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Internationaler Hochhaus-Preis: Skyscraper in Mexiko gewinnt

Der Büroturm ‘Torre Reforma‘ in Mexiko-Stadt von L. Benjamín Romano gewinnt den mit 50.000 Euro dotierten Wettbewerb um das weltweit innovativste Hochhaus. Der Architekt L. Benjamín Romano nahm die Preisstatuette und das Preisgeld im Rahmen des Festaktes in der Frankfurter Paulskirche entgegen.

 

Entgegen dem weltweit andauernden Trend hin zum Wohnturm sowie zu immer größeren mischgenutzten Projekten in Asien ist der diesjährige Preisträger Torre Reforma von L. Benjamín Romano größtenteils ein Bürogebäude mit zusätzlichem Restaurant und Fitnesscenter. Dabei ist allerdings nur die Art der Nutzung konventionell. Die in Mexiko-Stadt herrschende Erdbebenproblematik erfordert ein kluges Tragwerkskonzept, das dem 246 Meter hohen Büroturm sein signifikantes Erscheinungsbild verleiht – und Mexikos Hauptstadt damit auf die Weltkarte wegweisender Hochhausarchitektur setzt.

 

Sieger: Torre Reforma, Mexiko-Stadt

Architekten: L. Benjamín Romano, Mexiko- Stadt/Mexiko
Bauherr: Fondo Hexa, SA de CV
Funktion: Büros
Höhe: 246 m
Fertigstellung: November 2016
Standort: Mexiko-Stadt/Mexiko

Inmitten des Erdbeben-Risikogebiets Mexiko-Stadt hat die charakteristische Fassade des Torre Reforma mehr als nur ästhetische Gründe. Die zwei massiven Sichtbeton-Außenwände mit der dritten, gläsernen Seite kreieren nicht nur einen äußerst ungewöhnlichen dreieckigen Grundriss, sondern sorgen auch für höchste Erdbebensicherheit. Als solides Fundament reichen die Betonwände 60 Meter unter die Erde. Außerdem kann sich das Gebäude im Falle eines Erdbebens mitbewegen, weil große Öffnungen als „Knautschzonen“ aus den massiven Wänden ausgespart sind, und die Stahlstreben, die die Geschosse tragen, vor der Glasfassade in beweglichen Gelenken zusammenlaufen. Während des schweren Erdbebens im September 2017 hat sich dieses Konzept bereits als wirkungsvoll erwiesen.
Ab einer Höhe von 200 Metern knickt eine der beiden Betonwände auffällig nach innen ab. Grund dafür sind die Bauvorschriften der Stadt. Die Hochhäuser am Paseo de la Reforma dürfen maximal doppelt so hoch sein, wie die Straße breit ist. Darüber ist ein Rücksprung oder eine Verjüngung vorgegeben. Durch den kreativen Umgang mit dieser Vorschrift ändert sich je nach Blickwinkel nicht nur die Materialität des Gebäudes, sondern auch seine skulpturale Form.
Die verglaste Seite des Turms öffnet sich in ihrer gesamten Breite zum Stadtpark Bosque de Chapultepec. Um zusätzliche Nutzfläche zu schaffen, sprengen die Geschosse hier das enge Korsett des Dreiecks. Die scheinbar ebene Fassade bildet nach vorne eine beinahe nicht wahrnehmbare vierte Ecke aus.

 

Finalist: MahaNakhon, Bangkok, Thailand

Architekten: Büro Ole Scheeren, Bangkok/Thailand;
OMA Office for Metropolitan Architecture, Peking/China
Bauherr: PACE Development Corporation PLC
Funktion: Mischnutzung aus Wohnen, Hotel, Einzelhandel und Restaurants
Höhe: 314 m
Fertigstellung: August 2016
Standort: Bangkok/Thailand

Das Projekt MahaNakhon im zentralen Geschäftsviertel Bangkoks steht mit seinem Namen (auf Deutsch: „große Metropole“), seiner Höhe von 314 Metern als nunmehr höchstes Gebäude Thailands, sowie seiner charakteristischen Pixelfassade stellvertretend für den wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt.
Das Pixelband, das sich wie eine Schlange um den Turm windet, löst die ansonsten bewusst klassische Form des Stahl-und-Glas-Quaders spektakulär auf. Die derart aufgebrochene Fassade erzeugt Terrassen, Balkone und skyboxes genannte freischwebende Räume. Alle bieten einzigartige Ausblicke über die Stadt. Genießen können sie die Gäste des Hotels in den unteren Geschossen sowie die Bewohner der hochklassigen Apartments darüber.

 

Bekrönt wird der Turm von einer öffentlichen Aussichtsplattform mit Rundumblick sowie einem Restaurant von doppelter Raumhöhe mit einer Bar unter freiem Himmel.
Der Fuß des Turms mit Hotel-Lobby sowie Restaurants und gehobenen Einkaufsmöglichkeiten ist als mehrgeschossige, reichlich begrünte Terrassenlandschaft gestaltet. Sie greift das Pixelmotiv auf, erweitert es in die Breite und schafft so einen Übergang zum davor liegenden Platz.
Nachdem Ole Scheeren die Planung von MahaNakhon zunächst noch in seiner Funktion als Partner des Office for Metropolitan Architecture (OMA) begonnen hatte, gründete er im Jahr 2010 sein eigenes Büro und übernahm das Projekt. Im Zuge der weiteren Arbeit an MahaNakhon eröffnete er Ende 2015 auch eine Niederlassung in Bangkok.

 

Finalist: Beirut Terraces, Beirut

Architekten: Herzog & de Meuron, Basel/Schweiz
Bauherr: DIB Tower SAL; Benchmark Development SAL
Funktion: Wohnen
Höhe: 119 m
Fertigstellung: Juni 2016
Standort: Beirut/Libanon

 

Das Quartier rund um Beiruts Yachthafen ist noch immer schwer vom libanesischen Bürgerkrieg (1975–1990) und den israelischen Luftangriffen von 2006 gezeichnet. Aktuell wird das Wohnviertel neu gestaltet. Bestandteil dieses Masterplans ist der spektakuläre Wohnturm Beirut Terraces mit seinen übereinander geschichteten und zueinander verschobenen Betonscheiben. Das Gebäude hebt sich mit seiner weißen Farbe und dynamischen Form deutlich von den grauen Hochhäusern der Umgebung ab.
Beirut Terraces umfasst 130 Wohnungen mit einer Größe von 200 bis 1.000 Quadratmetern, die alle über zusätzlichen Außenraum verfügen. Die Stapelung von fünf Typen modularer Bodenplatten erzeugt die charakteristischen Vor- und Rücksprünge.

Innen- und Außenraum verschmelzen zu einer Einheit durch die umlaufende, raumhohe Verglasung sowie die durchgängige Farbigkeit der weißen Beton- und Marmor-Oberflächen. Neben den Ausblicken auf das Meer sorgen die Fensterbänder dafür, dass viel Tageslicht in die Wohnräume fällt, während die mindestens 60 Zentimeter tiefen Überstände vor direkter Sonneneinstrahlung schützen. Verschieden große Pflanzkästen begrünen die Balkone und erzeugen Privatsphäre zu den angrenzenden Wohnungen. So reagiert der Entwurf auf das gemäßigte Klima und kultiviert das für Beirut typische Leben im Freien.

 

 

Finalist: Chaoyang Park Plaza, Peking

Architekten: MAD Architects, Peking/China
Bauherr: Smart-hero (HK) Investment Development Ltd
Funktion: Mischnutzung aus Büros, Einzelhandel und Wohnen
Höhe: 142 m
Fertigstellung: August 2017
Standort: Peking/China

Am Rand des größten noch verbliebenen Parks in Pekings Finanzdistrikt verteilen sich die zehn Gebäude des Chaoyang Park Plaza auf einer Fläche von über 30.000 Quadratmetern. Ihre Anordnung auf dem Gelände erscheint eher zufällig, beinahe wie Felsbrocken in der Natur. Die beiden asymmetrischen Bürotürme ragen am Ufer eines Sees empor wie zwei Berggipfel aus dem Wasser. Gemeinsam mit den niedrigeren Wohn- und Geschäftsgebäuden definieren sie fließende, mit Pinien und Bambus bepflanzte Zwischenräume. Das Grün und die Wasserflächen des angrenzenden Parks setzen sich so in den Komplex fort.
Bei dem Projekt ließen sich MAD Architects von den atmosphärischen Landschaftsbildern der traditionellen Shanshui-Malerei (shan & shui = Berg & Wasser) inspirieren. Sie sind meist nur mit schwarzer Tusche gezeichnet und stehen für das ursprüngliche, traditionelle China. Charakteristisch sind sich schlängelnde, unregelmäßige Linien, die ähnlich einer topografischen Karte die Konturen des chinesischen Hochlandes wiedergeben – eine Formensprache, die die amorphen Baukörper aus dunklem Glas bewusst aufnehmen. Das Ensemble hebt sich so nicht nur optisch deutlich von seiner Umgebung ab, sondern verkörpert zugleich eine Rückkehr zum chinesischen Sinn für das Organische. Auf diese Weise kritisiert Bürochef Ma Yansong nicht nur die aktuelle Stadtentwicklung Pekings, sondern er will mit seinen Bauten auch die Entwicklung einer eigenen, zeitgenössischen chinesischen Architektursprache anregen.

 

Finalist: Oasia Hotel Downtown, Singapur

Architekten: WOHA, Singapur
Bauherr: Far East SOHO Pte Ltd
Funktion: Hotel und Büros
Höhe: 199 m
Fertigstellung: April 2016
Standort: Singapur

Mit ihrem innovativen Einsatz von Grün- und Freiflächen haben WOHA im Laufe der vergangenen Jahre einen neuen Typus des tropischen Hochhauses definiert, der trotz aller Naturnähe keinen Hehl aus seiner Maschinenästhetik machte. Dafür wurden sie bereits 2010 mit dem Internationalen Hochhaus Preis für „The Met“ in Bangkok ausgezeichnet. Mit den kräftigen Farben ihres Hotel- und Büroturms Oasia schlagen sie nun gestalterisch einen neuen Weg ein.

Die rote Fassade besteht aus dünnen, perforierten Aluminiumpaneelen, über die sich Kletterpflanzen ausbreiten. Zurückhaltend bleibt das Grün vor den Fensterreihen, wo die Paneele nur lückenhaft eingesetzt sind; wuchern darf es an den geschlossenen vier Ecken, da sich dort je ein Versorgungskern befindet. Dieses Konstruktionsprinzip macht einen zentral gelegenen Kern überflüssig und ermöglicht die drei sky gardens auf der gesamten Fläche je eines Geschosses und mit freiem Blick in alle vier Himmelsrichtungen. Sie gliedern das Gebäude in drei Cluster und erstrecken sich als Atrien jeweils über deren volle Höhe. Dabei belegen die Büros oder Hotelzimmer immer nur eine L-Form auf der quadratischen Grundfläche des Gebäudes. Die mehr als 40 Prozent Freiraumanteil am Gesamtvolumen des Gebäudes ermöglichen eine natürliche Belüftung und Beleuchtung der doppelreihig angeordneten Büros und Hotelzimmer, die sich entweder nach außen oder zu einem Atrium öffnen. Inmitten des dicht bebauten Stadtzentrums von Singapur schafft das Oasia Hotel Downtown auf diese Weise ein, wie WOHA es nennen, „biophiles Umfeld“.

 

Ausstellung: Best High-Rises 2018/19 

Internationaler Hochhaus Preis 2018

Zeit: 3. November 2018 bis 3. März 2019
Ort: Deutsches Architekturmuseum
Schaumainkai 43
60596 Frankfurt am Main

 

Preisträger der Vorjahre

Internationaler Hochhauspreis 2016

Internationaler Hochhauspreis 2014

Internationaler Hochhauspreis 2012

 

Bildnachweis (von oben nach unten):  Torre Reforma, Mexiko-Stadt, Foto: Moriz Bernoully; Büro Ole Scheeren und OMA Office for Metropolitan Architecture: MahaNakhon, Bangkok, Thailand Photo: Hufton + Crow ; Herzog & de Meuron: Beirut Terraces, Beirut, Lebanon Photo: Iwan Baan; MAD Architects: Chaoyang Park Plaza, Beijing, China Photo: Hufton + Crow; WOHA: Oasia Hotel Downtown, Singapore Photo: Patrick Bingham-Hall