Wohnungen im Obergeschoß. Durch die geschickte Positionierung der unterschiedlich lärmsensiblen Wohnbereiche, wird auf möglichen Außenlärm typologisch reagiert und dort innerstädti- sches, urbanes Wohnen ermöglicht. Durch den Wegfall der Arkade im Kopfbau der Alten Akademie mutiert der ehemalige Ausstellungsraum wieder zu einem einheitlichen attraktiven Innenraum. Die Hettlage-Arkade bleibt erhalten, an der Neuhauser Strasse redimensioniert sich die Tiefe der Arkade. Die Fassaden von Hettlage und der Alten Akademie werden ganz im Sinne ihrer Schöpfer restauriert. Durch die defensive Dachgeschoßnutzung kann die Dachlandschaft zur Neuhauser Straße weitestgehend beibehalten werden. Die Einzelhandelsnutzungen sind an der Neuhauser Straße situiert, der Schmuckhof wird mit Gastronomie sowie Kleinlä- den belebt. Ab dem 3. Obergeschoß sind im Bereich Hettlage und Alte Akademie ver- schieden große Büroflächen mit den zugehörigen Nebennutzflächen geplant.

Insgesamt umfasst das Projekt rund 22.000 Quadratmeter Mietfläche. Die Anteile für Wohnen liegen bei über 20 Prozent, für Handel und Gastronomie bei 2/3 und der Rest entfällt auf Büros.

 

Teilnehmer des Wettbewerbs

Neben den erwähnten, mit Preisen ausgezeichneten Teilnehmer, nahmen zudem an dem Wettbewerb teil:  AFF Architekten in Berlin, Fink + Jocher in München, Hild und K in München, LRO Lederer Ragnarsdóttir Oei in Stuttgart, Christoph Mäckler Architekten in Frankfurt am Main, Ortner & Ortner Baukunst in Wien, Peter Kulka Architektur in Köln und Staab Architekten in Berlin.

Zeitplan

Wettbewerbsergebnis April 2016; Verfahrensabstimmung mit Landeshauptstadt München bis September 2016; Baugenehmigung geplant Q1/ 2018; Baufertigstellung im Jahre 2019

Beurteilung:

Aufgrund des strengen und sehr eng ausgelegten Denkmalschutzes des Ensembles wurde der Kreativität der Architekten auch enge Grenzen gesetzt. Eine weitgehende Rekonstruktion des äußeren Erscheinungsbildes sowohl des Renaissanc-Baus wie auch der in den 1950er-Jahren durch Josef Wiedemann entworfenen Bauten mit der Stärkung derer charakteristischen Elemente scheint daher entsprechend dem Siegerentwurf logisch. Mit der teilweisen Schließung der Arkaden zumindest am Kernbau wurde für eine sinnvolle Einzelhandelsverwertung, wie es beispielsweise Experten wie Sebastian Scheele vorschlugen, wenigstens zum Teil im Sinne des Investors Rücksicht genommen.

Quellen: Signa, 25.04.2016, immobilienreport

Visualisierungen: Morger Partner Architekten / Signa; Fotografien: Ulrich Lohrer