Friedhof am Perlacher Forst

Der 1931 nach Plänen von Stadtbaurat Hermann Leitenstorfer und Fritz Beblo errichtete Friedhof am Perlacher Forst fällt durch seine monumentale Trauerhalle auf. Er sollte der größte und schönste Münchner Friedhof werden, doch dann wurde der ursprünglichen Plan geändert.

 

Im Jahr 1929 begannen die Planungen für den „Neuen Ostfriedhof“, da im Ostfriedhof kaum noch Gräber frei waren. Damit sollte das dezentrale Münchner Friedhofskonzept beibehalten und dem weiterhin rasanten Bevölkerungszuwachs in München Rechnung getragen werden. Das Grundstück an Stadelheimer Straße 24 am Ende der Schwanseestraße im heutigen Bezirksteil Südgiesing des Stadtbezirks Obergiesing-Fasanengarten erfüllte die Anforderungen: Es hatte genug Erweiterungspotenzial für die geplante endgültige Größe von 100 Hektar und 100.000 Gräbern. Auch befand sich im Süden der Perlacher Forst, der für die Gestaltung eines Waldfriedhofes ideal erschien. Zwar befand sich im Westen das Gefängnis Stadelheim, doch gab es damals h eine große unbebaute Fläche, die eine große Distanz zu den Gefängnisbauten gewährte.

Idee und Gestaltung

Stadtbaurat Hermann Leitenstorfer plante den Friedhof als eine Mischung aus Anlagen- und Waldfriedhof: Es sollte der schönste und größte Münchner Friedhof werden. Als Blickfang und Zentrum war im vorderen Friedhofsbereich die große Aussegnungshalle vorgesehen. Von dort aus sollten Friedhofswege sternförmig in alle Richtungen ausgehen. Entstehen sollte ein geometrischer Anlagenfriedhof mit Hecken und einem lockeren Baumbestand, der nach Süden immer dichter werden und unmerklich in einen naturnahen Waldfriedhof zum Perlacher Forst führen sollte. Der Namen lautete schließlich „Friedhof am Perlacher Forst“.

Friedhof der "kleinen Leute"

Die fehlenden freien Gräber im Ostfriedhof zwangen die Friedhofsplaner allerdings zu einem Bau im Rekordtempo. Als der Friedhof am 1. Februar 1931 eröffnet wurde, glich das Gelände noch einer Großbaustelle und war noch ohne der geplanten Aussegnungshalle.  Der Friedhof am Perlacher Forst war in der Anfangszeit ein Friedhof der „kleinen Leute“, der mit der Bestattung der „armen Dienstmagd“ Margarete Knoll eingeweiht wurde.

Die Aussegnungshalle

Erst mit der Einweihung der Aussegnungshalle im Herbst 1933 gewann der Friedhof am Perlacher Forst an Ansehen in der Bevölkerung. Fritz Beblo und Hermann Leitenstorfer entwarfen die Halle als burgartiger, nach außen mit Tuffstein-Bruchmauerwerk verkleideter Bau. Mit 35 Meter Höhe ist die Aussegnungshalle deutlich größer als der von Hans Grässel entworfene Kuppelbau des Ostfriedhofs. Die zwölfeckige Konstruktion sorgte für Aufsehen. Die Formsprache steht für eine, den Tod heroisch überhöhende Monumentalität. Mit ihrer schlichten, hellen Gestaltung im Inneren ist die Halle modern, wegweisend und ihrer Zeit voraus.

Dunkle Zeiten

Die Fertigstellung des Friedhofs am Perlacher Forst fällt in die dunkle Zeit des Nationalsozialismus. Im benachbarten Gefängnis Stadelheim wurden von 1933 bis 1945 über 1200 Menschen nach Urteilen der NS-Justiz ermordet. Einige der in Stadelheim hingerichteten Menschen wurden in Massengräbern im Friedhof verscharrt. Hier befinden sich auch die Gräber der Geschwister Sophie und Hans Scholl sowie weiterer Mitglieder der Widerstandsgruppe "Die weiße Rose". Die Opfer des Nationalsozialismus werden heute in Ehrenhainen des Friedhofs am Perlach Forst gewürdigt.

Mit dem Kriegsende endete Zwar die Willkürherrschaft, doch konnte wegen des Baus der großen Siedlung für US-Streitkräfte auf dem Gelände der Friedhofserweiterungsfläche die Vision des „größten und schönsten Münchner Friedhofs“ nicht mehr verwirklicht werden. 1957 erweiterte der Freistaat Bayern zudem die Justizvollzugsanstalt Stadelheim zum Friedhof hin, so dass Gefängnismauern und Wachtürme im Nordwesten die Friedhofsmauer bilden.  

Der Friedhof am Perlacher Forst heute

Der Friedhof am Perlacher Forst ist trotz seiner nur teilweise verwirklichten Gestaltungsidee ein grüner Friedhof mit alten Bäumen und vielen Hecken.

Im Friedhof gibt es auf einer Fläche von 28,15 Hektar etwa 21.600  Grabstätten.

Quellen: Landeshauptstadt München; Winfried Nerdinger (Hrsg.): Architekturführer München, 338

Fotografien: Ulrich Lohrer