Die entsorgte Architekturikone

Die „denkmalgeschützte“, ehemalige Osram-Hauptverwaltung an der Isar musste einem Wohnquartier weichen. Ein Buch, herausgegeben vom Fotografen HGEsch, widmet sich Walter Henns Büroklassiker der Moderne.

 

Trotz Protesten wurde 2018 die denkmalgeschützte ehemalige Osram-Hauptverwaltung an der Isar abgerissen. Aufgrund seiner Funktionalität und minimalistischen Ästhetik galt das 1965 vom Architekten Walter Henn errichtete Gebäude als Klassiker der Moderne im Stil Ludwig Mies van der Rohe.

Neu war damals in der jungen Bundesrepublik in einem Großraumbüro zu arbeiten. Das Gebäude war „ein Denkmal der architektonischen Moderne, wie es das in München kaum ein zweites Mal gegeben hat“, so Rolf Sachsse. Ein kubischer, sechsgeschossiger Stahlbetonskelettbau mit Aluminium-Glas-Vorhangfassaden, Eingangsvordach auf Stützen, im Inneren mit Ausnahme von zwei Verkehrs- und Installationskernen variabel nutzbare Großraumbüros.

Nur wenige Gebäude wurden in ihrem Lebenszyklus auch so umfassend dokumentiert. Dazu beauftragte Walter Henn bereits 1965 den Fotografen Heinrich Heidersberger, der die Osaram Hauptverwaltung in seinen schwarz-weiß-Fotografien als Ästhetik des Funktionalen inszenierte. 2010 führte der Fotograf HGEsch die Arbeit im Auftrag von Gunter Henn, dem Sohn des Architekten, fort. Das Buch zeigt die Fotos mit Texten von Ursula Baus und Bernd Rodrian. Der vorliegende – nach einem ausführlichen Essay von Rolf Sachsse „Restlicht“ genannte Band – zeichnet in Wort und Bild die Transformationen des seinerzeit ersten Großraum- Bürogebäudes Europas von der Hauptverwaltung eines der größten Arbeitgeber Münchens zum Flüchtlingsheim nach – bis zu seinem Abriss 2018. 

HGEsch (Hrsg.): Restlicht - Osram München – Das Verwaltungsgebäude der Osram GmbH München 1965 - 2018, 168 Seiten, Hardcover, Wasmuth & Zahlen Verlag, 43,00 Euro 

Bildnachweis: Wasmuth & Zahlen Verlag, Die Fotografien sind in dem besprochenen Buch entnommen @ HGEsch