Hauptbahnhof München: Lichtspiele im modernisierten U-Bahnhof

Nach knapp drei Jahren Bauzeit wurden die Läden in der U-Bahn-Verteilerebene am Hauptbahnhof am 28. Februar  wiedereröffnet. Die Stadtwerke München ließen den 1980 eröffneten U-Bahnhofs durch das Architekturbüro Auer + Weber sanieren und modernisieren.

 

Anlass für die Modernisierung und Sanierung waren Schäden am Bauwerk, die durch in das Stahlbeton-Tragwerk eingedrungene Streusalzrückstände im Lauf der Jahre hervorgerufen wurden. Der 175 Meter lange und etwa 33 Meter breite Verkehrsraum der Verteilerebene war durch eingestellte Kioske und Anbauten an den Auf- und Abgängen sehr unübersichtlich. Fehlende Differenzierung der Materialien, blendende Beleuchtung und ein schlecht wahrnehmbares Leitsystem erschwerten zusätzlich die Orientierung.

Der langestreckte Raum führte zum Entwurfsprinzip der „Straße“ als Bewegungsraum für die Passanten, der mit klaren Strukturen sichtbar gemacht wurde. Die „Straße“ wird auf der Westseite (Richtung Hauptbahnhof) und auf der Ostseite (Richtung Innenstadt) durch unterschiedliche Nutzungen begleitet, wodurch die Orientierung innerhalb der Verteilerebene erleichtert wird.

Handels-, Gastronomie-, Dienstleistungsflächen und das neue MVG-Kundenzentrum wurden in Richtung Hauptbahnhof situiert. Die der Innenstadt zugewandte Ostseite des Geschosses ist überwiegend frei von Vermarktungsflächen und nimmt hinter einer „Licht- und Informationswand“ Technik- und Nebenräume auf. In der Wand integriert sind Fahrkartenautomaten, Infovitrinen, Geldautomaten, Telefone und Uhren  die über einen rückwärtigen Revisionsgangs zugänglich sind. Je nach Tagesverlauf verändert die Lichtwand ihre Farbigkeit. Zusätzlich reagiert sie interaktiv auf Veränderungen: Bei Aktivität an den Fahrkartenautomaten wechselt der Farbton zur Komplementärfarbe; bei höherer Frequentierung an den Aufgängen intensiviert sich die Helligkeit.

Die Lichtwand im Osten und die Schaufenster der Handelsflächen und des Kundencenters im Westen sind als durchgängige Ganzglasfassaden gestaltet. Die Glasoberfläche wird in Form von glänzenden, weißen Glasmosaikfliesen an den Treppenwänden bis an die Oberfläche geführt und dort von der matten Sichtbetonbrüstung auf Straßenniveau eingerahmt. Die inneren Stirnseiten der Aufgänge sind mit LED-hinterleuchteten Glaspaneelen verkleidet. In diese sind Info-Monitore integriert, die die Abfahrtszeiten der Verkehrsmittel anzeigen.

Die Auf- und Abgänge wurden durch den Rückbau von Ein- und Anbauten freigestellt und sind somit erstmals gut auffindbar. Der Tramaufgang im Südosten wurde zu einer zweiläufigen Treppe umgebaut, um auf dem Tram-Bahnsteig an der Oberfläche mehr Raum für ein- und aussteigende Fahrgäste zu schaffen. Für die barrierefreie Erschließung wurde hier ein verglaster Aufzug integriert.

In Abstimmung mit dem Bayrischen Blindenverband wurde die Nutzbarkeit der Station für körperlich behinderte Menschen optimiert. Hierzu wurde ein taktiles und optisch kontrastreiches Wegeleitsystem in den Bodenbelag integriert, sowie die Auf- und Abgänge mit Brailleschrift ausgestattet. Alle Aufzüge sind rollstuhlgerecht dimensioniert. Um eine schnelle Erkennbarkeit und größtmögliche Einsicht zu gewährleisten, wurden die Abgänge zur U1/2 raumhoch verglast. Im Gegensatz zu den Aufgängen an die Oberfläche erhielten alle Abgänge silberfarbig emaillierte Blechpaneele als Wand- und Deckenbekleidung.

Eine fugenlose Metall-Rasterdecke bildet einen ruhigen „Himmel“, der den relativ niedrigen Raum nach oben abschließt und verschiedene Aufgaben erfüllt. Elektro-, Lüftungs- und Sprinklerleitungen werden innerhalb des Deckenhohlraums verdeckt geführt. In die Ebene der Rasterdecke wurden eine hocheffiziente, blendfreie LED-Beleuchtung, sowie die beleuchteten Hinweisschilder des Leitsystems integriert. Im Bereich der Aufgänge sind zusätzlich „künstliche Sonnen“ in LED-Technik in die Rasterdecke eingebaut, die helle Lichtpunkte auf dem Boden erzeugen. Hierdurch wird dem Besucher, aus dem hellen Tageslicht kommend, ein Übergangsbereich zur Adaption angeboten.

Durch den geringen Energieverbrauch und die lange Lebensdauer der LEDs von rund 50.000 Stunden konnten die Betriebskosten gegenüber den ursprünglichen blendenden Leuchtstoffröhren minimiert werden.

Die Verkehrsfläche ist durchgängig mit großformatigen, hellgrauen Granitplatten belegt, die sich über die Treppenläufe in den Stadtraum nach oben ziehen. Die ursprünglich natursteinverkleideten Stützen haben nun eine Oberfläche in Sichtbetonoptik.

In der Verteilerebene wurden zur Information und Sicherheit der Fahrgäste neue Info-Monitore und MVG-Notfallsäulen aufgestellt. An der Oberfläche kommen bei den Nebenaufgängen neu entwickelte Hinweisstelen von ca. 5 Meter Höhe zum Einsatz, die LED-hinterleuchtet sind und Informationen zur Umgebung beinhalten. Der Prototyp hierfür wird am Aufgang Schützenstraße Nord montiert.

Während Passanten nun durch den fertig gestellten U-Bahn-Bereich flanieren können, wird im westlichen Bereich noch gearbeitet: Die anschließende S-Bahn-Verteilerebene befindet sich noch im Umbau. Die laufende Neugestaltung dieses Bereichs erfolgt allerdings nach der Planung der Deutschen Bahn.

 

Quelle: Pressemeldung Auer + Weber vom 28.02.2014

Bilder und Grafik: Auer + Weber; Fotos: Dominik Fahr, Auer Weber München