Deisenhofen: Zwischen Heimatschutzarchitektur und Postbauschule

Eines der denkmalgeschützten Gebäude in dem Oberhachinger Ortsteil Deisenhofen ist das 1925 erbaute Postamt. Es stammt von zwei Architekten, die ab 1933 sehr unterschiedlich auf die politische Konstellation reagierten.

 

Das Postamt in Deisenhofen (Bahnhofsplatz 36), heute ein Ortsteil der Gemeinde Oberhaching südlich von München, wurde von Robert Vorhoelzer und Fritz Norkauer entworfen und 1925 erbaut. Es handelt sich um ein traufseitiger zweigeschossiger Satteldachbau mit Putzgliederungen, den die Denkmalbeschreibung als „charakteristischer Bau der bayerischen Postbauschule“ einordnet. Tatsächlich gibt es gewisse äußerliche Ähnlichkeiten zu den von Vorhoelzer in dieser Zeit in

In der renommierten Fachzeitschrift „Der Baumeister“ wurde in der Ausgabe vom Juni 1930 das Foto des Gebäudes einem Beitrag zu dem Architekturbüro Lechner und Norkauer vorangestellt. „Dieses Bild zeigt zweierlei: Zunächst den Versuch , das Programm eines ländlichen Postamtes sowohl in der inneren Zweckgestaltung wie in der äußeren Formgebung auf eine einfache Formel zu bringen. Sodann das Bestreben mit gegebenen formalen Mitteln altbayerischer Tradition einen Hauskörper wirklich gut zu gestalten und so eingehend durchzuarbeiten, dass über ein Gesinnungsmäßiges hinaus z. B. die hier gezeigte Straßenseite ein inneres Leben erhält und voller Musikalität erscheint.“ (Harber)

Der Auto vergleicht dann die Bauwerke von Lechner und Norkauer mit denen des Paul Schmitthenner –einem Hauptvertreter der Heimatschutzarchitektur – und sieht dann zumindest eine äußerliche Verwandtschaft. Völlig unerwähnt bleibt, dass der Entwurf nicht von Lechner und Norkauer, sondern von Norkauer und Vorhoelzer stammt. Letzterer als Hauptvertreter der Postbauschule – unter dem auch das Postamt Deisenhofen eingeordnet wird – auch ein Vertreter der Moderne, als der sich Schmitthenner gerade nicht sah.

Während Vorhoelzer mit dem Machtantritt Hitlers als Moderner sein Lehramt an der Hochschule München verlor, arbeitete Norkauer als ein sehr beschäftigter Architekt im Dienst der neuen Machthaber. Schmitthenner erhielt 1933 einen Ruf als Professor an der Technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg und galt kurzzeitig sogar als erster Baumeister des nationalsozialistischen Staates – bis er  aber den Ruf ablehnte und später sogar in Opposition zu dem Regime trat.

Quellen: Der Baumeister, 28. Jahrgang, Heft 6, Juni 1930: Einige Arbeiten der Architekten Lechner und Norkauer – München; Georg Paula, Timm Weski: Denkmäler in Bayern – Landkreis München, Seite 158

Bildnachweis: Foto von Ulrich Lohrer