Baden in Denkmälern: Von der Römertherme zur Olympiaschwimmhalle

Als wärmendes Entspannungsbad an einem klirrend kalten Wintertag oder für die sportliches Betätigung. – Bayerns Bäder haben viel zu bieten. Dass sich der feuchte Genuss auch mit einer spannenden Kulturgeschichte verbinden lässt, zeigt ein Buch von Eva Maria und Katrin Vogt.

 

Die alten Griechen errichteten die ersten öffentlich zugänglichen Badeanlagen zur Körperpflege. „Das Prinzip aller Dinge ist Wasser – aus Wasser ist alles, und ins Wasser kehrt alles zurück“, philosophierte Thales von Milet bereits vor über 2500 Jahren.

Die Römer übernahmen wie sovieles von den Griechen – und führten die großen Badeanlagen wie die Caracalla-Thermen in Rom in technischer und architektonischer Perfektion zur Freude der Nutzer aus. Für sie erfüllten die öffentliche Bäder, deren Eintritt für die Römer sehr erschwinglich waren, eine wichtige hygienische und gesellschaftliche Funktion. Weil die Mietshäuser in der Regel keine Bade- und Reinigungsmöglichkeiten boten, traf man sich in den Thermen – nicht zuletzt auch, um sich dort zu entspannen oder Geschäftsabschlüsse zu feiern. Ihre geheizten Badeanlagen brachten die Römer auch nördlich der Alpen ins klimatisch rauere Germanien. Reste von ihnen können auch in Bayern besichtigt werden: in Weißenburg, in Eining, Bad Gögging oder am Tegelberg bei Schwangau.

Mit öffentlichen Brause- und Wannenbäder gegen Cholera

Eine ähnliche Funktion wie die römischen Bäder nahmen die Errichtung von Brause- und Wannenbäder Ende des 19. Jahrhunderts ein. Nachdem am Ende des Dreißigjährigen Krieges die im Mittelalter noch verbreitete Badekultur weitgehend zum Erliegen gekommen, wurde diese mit der Urbanisierung von den Stadtverwaltungen der neuen Großstädte aktiv betrieben. Grund waren die katastrophalen hygienischen Zustände und die immer dichtere Besiedlung in den Mietshäusern ohne sanitäre Einrichtungen, die zum Ausbruch von Seuchen wie der Cholera führten.

Initiativen wie der „Verein für Volksbäder“ und die Initiative des Berliner Dematologen Oskar Lassar sorgten für die Verbreitung des Brausbades. Auch in Bayerns Großstädten wie München, Nürnberg, Augsburg und Fürth wurden von der Stadtverwaltungen zwischen 1890 bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs Brausen- und Wannenbäder erbaut. Oft wurde dabei eine architektonisch anspruchsvolle Gestaltung und der Einsatz von teuren Materialien wie Carrara-Marmor verwandt, wie etwa in München bei dem von Hans Grässel entworfenen Brausebad Bavariaring 5 (Bild oben links),  dem von  Richard Schachner  gestalteten Brausebad im Schlachthof oder dem von Carl Hocheder geplanten Brause- und Wannenbad in der Haidhausener Kirchstraße.

Münchner Badetempel im Jugendstil

In wahren Badetempel gestaltete Hocheder auf privater Initiative des Ingenieurs Karl Müller mit dem Müller´sche Volksbad. „Baden mit Genuß“ kann in dem „schönsten Volksbad Bayern sowie dem am besten erhaltenen Hallenschwimmbad im barockisierenden Jugendstilgewand“ auch heute noch praktiziert werden (siehe Bild oben links und links).

Wettkampftaugliche Hallenbäder

Badekultur im Stil der Neuen Sachlichkeit kann dagegen in dem unter der Leitung Friedrich Steinhäußer geplante Stadtbad Augsburg erlebt werden (siehe Bild links unten), während Karl Meitinger mit dem Nordbad in München ein Hallenbad im neoklassizistischen Baustil der NS-Zeit errichtete, die jedoch wesentliche Neuerungen dieses Bautyps wie die räumliche Trennung der Umkleidekabinen von der feuchten Schwimmhalle sowie die Gestaltung eines Schwimmbeckens, dass auch für den Sportwettkampf taugliche Maße verwirklicht hat.

Die funktionale Ausrichtung findet in dem modernsten Baudenkmal der Olympiaschwimmhalle ihre perfekte Ausgestaltung. Gleichzeitig symbolisiert es die Leichtigkeit und Transparenz der Olympiade in München während der Zeit der Bonner Bundesrepublik, die damit im deutlichen Kontrast zur Berliner Olympiade während der NS-Zeit steht. Entsprechend des Entwurfs vom   Architekturbüro Behnisch ist auch das von  Frei Otto, Fritz Leonhardt und Wolfgang Andrä entworfene Olympiaschwimmhalle von dem geschwungenen und von mächtigen Stützen und Seilnetzen gehaltenen Dach, großen Fensteröffnungen und eine harmonische Anpassung in die Landschaft geprägt.

Dies zeigen Eva Maier und Katrin Vogt in ihrem interessant geschriebenen und reich bebilderten Buch „Baden in bayerischen Denkmälern“ auf. Es erscheint in der Buchreihe „Genuss mit Geschichte“ im Münchner Volk Verlag und wird von verschiedenen Institutionen und Verbänden des Freistaates, wie dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege oder dem Bayerischen Landesverein für Heimatpflege herausgegeben. Dabei werden 34 ausgewählte heute noch aktiv erlebbare oder museal aufbereitete
Baudenkmäler rund um das Baden in Bayern unter der fachlichen Federführung
des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege aufgezeigt.

Ein schönes und interessantes Buch, das zu Endeckungsreisen zu den bayerischen Bädern anregt.

Ulrich Lohrer. 29.11.2016

 

Eva Maier und Katrin Vogt: Genuss mit Geschichte. Baden in bayerische Denkmälern. Thermen, Schwimmhallen, Naturbäder; 224 Seiten, Hardcover, Volk Verlag (ISBN: 978-3-86222-206-3); 19,90 Euro

 

Bildnachweis von oben nach unten: Olympia Schwimmhalle, Foto: Bbb-Commons; Brausebad Bavariaring 5, Foto: Ulrich Lohrer;   Art Nouveau Bath House (Müllersches Volksbad). Munich, Germany  © Jorge Royan / http://www.royan.com.ar; Altes Stadtbad Augsburg - Große Halle, Foto: Edward Fick