Hochhauspreis: Ausgezeichnete Hochstapler

Das Finale um den Internationalen Hochhaus Preis (IHP) 2020 ist entschieden: Die Doppeltürme ‘Norra Tornen‘ in Stockholm/Schweden von Office for Metropolitan Architecture (OMA) aus Rotterdam gewinnen den Wettbewerb um das weltweit innovativste Hochhaus. 

 

Der Preis ist mit 50.000 Euro und einer Statuette des international renommierten Künstlers Thomas Demand dotiert. 

Aufgrund der Corona-bedingten Beschränkungen konnten der Architekt Reinier de Graaf, Partner bei OMA, und der Bauherr Oscar Engelbert von Oscar Properties aus Stockholm den Preis nicht persönlich in der Frankfurter Paulskirche entgegennehmen. In einem digitalen Festakt überreichten Dr. Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main, Dr. Matthias Danne, Stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der DekaBank, und Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums (DAM), Statuette und Scheck deshalb symbolisch. 

Das Gewinnergebäude Norra Tornen, (zu Deutsch „nördliche Türme“) überzeugte die Jury durch eine zeitlos-wegweisende Architektur. Die Kombination aus qualitativ hochwertigen Betonfertigteilelementen, ihre geschickte Fügung zu individuellen Loggien und der Kontrast zu den feinen Details der Innenräume zeichnen das Hochhaus aus. Darüber hinaus leistet Norra Tornen mit seinem Erscheinungsbild einen wichtigen Beitrag zu einem stimmigen Stadtgefüge. Die Doppeltürme seien zudem Ausdruck einer gleichwertigen Gesellschaft, womit sie nicht nur ein Charakteristikum der schwedischen Kultur, sondern auch eine universelle Botschaft vermitteln.

Norra Tornen stehen in Stockholm am Übergang von Vasastaden, einem Wohnviertel mit Bebauung überwiegend aus den 1930er Jahren, zum gerade neu entstehenden Stadtteil Hagastaden links und rechts der Ausfallstraße Torsgatan und können als neues Symbol der Stadt Stockholm für dieses Erweiterungsviertel betrachtet werden. 

Aus Sicht von DAM Direktor Peter Cachola Schmal bilden die Norra Tornen eine neue, städtebaulich prägende Torsituation, die durch ihre skulpturale Wirkung besticht. Sie repräsentieren eine zeitgemäße und zukunftsfähige Vision für die Stadt und nehmen ein bekanntes stadtgestalterisches Motiv in Stockholm auf. Doppeltürme wurden in der schwedischen Hauptstadt bereits in der Vergangenheit als symbolische Tore eingesetzt. Gleichzeitig vermögen die Türme auch die bestehende bauliche Struktur Stockholms in ihrer Farbigkeit und anwachsenden Figur aufzunehmen. 

 Die vorgefertigten Fassadenelemente erlaubten es, die Baustelle auch bei unter 5 Grad Celsius fortzuführen. Außerdem sparte die Vorfertigung erheblich Zeit – ein Stockwerk wurde pro Woche fertiggestellt – und Kosten, was die differenzierte Fassadenbehandlung und bewegte Oberfläche mit den zahlreichen Rück- und Vorsprüngen wirtschaftlich gesehen überhaupt erst möglich machte. 

Als Finalisten wählte die Jury fünf Gebäude, drei aus Europa und zwei aus Asien, aus insgesamt 31 nominierten Hochhäusern aus 14 Ländern ausgewählt. 

Die Finalisten 2020 sind:
Omniturm  (Frankfurt am Main / Deutschland) von BIG – Bjarke Ingels Group, Kopenhagen / Dänemark, New York / USA 

Eden (Singapur) von Heatherwick Studio, London / Großbritannien 

Norra Tornen - auch Sieger (Stockholm / Schweden) von OMA Office for Metropolitan Architecture, Rotterdam / Niederlande 

The Stratford (London / Großbritannien) von Skidmore, Owings & Merrill, London / Großbritannien 

Leeza SOHO (Peking / China) von Zaha Hadid Architects, London / Großbritannien 

Quelle: Pressemeldung der Stadt Frankfurt am Main, DekaBank und Deutsches Architekturmuseum (DAM) vom vom 29. Oktober 2020

Bildnachweise: OMA Office for Metropolitan Architecture, Rotterdam / Niederlande: Norra Tornen, Stockholm / Schweden – Foto oben: Foto: Laurian Ghinitou; Foto klein:  Anders Bobert