Toyo Ito: Silberne Hütten und die Kleider der Architektur

Der Japaner Toyo Ito hat sich schon früh einen Namen als konzeptioneller Architekt gemacht, der physische und virtuelle Welt ineinander verschmelzen lässt. Nun feierte der Pritzker-Preisträger des Jahres 2013 seinen 75. Geburtstag.

 

Toyo Ito wurde am 1. Juni 1941 im von Japan annektierten Korea im damaligen Keijo – dem heutigen Seoul – geboren. Sein Vater war ein Geschäftsmann, der sich für koreanische Keramik aus der Yi Dynastie und für japanische Malerei interessierte. Wie andere später berühmte Architekten (Tadao Ando – Boxen, Shigeru Ban – Rugby) beschäftigte er sich zunächst mit Sport. Zunächst fand Toyo Ito Baseball spannender als Architektur. Heute spielt er zudem begeistert Golf. Erst an der Universität in Tokio, wo er an der Architekturfakultät 1965 sein Diplom ablegte, erwachte die Leidenschaft für das Bauen.

Frühe Werke in Japan

Er arbeitete zunächst mit Itsuko Hasegawa von 1965 bis 1969 im Architektenbüro von Kiyonori Kikutake, dem von Kenz┼Ź Tange protegierten führenden Vertreter der Metabolisten. 1971 gründete er sein eigenes Büro unter dem Namen „Urban Robot“ in Tokio, das er 1979 in „Toyo Ito & Associates, Architects“ umbenannte.

Ito baute zunächst überwiegend Wohnhäuser. So das 1971 im Tokioer Vorort erbaute Aluminium Haus und das 1976 erbaute und 1997 wieder abgerissene „White U“ (oben rechts) für seine Schwester. 1994 errichtete er sein einziges in Deutschland realisiertes Werk, die Kindertagesstätte 177 in Frankfurt am Main, auch KiTa Eckenheimer Erdhügel genannt.

Konzeptioneller Architekt

Ito machte sich aber bald einen Namen als konzeptioneller Architekt, der physische und virtuelle Welt ineinander verschmelzen lässt. Die Werke Itos sind durch den japanischen Soziologen Munesuke Mita und das Konzept des Nomaden von Gilles Deleuzes beeinflusst. Er spricht mit seinen Werken Fragen der zeitgenössischen Vorstellung eines „simulierten“ Ortes an. Mit dem Projekt Pao for the Tokyo Nomad Girl von 1985 entwarf Ito eine Vision des modernen, urbanen Nomaden. Tower of Winds in Yokohama von 1986 und Winds of Egg in Tokio (siehe Bild links) von 1991 sind interaktive Grenzsteine im öffentlichen Raum, die eine kreative Auseinandersetzung mit den technischen Möglichkeiten der Zukunft leisten sollen.

Ito hat durch seine Projekte mit kleinen Häusern Architektur definiert als: „Kleid“ für Individuen im städtischen Leben, besonders im Leben japanischer Metropolen. Dies zeigt sich beispielsweise an der Fassade des Mikimoto Ginza Building in Tokios Einkaufsmeile Ginza2, aber auch am Hotel Porta Fira, in Barcelona. Die neuesten Werke bedienen sich bei Werken der Postmoderne. Sie erforschen energisch das neue Potential der Formensprache.

Durchbruch mit Sendai Mediatheque

Zu seinen wichtigsten Werken zählt Ito die 2001 in der japanischen Stadt Sendai fertiggestellte Mediatheque (siehe Bild links). Die erdbebensicher gebaute Bibliothek und Kunstgalerie ist von schrägen Zylindern durchzogen, die das schwere Erdbeben von 2011 schadlos überstanden. Das Gebäude brachte Ito internationale Anerkennung und führte auch zu Aufträgen im Ausland.

Von ihm stammt auch das Stadion in Kaohsiung für die World Games 2009 in Taiwan (siehe Bild unten links). In Europa war er beispielsweise 2002 mit einem Pavillion der Serpentine Pavilion Gallery in London’s Hyde Park vertreten. Weitere bekannte Bauten sind die VivoCity (2003 – 2006), mit 140.000 Quadratmetern das größte Einkaufszentrum von Singapur, die Meiso no Mori Municipal Begräbnishalle Kakamigahara-shi, Gifu in Japan (2004 bis 2006, Bild links) und sein eigenes Museum, das zwischen 2006-2011 errichtete Toyo Ito Museum of Architecture Imabari-shi, Ehime, Japan.

Förderer junger Talente und berühmte ehemalige Mitarbeiter

Toyo Ito fördert in Japan junge, talentierte Architekten. Mit seiner Architektur hat er viele junge Kollegen beeinflusst: Kazuyo Sejima, die von 1981–1987 bei ihm im Büro gearbeitet hat und später mit Ryue Nishizawa (SANAA) mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet wurde, ebenso wie Akihisa Hirata oder Sou Fujimoto.

Auszeichnungen

2006 erhielt Toyo Ito vom Royal Institute of British Architects 2006 die RIBA-Goldmedaille, 2010 folgte der Praemium Imperiale, 2012 auf der 13. Architekturbiennale den Goldenen Löwen und 2013 schließlich den Pritzker-Preis.

 

Werke (Auswahl)

1976: Weißes U Haus

1984: Silberne Hütte

1986: Tower of Winds, Yokohama, Japan

1991: Winds of Egg, Tokio, Japan

1991: Städtisches Museum Yatsushiro

1994: Kindertagesstätte 117 „KiTa Eckenheimer Erdhügel“, Eckenheim, Frankfurt am Main

1994: Nagaoka Lyric Hall, Nagaocka, Japan

2001: Sendai Mediatheque

2002: Pavillon Serpentine Gallery, Hyde Park, London

2002: Brugge Pavilion

2004: TOD’s Omotesando Building

2005: Mikimoto-Bau, Ginza2, Tokio, Japan

2005: Ito-toren (Ito Tower), Amsterdam

2006: VivoCity, Singapur

2006: Bibliothek der Kunsthochschule Tama, Japan

2008: Villa für das Projekt Ochoalcubo, Chile

2009: Nationalstadion on Kaohsiung, Taiwan

2009 – Suites Avenue Building, Barcelona, Spanien

2009: Torre Realia BCN und Hotel Porta Fira, Barcelona, Spanien

2009: Za-Koenji Public Theater, Tokio, Japan

2011: Ken Iwata Mutter und Kind Museum, Imabari, Ehime, Japan

2011: Toyo Ito Architekturmuseum, Imabari, Ehime, Japan

2014: National Taichng Museum, Taiwan

2016: Barroco Museo Internacional, Puebla, Mexico

 

Bildnachweis: Toyo Ito 2009, Foto: https://www.flickr.com/photos/sumikaproject/3451161130/; Toyo Ito Museum of Architecture in Imabari, Ehime pref., Japan. Kenta Mabuchi