Ulrich Himbsel: Der Baurat als Eisenbahn-Unternehmer

Der Oberpfälzer Architekt Johann Ulrich Himbsel machte in München eine Beamtenkarriere und schaffte es bis zum Oberbaurat. Das war ihm nicht genug: Im Alter trieb er als Unternehmer den Eisenbahnbau und die Dampfschifffahrt voran.

 

Johann Ulrich Himbsel wurde am 30. Januar 1787 im oberpfälzischen Neukirchen geboren. Nach dem Besuch der Sonntagsschule ab 1803 in München war Himbsel ab 1806 in Paris im Büro des Generalbauinspektors Molines tätig.

Baubeamter in München

1811 wurde er zum Bauaufseher und 1815 zum technischen Mitglied der königlichen Baukommission ernannt, 1818 zum Baurat der Lokalbaubehörde München. In dieser Funktion war wer für den Bau zahlreicher Schulen in München verantwortlich, von denen allerdings nur noch wenige bestehen.

Förderer der bayerischen Infrastruktur 

Himbsel war im Staatsdienst an dem 1838 begonnen Bau der Eisenbahnstrecke von München nach Augsburg beteiligt, die eine private Gesellschaft unter Leitung von Joseph Anton von Maffei durchführte. 1844 drohten der Privatgesellschaft für die München-Augsburger Eisenbahn erhebliche finanzielle Belastungen, nachdem bis dahin zu wenig für die Erhaltung der Betriebsmittel und Bahnanlagen aufgewendet wurde. Das gleichzeitige Interesse des Staates an einer Übernahme der Bahnlinie – Himbsel dürfte an der Transaktion beteiligt gewesen sein –  führte am 12. August 1844 zu dem Beschluss der Aktionärsversammlung der Gesellschaft, die Bahn mit allen Einrichtungen an den Staat zu verkaufen. Zum 1. Oktober 1844 ging die München-Augsburger Eisenbahn in Staatseigentum über.

Erbauer der Eisenbahn München Starnberg

Im höheren Alter wurde Himbsel schließlich selbst noch als Bauunternehmer tätig. Am 7. August 1849 wurde auf Geheiß des bayerischen Königs Max II eine Aktiengesellschaft „für den Zweck des Bauens und Betriebes einer Eisenbahn von München nach Starnberg“ gegründet. Unter der Leitung von Baurat Ulrich Himbsel, der als Privatmann für diese Unternehmung ein Darlehen aufnahm, wurde die Bahnstrecke gebaut. Mit einem finanztechnischen Kunststück machte Himbsel die Bahn frei. Vertraglich verpflichtete er sich, die Strecke auf eigenes Risiko zu bauen und dann 50 Jahre lang für jährlich 45 000 Gulden an die Königlichen Verkehrsanstalten zu verpachten. Dadurch war es kein Problem mehr, die Finanzierung über die Königliche Bank in Nürnberg zu bewerkstelligen. Bereits fünf Jahre später, am 24. November 1854, konnte der erste Zug von München nach Starnberg fahren. Im Jahr 1861 kaufte der Bayerische Staat die Eisenbahn-AG, was Himbsels Erben einen ansehnlichen Gewinn brachte.

Begründer der Dampfschifffahrt auf dem Starnberger See

Bei seinem Landsmann Joseph Anton von Maffei aus Hirschau ließ Johann Ulrich Himbsel einen Raddampfer auf Stapel legen. Zu Ehren des inzwischen gekrönten Max II. wurde das 1851 fertig gestellte Schiff auf den Namen "Maximilian" getauft. 1851 wurde unter seiner Leitung das erste Dampfschiff auf dem Starnberger See eingesetzt. Mit der Fertigstellung der Bahnlinie München-Starnberg stieg die Nachfrage deutlich an. Nun kamen noch mehr Gäste aus der Hauptstadt an den See, die "Maximilian" nahm noch mehr Passagiere an Bord, und die Ufergemeinden blühten auf als Ausflugsorte.

Himbsel-Haus in Berg am Starnberger See

1827 ließ Himbsel für sich eine Villa im klassischen Stil in Berg am Starnberger See erbauen. 1842 errichtete er für sich und seine große Familie in der Nähe ein größeres Landhaus im Stil eines oberbayerischen Bauernhauses errichten. Zusammen mit seiner Frau Ottilie und seinen sechs Kindern verbrachte er die Sommer am Ostufer des Starnberger Sees. Seine Münchner Malerfreunde, mit denen er regelmäßig zu tun hatte, schmückten das Haus innen und außen mit prachtvollen Gemälden, Fresken und Reliefen aus. Die Innengestaltung ist eher großbürgerlich. Terracotta-Reliefs (Anton Ganser) über den Türstöcken und das üppig gestaltete Treppenhaus mit wandfüllenden Gemälden sind für ein Privathaus einzigartig. Das Konzept für das Bildprogramm stammt vermutlich auch von Wilhelm von Kaulbach und knüpft an kunsthistorische Traditionen an. Als seine Frau Ottilie und sein jüngster Sohn Konrad 1854 an Cholera, die in Bayern 3000 Tote forderte, starben, ließ er für deren Seelenheil einen Kreuzweg von Leoni nach Aufkirchen errichten. Himbsel selbst starb am 27. April 1860 in München, wo sich im Alten Südlichen Friedhof sein Grab befindet. Die klassische Villa ist heute nach dem Schriftsteller Friedrich Wilhelm Hackländer benannt, der dort am 6. Juli 1877 starb. Sie gehört heute zum Seminarzentrum Haus Buchenried der Münchner Volkshochschule.

Werke: (Auswahl)

1827: Palastartiges Wohnhaus, Pacellistr. 16, Altstadt, München 

1827: Villa Hackländer, Assenbucher Str. 47, Berg am Starnberger See

1829: Schule Von-der-Tann-Straße 2, Schönfeldvorstadt, München

Schule am Fingergäßchen in München (nicht erhalten)

Schule an der Luisenstraße in München

Himbselhaus am Lenbachplatz in München (nicht erhalten)

Englisches Café in München (nicht erhalten)

1840: Eisenbahnlinie München – Augsburg

1842: Villa Himbsel, Assenbucher Str. 53,Berg am Starnberger See

 

1851: Mietshaus Amalienstr. 24, Maxvorstadt, München

1854: Eisenbahnlinie München – Starnberg

1857: Kreuzweg-Stationen am Starnberger See

Quellen: https://de.wikipedia.org/wiki/Ulrich_Himbsel https://de.wikipedia.org/wiki/Villa_Hackländer http://www.onetz.de/deutschland-und-die-welt-r/lokales/johann-ulrich-himbsel-ein-baumeister-aus-neukirchen-macht-die-buerger-muenchens-mobil-freie-bahn-an-den-starnberger-see-d1342544.html  https://stadt-muenchen.net/baudenkmal/d_architekt.php?architekt=Himbsel%20Johann%20Ulrich

Bildnachweis: Baurath Himbsel, Foto von Franz Seraph Hanfstaengl - http://stadtmuseum.bayerische-landesbibliothek-online.de/pnd/121175863/

Villa Hackländer in Leoni, einem Ortsteil von Berg im Landkreis Starnberg (Bayern/Deutschland), Haus Buchenried der Münchner Volkshochschule Dies ist ein Foto des bayerischen Baudenkmals mit der Akten-Nummer D-1-88-113-68, Foto von GFreihalter