Haidhausen: Henn bekommt Zuschlag für Gasteig-Sanierung

Der Gasteig soll nach Plänen des Architekturbüros Henn saniert werden. Sowohl die Bewertungskommission des Architekturwettbewerbs als auch der Aufsichtsrat des Kulturzentrums entschieden sich für den Entwurf des Büros aus München.

 

Die Empfehlung gilt als Grundlage für einen Beschluss des Stadtrats am 24. Oktober. Das Büro Henn plant entlang der Gasteig-Fassade eine Glaspassage sowie im oberen Bereich ein Restaurant mit großen Fenstern. Mitte Juni 2018 wurden drei erste Preise an die Architekturbüros Henn, Auer Weber Assoziierte sowie Wulf Architekten vergeben. Diese drei Entwürfe wurden angepasst – nun fiel die Entscheidung zugunsten von Henn.

Für die umfangreiche Baumaßnahme soll das Haus für fünf Jahre geschlossen werden. Die Kosten für die Generalsanierung werden auf bis zu 450 Millionen Euro geschätzt.

Quellen BR, SZ, tz, az, 12.10.2018

Gigantomanie am Gasteig

Der Gasteig, Deutschlands größtes Kulturzentrum, muss saniert werden. Dies kostet mehr als die gesamten ursprünglichen Baukosten. Im Wettbewerb um den besten Umbau-Entwurf wurden drei erste Preise vergeben.

Als am 10. November 1985 das Kulturzentrum Gasteig im Beisein von Bundespräsident Richard von Weizsäcker eröffnet wurde, fand es nach 14-jähriger Planungs- und Bauzeit zunächst wenig Anklang. Der knapp 400 Millionen DM teure Backsteinbau der Architekten Raue Rollenhagen Lindemann Grossmann erhielt unter der Bevölkerung den Spottnamen Kulturvollzugsanstalt.

Erst ungeliebt, dann ein Erfolgsmodell

Mittlerweile besuchen jedes Jahr rund 750.000 Menschen den Gasteig in Haidhausen-Süd im Münchner Stadtbezirk Au-Haidhausen . Aufgrund aufgetretener Schäden und wegen gestiegener Brandschutz-Anforderungen wurde eine Generalsanierung erforderlich. Entgegen dem vom damaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) geforderten Abriss und Neubau beschloss die Stadt die Generalsanierung für geplante 300 Millionen Euro.

Weil während des Umbaus in der veranschlagten Zeit von 2020 bis 2025 für die Institutionen wie die Philharmonie und die VHS ein Ausweichquartier benötigt wird, wird nun in Sendling sogar extra eine anspruchsvolle Interims-Philharmonie nach Plänen der Hamburger Stararchitekten gmp - Architekten von Gerkan Marg und Partner gebaut.

Ebenfalls im Bau wird sich dann auch ein weiteres großes Konzertgebäude befinden, das Konzerthaus im Werksviertel, für dessen Architekturwettbewerb das Vorarlberger Büro Cukrowicz-Nachbaur den ersten Preis erhalten hatte.

Die drei Siegerentwürfe

Nun vergab das Preisgericht unter Vorsitz des Architekten Volker Staab im Realisierungswettbewerb drei erste Preise: An Wulf Architekten, Stuttgart, Henn Architekten sowie Auer Weber Architekten (beide München). Alle Entwürfe sehen einen radikalen Rückbau des Komplexes und einen nahezu vollständigen Neubau in überdimensionierter Form vor. Ein Unterschied zum Seehofer-Vorschlag ist bei diesem Verfahren kaum mehr zu erkennen.

Der Entwurf von Henn (großes Bild oben) sieht eine weitgehend geschlossene, horizontal ausgerichtete Fassadenhülle mit Bewahrung großer Teile des Bestandsgebäudes vor, das durch ein gläsernes Band gegliedert wird.

Dagegen sieht der Plan von Wulf Architekten (siehe die beiden oberen Bilder links) einen durch massive Pfeiler vertikal ausgerichteten Gebäudekomplex vor, der an eine Kathedrale erinnert.

Das Konzept von Auer Weber (Bild links) öffnet den Komplex an der Westseite der Kreuzung Am Gasteig / Rosenheimer Straße. Wie auch die Entscheidung letztlich ausfällt, der Gasteig wird noch mehr durch Massivität und Monumentalität gekennzeichnet sein.

Bildnachweis von oben nach unten: Henn, Wulf Architekten, Auer Weber