Startschuss für Erweiterungsbau der Europäischen Schule

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) beginnt am 01. August 2013 mit den Abrissarbeiten für einen Erweiterungsbau der Europäischen Schule München (ESM). Im März 2012 hatte das Berliner Architekturbüro Léon Wohlhage Wernik (LWW) den Ideen- und Realisierungswettbewerb gewonnen.

 

Weil der bisherige Standort in Neuperlach wegen steigender Schülerzahlen ab 2015 zu klein sein wird, soll im Münchener Süden, am S-Bahnhof Fasangarten, für die Grundschulklassen ein neues Schulgebäude im Passivhausstandard entstehen.

Dazu müssen zuerst noch vorhandene und überwiegend ausgediente Gebäude und Betriebsanlagen auf dem Areal abgerissen werden – begonnen wird mit dem Rückbau der Halle 400. Diese Vorabmaßnahme dient dazu, das Grundstück im Falle einer Genehmigung baufertig zu machen. Sie bedeutet jedoch nicht, dass der geplante Erweiterungsbau bereits fest steht. Eine Baugenehmigung liegt noch nicht vor und wird unabhängig vom Abriss geprüft. Zudem möchte die BImA das Projekt nicht ohne die Anwohner der Siedlung realisieren und plant ein Dialogverfahren.

Bis zum Schuljahr 2017/2018 soll der Annex der Europäischen Schule gebaut werden. Weil die ESM in Neuperlach aus allen Nähten platzt und für einen Anbau dort keinen Platz bietet, wird eine Zweigstelle in rund drei Kilometer Luftlinie vom Basisstandort entfernt errichtet: Am nord-östlichen Rand der Siedlung am Perlacher Forst, zwischen General-Kalb-Weg, Cincinnatistraße und Lincolnstraße befindet sich ein bundeseigenes Grundstück. Hier plant die BImA innerhalb der nächsten vier Jahre die Errichtung des Annexes mit ausreichender Fläche für Grundschule, Sporthalle und Kindergarten.

 

Im Zuge der Bauarbeiten soll der Quartiersplatz neu gestaltet werden. Auf dem Grundstück sollen außerdem ein neues Nahversorgungszentrum mit Einzelhandel errichtet, eine Tiefgarage angelegt, Büros, Dienstleistungen und Wohnungen angesiedelt werden. Dazu müsste später auch der vorhandene HIT-Markt abgerissen werden. „Wir werden uns dafür einsetzen, eine mögliche Versorgungslücke bis zum Neubau eines Supermarktes so gering wie möglich zu halten“, sagte Rudolf Deser von der BImA am Mittwoch: „Es ist ein neuer Supermarkt geplant, der genauso groß wie der jetzige sein soll.“ Die BImA prüft auch weitere Hinweise der Anwohner, zum Beispiel zum Verlauf von Radwegen oder zum Baustellenverkehr. Auch wurde von Anwohnern der Wunsch geäußert, dass die Anlagen des neuen ESM-Standorts – unter anderem die Sportanlagen – genutzt werden könnten. Die BImA befürwortet dieses Anliegen und unterstützt die Prüfung der Europäischen Schule, ob die geplanten Einrichtungen öffentlich zur Verfügung gestellt werden könnten.

Um die Planungen und den Bau gemeinsam mit den Anwohnern zu gestalten, plane die BImA ein Dialogverfahren, sagte Deser: „Uns ist ein gemeinsamer Dialog wichtig und wir möchten die Anwohner der Siedlung einbeziehen.“ Zuerst wolle die Bundesanstalt dafür auf die Anwohner und die Bürgerinitiative Amisiedlung zugehen.

An diesem Quartiersplatz liegen die Sporthalle, gleichzeitig auch Festsaal der Schule, sowie der Haupteingang der Schule. Von hier aus wird sich das von dem Berliner Architekturbüro Léon Wohlhage Wernik (LWW) geplante Schulhaus 200 Meter entlang der Bahnstrecke als ein mehrfach geknicktes Rückgrat erstrecken. Zum weiten, sonnigen Schulhof öffnen sich die Klassengeschosse als asymmetrische Kammstruktur. Dadurch erscheint das Haus dort als Reihung von fünf Einzelhäusern. Das große Bauvolumen für 1300 Schüler bleibt überschaubar. Entlang des Schulhofs erstreckt sich die Pausenhalle, von der die schulöffentlichen Bereiche wie Bibliothek, Mensa, Musik- und Werkräume erschlossen werden. Sie gruppieren sich jeweils um kleine Höfe, die auch als Außenklassenräume oder Lese- gärten genutzt werden können. Alle Nebenräume liegen zur lauteren Bahnseite. Die Klassenräume in den Obergeschossen blicken alle zum Hof. Die Erschließung erfolgt über Treppen in den Einzelhäusern und einen bahnseitigen Gang.

Die Fassade setzt sich gestalterisch aus aneinander gesetzten Rahmen aus eingefärb- tem Kunststein zusammen. Variierte Rahmenbreiten, nuancierte Farbwerte und leichte Vor- und Rückspringe lassen die langen Fassaden plastischer erscheinen. Nach Innen und Außen wird das klare System einer Lochfassade spielerisch über- höht. An der geschlosseneren Bahnseite und an der Sporthalle treten die Rahmen vereinzelter innerhalb größerer Putzflächen auf.

Die Freiraumplanung von Atelier Loidl sieht neben einer Schulpromenade entlang des Gebäudes eine Sport- und Freizeitlandschaft aus grünem Tartanbelag, einen Skatepool sowie eine hölzerne Freilufttribüne vor. Gemeinsam mit Buro Happold wurde ein komplexes Energiekonzept entwickelt, das u.a. durch Photovoltaik, Erdwärmeaustausch und LED-Beleuchtung den Passivhausstandard erfüllt.

 

 

 

Quellen: Pressemeldung BImA, 31.07.2013, Pressemeldung LWW vom 26.03.2012

Bilder: Architekturbüro LWW