Carl Hocheder: Münchner Barock und Jugendstil

Mit seinem eigenen Stil des Münchner Barock prägte Carl Hocheder das Münchner Stadtbild um die Wende des 19. Zum 20. Jahrhundert. Als seine Hauptwerke gelten das Müller´sche Volksbad, das ehemalige Verkehrsministerium und die Hauptfeuerwache. Bauwerke, die auch in ihrer Dimension beeindruckend sind.

 

Carl Hocheder wurde am 7. März 1854 als Sohn eines Beamten in Weiherhammer bei Weiden in der Oberpfalz begoren. Er studierte von 1874 bis 1878 Architektur an der Technischen Hochschule München. Dort war er von 1881 bis 1885 Assistent von Friedrich von Thiersch und beim Landesbauamt München, nachdem er zuvor bei der Eisenbahnsektion Landshut, der Generaldirektion der Verkehrsanstalten, tätig war. Bis 1885 war er Bauamtsassessor in Amberg und arbeitete danach von 1886 bis 1889 als Bauamtmann am Stadtbauamt München.

1898 wurde Carl Hocheder Nachfolger von Albert Geul ordentlicher Professur für Gebäudekunde an der Technischen Hochschule München. Eine Berufung als Stadtbaurat nach Frankfurt/M. schlug er 1903 aus.


Neben Theodor Fischer,  Gabriel von Seidl und Hans Grässel ist er einer der Architekten, die das Münchener Stadtbild um die Jahrhundertwende maßgeblich prägten. Sein Stil des „Münchener Barock“ wurde auch „Hocheder-Barock“ genannt und wurde von Hans Reisinger, einem seiner Schüler adaptiert.

„Seine architektonischen Vorstellungen verwirklichte Hocheder am deutlichsten mit dem Karl-Müllerschen Volksbad: eindeutige Funktionsverteilung im Grundriß und ausgewogene, auf den umschlossenen Freiraum und dessen natürliche Gestaltung bezogene Baumassen im Aufbau, wobei die Einzelbaukörper in Proportionierung, Plastizität, besonders aber unterschiedlicher Dachform differenziert sind. Jugendstileinflüsse beleben die im übrigen sparsame barocke Ornamentik. In seinem Haupt- und Spätwerk, dem Verkehrsministerium in München (heute Deutsche Bundesbahn und Alte Hopfenpost), zeigt Hocheder dagegen eine strengere Haltung. An wenigen, in freier Beziehung zueinander stehenden Achsen orientiert, ist der Bau hauptsächlich auf die monumentale Kuppel mit ovalem Grundriß und ihre Wirkung in die umschlossenen Freiräume hin konzipiert; die Ornamentik ist barockisierend.“ (Erwin Schleich: Karl Hocheder, 1972). Hocheder verstarb am 17. Januar 1917 in München.

Werke (Auswahl)

1889–1891: Schule an der Bergmannstraße, Westend, München, (Denkmäler SW, I, 115)

1890–1893: Stadtpfarrkirche St. Jakobus Major (der Ältere) in Mitterteich

1891: Rot-Kreuz-Spital an der Nymphenburgerstraße in München

1892–1894: Armenversorgungshaus St. Martin in Giesing

1894: Pfarrhof an der Giesinger Straße in München

1894–1895: Kirchenstraße 9 (Bezirksinspektion), Haidhausen, München

1894–1896: Schule an der Columbusstraße, München

1895: Turbinenhaus an der Maximiliansbrücke, München

1895–1898: Erweiterung des Muffatwerks in München

1896: Mietshäuser Isartorplatz 4, 5

1897–1899: Schule an der Stielerstraße in München

1897–1901: Müller´sche Volksbad, München

1899: Elektrische Unterstation (jetzt: Chirurg. Klinik), Schillerstr. 53

1899 - 1901: Marianum, Humboldtstr. 2, Untergiesing, München

1902–1904: Hauptfeuerwache in der Blumenstraße in München

1903–1904: evangelisch-lutherische Himmerlfahrtskirche in Pasing

1904–1906: Badeanstalt in Hermannstadt, (Siebenbürgen), Rumänien

1905: Aufbau Maximilianbrücke

1905–1916: Verkehrsministerium (heute: Alte Hopfenpost), Marsfeld, München 

1907: Rathaus in Bozen

1907–1909: Schloss Hirschberg am Haarsee bei Weilheim

1907–1910: Badeanstalt in Bankja in Sofia, Bulgarien)

1910–1913: Schloss Neuegling in Murnau-Neuegling

 

Fotografien: von oben nach untern – Müller´sche Volksbad – Ulrich Lohrer, Carl Hocheder um 1900, unbekannter Fotograf