August Exter: Schöpfer der Pasinger Villenkolonie

Bereits als junger Architekt machte sich der Pfälzer August Exter in München einen mit dem Mathäserbau und der Ohel-Jakob-Synagoge einen Namen. Bekannt wurde er jedoch als Erbauer der Villenkolonie in Pasing, die er als Projektentwickler realisierte – und ihn finanziell nahezu ruinierte.

 

August Exter wurde am 18. Mai 1858 in Dürkheim geboren und entstammte einer weit verzweigten Pfälzer Kaufmannsfamilie, die in Ludwigshafen, Neustadt und Bad Dürkheim ansässig war und sehr kunstinteressiert war. Sein Bruder war der fünf Jahre jüngere Maler Julius Exter, der 1892 die Münchner Secession mitbegründete.

August Exter studierte in München Architektur und arbeitete dann unter anderem als Bauassistent beim Landbauamt in Aschaffenburg. Später war er in München im Bereich des städtischen Hochbau tätig, wo er sich mit dem Bau der Ohel-Jakob-Synagoge sowie dem Mathäserbau einen Namen machte.

Er widmete sich dann überwiegend dem Siedlungsbau. Nach seinen Entwürfen wurden Wohnsiedlungen in Obermenzing, Laim, Gauting und Gröbenzell realisiert. Zu seinen bekanntesten Bauten zählen die Villenkolonie Neu-Pasing I, die er ab 1892 im damaligen Münchener Vorort Pasing schuf. Die Grundstücke für die Siedlung erwarb August Exter als Ackerland vom Wirt Matthias Spiegel, nach dem heute noch die Spiegelstraße in Pasing benannt ist. Entsprechend der Gartenstadtidee sollten Leute, die in der Großstadt (München) arbeiten, nicht zu teuer aber dafür schön wohnen. Pasing, das damals noch nicht zu München gehörte, schien Exter der ideale Ort. Er zeichnete Pläne für die Siedlung- keiner sollte mehr als 800 Meter entfernt zum Pasinger Bahnhof und damit in die Stadt München haben. Die Häuser sind alle verschieden gestaltet, etwa im Alpenstil, Jugendstil im Stil des Neobarocks oder der Neorenaissance. Viele der Entwürfe planten der Architekt selbst bzw. die Mitarbeiter seines Büros.

Es waren aber auch namhafte büroexterne Architekten wie Georg Völkl, Walter Sartorius, Bernhard Borst, die Gebrüder Ott und Theodor Fischer für Exter tätig. Es gibt größere, für Interessenten, die vermögend waren und etwas kleinere, für Käufer die weniger Geld hatten. Die Straßen der Villenkolonie benannte Exter zum Teil nach den Namen seiner Töchter und seiner Frau Luise. Der bürgerlichen Gesellschaft Münchens sollten hier im Sinne der aufkommenden Gartenstadtbewegung ein Wohnen im Grünen ermöglicht werden.

Exter plante auch ostwärts der Würm eine zweite Villenkolonie. Ein Teil der Grundstücke gehörte der Familie seines Freundes Richard Riemerschmid. Doch der Erfolg der Villenkolonie I trieb die Grundstückspreis so in die Höhe, dass Exter sich Verschulden musste. Hinzu kam, dass gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Absatz der Villen stark zurückging. Entgegen der häufigen Vermutung hat Exter die um 1900 erbaute Villenkolonie Pasing II nicht mehr selbst errichtet. Stattdessen verkaufte er das Entwicklungsgebiet an die Terraingesellschaft Neu-Westend. 1897 gab er sein Baugeschäft auf und zog sich auch schrittweise aus der Architektentätigkeit zurück. Zunächst wurde der Aufbau der Kolonie zwar in derselben Art und Weise und unter Oberaufsicht Exters als technischer, externer Beirat für die Gesellschaft weitergeführt. Später wurde der Ausbau unter den beiden Direktoren Otto Numberger und Carl Nicolay vorangetrieben. Exters Schulden bei der Stadt Pasing wurden von der Königlichen Filialbank übernommen.

Die Bedeutung Exters zu seinen Lebzeiten lässt sich daran erkennen, dass sein um die Jahrhundertwende veröffentlichtes sechsbändiges Werk über "Das deutsche bürgerliche Einfamilienhaus" lange Zeit Lehrbuch an den Hochschulen war.

Einziger Sakralbau Exters war die im März 1892 eingeweihte Synagoge des Vereins Ohel Jakob in der Herzog-Rudolf-Straße in München, die in der Pogromnacht am 9. November 1938 durch Brandstiftung zerstört wurde. August Exter war zuvor, am 7. Dezember 1933 in Obermenzing gestorben.

 

Werke August Exter und seines Büros (Auswahl)

1888: Gemäldeausstellungssaal im Gebäude Maximilianstr 20, München-Altstadt

1889- 1992: Ohel-Jakob-Synagoge, Herzog-Rudolf-Str 1 (Bild links, zerstört), München-Altstadt

1890: Eckhaus Maximiliansplatz 12b (zerstört)

1890: Wohn- und Geschäftshaus Frauenstr 11, München-Altstadt

1891-1892: Mathäserbau, Bayerstr 3/5

1892: Wohn-Geschäftshaus Klöpfer, Luisenstr 5 (zerstört), München-Maxvorstadt

1893: Malerische Kleinvilla, Fritz-Reuter-Str. 26, Villenkolonie I, München-Obermenzing

1893: Malerische Fachwerkvilla, Fritz-Reuter-Str. 27, Villenkolonie I, München-Obermenzing

1893: Villa, Orthstr. 3, , Villenkolonie I, München-Obermenzing

1893: Landhaus, Orthstr. 3a, Villenkolonie I, München-Obermenzing

1893: Villa im Landhausstil, Oeselstr. 36, Villenkolonie I, München-Obermenzing

1893-1894: Villa im Landhausstil, Oeselstr. 40, Villenkolonie I, München-Obermenzing

1895: Villa Hermann Obrist, Karl-Theodor-Str 48 (mit Alfred Pinagel), München-Schwabing

1895: Villa, Orthstr. 9 , Villenkolonie I, München-Obermenzing

1895: Cafe Gaststädte Luisengarten, Orthstr. 13, , Villenkolonie I, München-Obermenzing

1895: Villa, Orthstr. 17, Villenkolonie I, München-Obermenzing

1895: Villa Landhausstil, August-Exter-Str. 15, Villenkolonie I, München-Obermenzing

1895: Malerische Villa mit Turm, August-Exter-Str. 19, Villenkolonie I, München-Obermenzing

1895: Villa Landhausstil, August-Exter-Str. 20, Villenkolonie I, München-Obermenzing

1895: Malerische Villa, August-Exter-Str. 21, Villenkolonie I, München-Obermenzing

1895: Villa, August-Exter-Str. 22, Villenkolonie I, München-Obermenzing

1895: Kleinvilla, August-Exter-Str. 23, Villenkolonie I, München-Obermenzing

1895: Kleinvilla, August-Exter-Str. 25, Villenkolonie I, München-Obermenzing

1895: Villa, August-Exter-Str. 27, Villenkolonie I, München-Obermenzing

1895: Villa, August-Exter-Str. 30, Villenkolonie I, München-Obermenzing

1895: Villa im Fachwerkstil, August-Exter-Str. 32, Villenkolonie I, München-Obermenzing

1895: Villa im Landhausstil, August-Exter-Str. 34, Villenkolonie I, München-Obermenzing

1895: Malerische Villa, Floßmannstr 25, Villenkolonie I, München-Obermenzing

1895: Fachwerkvilla, Floßmannstr 31, Villenkolonie I, München-Obermenzing

1895: Malerische Villa, Fritz-Reuter-Str. 22, Villenkolonie I, München-Obermenzing

1895: Villa im Landhausstil, Fritz-Reuter-Str. 30, Villenkolonie I, München-Obermenzing

1895: Villa im Landhausstil, Marsopstr. 12, Villenkolonie I, München-Obermenzing

1895: Villa im Landhausstil, Marsopstr. 14, Villenkolonie I, München-Obermenzing

1895: Villa, Marsopstr. 16, Villenkolonie I, München-Obermenzing

1895: Villa, Marsopstr. 22, Villenkolonie I, München-Obermenzing

1896: Villa in Fachwerkstil, August-Exter-Str. 24, Villenkolonie I, München-Obermenzing

1897: Vorstadthaus Alte Allee 2, Villenkolonie II, München-Obermenzing

1897: Vorstadtvilla Alte Allee 17, Villenkolonie II, München-Obermenzing

1897: Villa, Rubensstr. 3, Villenkolonie II, München-Obermenzing

1897: Landhaus, Rubensstr. 6, Villenkolonie II, München-Obermenzing

1897: Villa, Rubensstr. 12, Villenkolonie II, München-Obermenzing

1898: Wohnhaus, Lützowstr 28, Villenkolonie II, München-Obermenzing

1898: Villa, Lützowstr 46, Villenkolonie II, München-Obermenzing

1898: Villa, Mark-Twain-Str. 4, Villenkolonie II, München-Obermenzing

1898: Ländliche Villa, Apfelallee 9, Villenkolonie II, München-Obermenzing

1898: Villa, Apfelallee 18, Villenkolonie II, München-Obermenzing

1898: Villa, Apfelallee 21, Villenkolonie II, München-Obermenzing

1898: Villa, Apfelallee 26a, Villenkolonie II, München-Obermenzing

1900: Ländliche Villa, Apfelallee 6, Villenkolonie II, München-Obermenzing

1900: Villa, Hofmillerstr. 30, Villenkolonie II, München-Obermenzing

1900: Villa, Hofmillerstr. 32, Villenkolonie II, München-Obermenzing

1900: Malerische Villa, Hofmillerstr. 34 (mit Otto Nürnberger), Villenkolonie II, München-Obermenzing

1900: Villa im Landhausstil, Marschnerstr. 43, Villenkolonie II, München-Obermenzing

1900: Villa im Landhausstil, Marschnerstr. 44, Villenkolonie II, München-Obermenzing

1900: Villa, Marschnerstr. 59, Villenkolonie II, München-Obermenzing

1907: Villa, Marsopstr 6, Villenkolonie I, München-Obermenzing

 

Literatur:


Exter, August: Villen-Colonie Pasing-München, Werbeprospekt, München 1894.


Friederike Kaiser, Michael Stanic (Hrsg. Pasinger Fabrik): Architect August Exter, Villen-Colonien-Pasing, München 1993.


Schraff, Nicole: August Exter und die Villenkolonien in München Pasing, Bd.1 und 2, Duisburg 1994.

 

Bilder: Villenkolonie I Obermenzing, Floßmannstr 31: Ulrich Lohrer; Apfelallee 6: Landeshauptstadt München;  Flossmannstr. 25 Muenchen-01.JPG, AHert; Apfelallee 26 a; Villa, barockisierend, Giebelfeld mit Stucksonnenuhr, um 1897/98, aus dem Büro August Exter, AHert