Nürnberg: Auer Weber gewinnt 1. Preis für DATEV-Gebäude

Das Softwareunternehmen plant in einem neuen Gebäudekomplex bis zu 2.500 attraktive und moderne Arbeitsplätze zu schaffen, zudem sollten insbesondere zentrale Flächen für Veranstaltungen, Konferenzen, Lernwelten und ein Casino integriert werden. Nun wurden für den Wettbewerb vier Preise vergeben.

 

Die DATEV eG hat für ein Grundstück in Nachbarschaft zum Standort an der Virnsberger Straße im Südwesten Nürnbergs einen Architekturwettbewerb ausgerichtet. Für das Unternehmen bilden die Ergebnisse dieses Wettbewerbs die Basis für die Entscheidung, ob für die künftige Standortstrategie in Nürnberg auf einen Neubau oder Bestandsimmobilien gesetzt werden soll. Die Überlegungen sind eine notwendige Folge der nachhaltigen Unternehmensentwicklung. „Neben der steigenden Zahl an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist vor allem auch die Frage, wie wir künftig arbeiten, ein Grund für den Wettbewerb", erklärt Julia Bangerth, die im Vorstand der DATEV unter anderem für die Gebäude der DATEV zuständig ist. „Die Arbeit verändert sich, und damit auch die Anforderungen an den Arbeitsplatz. Wir möchten den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowohl technologisch als auch kulturell und führungsseitig große Freiräume geben, damit sie produktiv und kreativ wirken können. Die Entwürfe bieten uns nun Anknüpfungspunkte für die weitere Diskussion."

Am Wettbewerb haben insgesamt 21 eingeladene Architekturbüros teilgenommen. Das Preisgericht unter Vorsitz von Professor Hans-Peter Achatzi aus Berlin hat daraus vier Entwürfe prämiert. „Unter den Wettbewerbsbeiträgen waren sehr spannende Entwürfe, die die Ideen und Vorgaben der DATEV hervorragend und attraktiv umgesetzt haben. In der Jury haben wir intensiv, offen und konstruktiv diskutiert, um die besten Vorschläge zu identifizieren." Ausgezeichnet wurden die Leistungen von Auer Weber Assoziierte GmbH (München), AllesWirdGut Architektur ZT GmbH (Wien, München), CODE UNIQUE Architekten (Dresden) und Grüntuch Ernst Generalplanungs-GmbH (Berlin).

Wettbewerbskriterien

Grundlage für die Entwürfe bildete ein definiertes Set an Kriterien. Neben der Kernanforderung, Raum für bis zu 2.500 attraktive und moderne Arbeitsplätze zu schaffen, sollten insbesondere zentrale Flächen für Veranstaltungen, Konferenzen, Lernwelten und natürlich das Casino integriert werden, die ihre Wirkung über das Gebäude hinaus in das gesamte Unternehmen entfalten sollen. Eine besondere Herausforderung lag in der Gewährleistung eines schlüssigen Sicherheitskonzeptes bei der zugleich gewünschten großen Nutzungsflexibilität der Bereiche. Durch ein mehrstufiges Sicherheitssystem mit öffentlichen, teilöffentlichen und kontrollierten Bereichen soll ein unkomplizierter Zugang für Besucher mit den hohen Sicherheitsanforderungen der DATEV vereinbar gemacht werden. Ein wesentlicher Teil der Aufgabenstellung lag in einer differenzierten und flexiblen Raumaufteilung in den Arbeitsbereichen, um einerseits ein vielfältiges Arbeitsplatzangebot, andererseits eine sinnvolle Trennung von ruhigen Zonen für konzentrierte Tätigkeiten und Erholung sowie Bereichen für Kommunikation und Kreativität zu schaffen.

Erster Preis: Auer Weber, München

Der Entwurf von Auer Weber Assoziierte GmbH findet durch seine geschwungene Form eine passende städtebauliche Antwort für das Gelände, das im heutigen Umfeld kaum Anknüpfungspunkte bietet. Die kompakte Form des Gebäudes bietet dabei viel Raum für attraktive Grünflächen. Im Inneren werden die funktionalen Anforderungen der DATEV hervorragend umgesetzt.

Es gelingt diesem Entwurf in besonderer Weise die geforderten differenzierten und flexiblen Raumaufteilungen in den Arbeitsbereichen zu ermöglichen. Es werden Arbeitsplatzqualitäten geboten, die ruhige Zonen für konzentrierte Tätigkeiten und Kontemplation ebenso wie kollaborative Bereiche für Kommunikation und Kreativität gewährleisten. Durch eine überzeugende Anordnung und Gestaltung der Kommunikations- und Arbeitsbereiche fördert diese Arbeit in hohem Maße die formelle und informelle Kommunikation im Arbeitsalltag.

Die zentralen Gebäudefunktionen sind im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss angeordnet und können mit der gewünschten Flexibilität in das Sicherheitskonzept der DATEV eingebunden werden. Die darüber liegenden drei Stockwerke bieten eine funktionale Aufteilung zwischen Funktions-, Kommunikations- und Verkehrszonen einerseits sowie ruhigen und flexibel gestaltbaren Arbeitsbereichen andererseits. Die Anordnung der Arbeitsbereiche in den ruhigeren Zonen entlang der Außenfassaden gewährleistet helle, angenehme Arbeitsplätze für die Mitarbeiter. Die innenliegenden Bereiche für Kommunikation und Kreativität bilden eine effiziente Verbindung mit hohen Aufenthaltsqualitäten und bieten das Potential zum „Marktplatz".

Zweiter Preis: AllesWirdGut

ie „DATEV-Stadt" des Architekturbüros AllesWirdGut Architektur ZT GmbH bildet das Prinzip einer Kleinstadt nach. Dieses Ensemble formuliert eine markante, deutlich erkennbare städtebauliche Figur mit ausgeprägtem Charakter, die in diesem typisch aussehenden Gewerbegebiet positiv auffällt und Identität schafft.

Der Entwurf umfasst zunächst 5, später 8, im Vollausbau 10 miteinander verbundene, fünfeckige Gebäude. Die dazwischenliegenden Gassen und Plätze gewähren interessante Netzwerke und Räume für Kommunikation. Die an die Plätze angrenzenden Gebäudebereiche sind dementsprechend auch für die Verkehrs-, Kommunikations- und Kreativitätszonen vorgesehen, während die stilleren Außenbereiche für konzentrierte Tätigkeiten reserviert sind. Die Gestaltung des Entwurfs ermöglicht große Außenfassaden, die viel Tageslicht in das Gebäude lassen. Besonders gut stellt der Entwurf die Variabilität der Grundrisse im Bürobereich dar, in denen der dezentral platzierte Innenhof abwechslungsreiche Gebäudetiefen erzeugt und eine Vielfalt von Gestaltungsoptionen beispielhaft präsentiert.

Eine interessante Idee mit Weitblick verfolgt der Entwurf bei der Gestaltung des Parkhauses: Um flexibel reagieren zu können, sollte in Zukunft beispielsweise der Parkraumbedarf wegen autonom fahrender Autos sinken, können Stockwerke des geplanten Parkhauses mit überschaubarem Aufwand in Büroflächen umgewidmet werden.

Dritter Preis: Unique, Dresden

er Entwurf des Büros CODE UNIQUE Architekten GmbH aus Dresden wartet mit klaren Linien und einer sehr aufgeräumt anmutenden Konzeption auf. Vier quadratische Gebäudeteile mit Innenhöfen sind entlang einer Achse gut miteinander verbunden. Ein repräsentativer Vorplatz schafft eine attraktive Eingangssituation. Auf der Rückseite lässt das Gebäude viel Platz für attraktive Grünflächen.

In den unteren beiden Geschossen sind die zentralen Funktionsbereiche geschickt angeordnet. Indem die Raumhöhe von Konferenz- und Eventbereich bis in den zweiten Stock reicht, wird hier ein großzügiges Raumgefühl erzeugt. Für die Arbeitsbereiche in den darüber liegenden Stockwerken sieht der Entwurf eine zentrale Verkehrsachse mit Aufenthaltsqualität für kommunikative und kreative Prozesse vor. Die komplexen Anforderungen eines gestuften Sicherheitskonzepts sind dabei noch nicht erfüllt. Die ruhigeren Bereiche an den Außenseiten der Gebäudeflügel sind für die konzentrierten Tätigkeiten vorgesehen.

Vierter Preis: Grüntuch Ernst, Berlin

Der Entwurf von Grüntuch Ernst Architekten BDA aus Berlin erstreckt sich mit der Bebauung bis dicht an die Grundstücksgrenzen und holt sich dafür das Grün ins Innere. Die stadträumliche Wirkung und die Lage des Eingangs können im ersten Bauabschnitt jedoch noch nicht ganz überzeugen. Die zwei unteren Stockwerke bilden einen Sockel mit eingeschnittenen Höfen, der sämtliche Sonderflächen umfasst. Darauf liegt eine bepflanzte Fläche, auf der wiederum fünf unabhängig stehende Baukörper angeordnet werden. Durch die gelungene Vernetzung der Gärten über diesen Sonderflächen mit den Arbeitsplätzen in den aufgehenden Baukörpern kann die gewünschte informelle Kommunikation an schönen Tagen auch im Garten stattfinden. Mit seiner erhöhten Lage kann er den Mitarbeitern direkte Zugänge in den Freiraum bieten ohne den kontrollierten Bereich verlassen zu müssen. Alle Baukörper öffnen sich auf Ebene der Freifläche in Form einer weitläufigen Loggia. Sie beherbergen in gleicher Ebene die gewünschten Kommunikations- und Kreativzonen. In den darüber liegenden Stockwerken sind Arbeitsplatzbereiche für jeweils 500 Mitarbeiter angeordnet.

 

Bildnachweis: Auer Weber_WB_DATEV Aussen © JonasBloch