Hermann Kaufmann: Der Holzbaupapst aus dem Bregenzerwald

Der Vorarlberger Architekt und Hochschullehrer Hermann Kaufmann gilt international als einer führenden Protagonisten des Holzbaus. Obwohl seine Haltung als Architekt geprägt von den Ideen der klassischen Moderne, ist er tief in der Tradition des Holzhandwerks seiner Heimat verwurzelt.

 

Hermann Kaufmann (Bild links) wurde am 11. Juni 1955 in Reuthe im Bregenzerwald des der österreichischen Bundesland Vorarlberg geboren. Er ist Sohn eines Zimmermann. Im Bregenzerwald nimmt das Holzhandwerk einen hohen Stellenrang ein und weist über eine lange Tradition mit dem Bau der Wäldlerhäuser auf (siehe Foto links unten, Dorfplatz Schwarzenberg im Bregenzerwald).

Zunächst absolvierte Kaufmann eine allgemeinbildende höhere Schule in Bregenz. Die Entscheidung Architektur zu studieren wurde auch beeinflusst von seinem Onkel Leopold Kaufmann, einem Vorreiter im Holzbau und Protagonisten der Vorarlberger Architekturentwicklung, bei dem er als Praktikant das Handwerkszeug des Architektenberufes erlernte. Nach der Matura studierte er zunächst von 1975 bis 1978 Architektur an der Technischen Hochschule Innsbruck und danach an der Technischen Universität Wien, wo er schließlich den Abschluss als Diplom-Ingenieur erwarb.

Ab 1981 arbeitete Kaufmann zunächst zwei Jahre lang im Architekturbüro von Professor Ernst Hiesmayr in Wien mit, der sich intensiv mit der traditionellen Architektur in Vorarlberg beschäftigt hatte und dessen Umsetzung viele Vorarlberger Architekten.

Architekturbüro Hermann Kaufmann in Schwarzach

Seit 1983 unterhält Hermann Kaufmann ein eigenes Architekturbüro in Schwarzach bei Dornbirn, das er zunächst als Einzelunternehmen in Bürogemeinschaft mit Christian Lenz gründete und seit 2002 in Form einer ZT GmbH führt. Das Büro mit rund 20 Mitarbeiter leitet  Roland Wehinger. Seit der Gründung wurden zahlreiche Bauten die aus der intensiven Auseinandersetzung mit dem Baustoff Holz geprägt sind, vorwiegend in Vorarlberg realisiert. Zudem spielt für Kaufmann das Bauen im Bestand sowie der zeitgemäße Umbau unter Wahrung des traditionellen Baubestandes eine wichtige Rolle (siehe unten, Umbau Gasthaus Adler in Schwarzenberg). 

„Zwei große Themen fordern uns heraus: Nachhaltiges Bauen im weitesten Sinn und der moderne Holzbau. Aufgrund unserer intensiven und langjährigen Erfahrung mit dem Baustoff Holz sind wir in der Lage Grenzen zu sprengen. Die Vorteile von Holz, mit seinem ökologischen Potenzial, überzeugen. Der heimische Baustoff birgt die Chance auf einen alternativen und zukunftsorientierten Bauprozess und soll als Alternative zu herkömmlichen Materialien in unsere Lebens- und Arbeitswelten zurückgeholt werden.

Nachhaltiges Bauen bedeutet mehr als die inzwischen selbstverständlichen Niedrigstenergie- und Passivhauskonzepte. Nachhaltigkeit heißt für uns: Aspekte der Baukultur, Qualität, des Lebenszyklus und ökologische Materialien zu berücksichtigen. Mit intelligenten Konzeptionen von baulicher Struktur und Konstruktionen wollen wir auch spätere Nutzungsänderungen oder Weiterbaumöglichkeiten mitdenken.“ Hermann Kaufmann ZT GmbH.

Projekte vorwiegen in Deutschland, aber auch in Deutschland, werden auch in Zusammenarbeit mit anderen Architekturbüros, wie etwa aicher kazzer architekten, Bernardo Bader oder Florian Nagler Architekten, die zum Teil von ehemaligen Mitarbeitern Kaufmanns gegründet wurden, errichtet.

Lehre und Forschung

1995 wurde Kaufmann erstmals in der Lehre tätig, als er zum Dozententen für Holzbau an der Liechtensteinischen Ingenieurschule (heute: Universität Liechtenstein) bestellt wurde. 1998 erhielt er eine Gastprofessur an der Technischen Universität Graz, im Sommersemester 2000 eine solche an der Universität Ljubljana. Seit April 2002 ist Hermann Kaufmann ordentlicher Universitätsprofessor für Holzbau am Institut für Entwerfen und Holzbau der Technischen Universität München (TUM).

Hermann Kaufmann beschäftigt sich intensiv mit der Weiterentwicklung des Bauprozesses, im Speziellen innovative Holzbausysteme mit möglichst hohem Vorfertigungsgrad. Ein bereits abgeschlossenes Forschungsprojekt untersuchte die Entwicklung eines baureifen, flexiblen Holzfertigteil- Baukastensystem zur Errichtung energieeffizienter Bürohochhäuser, mit bis zu 20 Geschossen (LifeCycle Tower). Dabei arbeitet er bei der Realisierung mit der Vorarlberger Rhomberg-Gruppe zusammen (siehe Bild links LCT One).

Aktuelle Projekte beschäftigen sich mit pädagogischen Zielsetzung etwa im Zusammenhang der Konzeption eines mitwachsenden Werkstättengebäudes für eine Werkstätte für behinderte Menschen in Holzbauweise mit optimierter Energieeffizienz“ in Landsberg.

 

 

 

Werke (Auswahl)

1986: Allgäuer Küchen, Klaus, Österreich

1987: Gemeindesaal Klaus, Österreich

1988: Haus K., Reuthe, Österreich

1989: Gemeindesaal Hittisau, Österreich

1990: Gemeinschaftsgebäude Bizau, Österreich

1990: Volksschule Dafins, Zwischenwasser, Österreich

1990: Kaufmann Holzbauwerk, Wolfurt, Österreich

1991: Umbau Gasthof Adler, Schwarzenberg, Österreich

1993: Bildungshaus Sankt Arbogast, Götzis, Österreich

1993: Haus Berchtold, Ludmannsdorf, Österreich

1995: Ausstallungshalle Murau, Österreich

1995: Totenkapelle Reuthe, Österreich

1995: Friedhofskapelle Bizau, Österreich

1996: Erweiterungsbau Hotel Widderstein, Schröcken, Österreich

1997: Gymnasium Kloster Mehrerau, Bregenz, Österreich

1997: Wohnanlage Ölzbündt, Dornbirn

1997: Reithalle Sankt Gerau, Österreich

1997: Sonnenkopfbahn, Klösterle, Österreich

1998: Bürobau Sportplatzweg, Schwarzach, Österreich

2000: Einfamilienhaus Kopf, Au, Österreich

2000: Impulszentrum Egg, Österreich

2001: Siedlung Neudorfstraße, Wolfurt, Österreich

2001: Zimmerei Dobler-Bau, Röthis, Österreich

2002: Sutterlüty Markt, Langen bei Bregenz, Österreich

2003: Inatura Erlebnis Naturschau, Dornbirn, Österreich

2005: Gemeindezentrum Ludesch, Österreich

2007: Olpererhütte Ginzling des DAV, Österreich

2010: Hotel Bellevue, St. Gervais, Frankreich

2010: Hotel Hubertus (mit aichner kazzer architekten), Balderschwang

2010: Ingeborg-Ortner-Kinderhaus (Kooperation aichner kazzer architekten), Garching

2010: TUM Exzellenzzentrum Garching (Kooperation aichner kazzer architekten), Garching

2011: Brücke Wetzlar

2011: Bushaltestelle Krumbach (mit Bernardo Bader), Krumbach, Österreich

2012: Sanierung GWG-Wohnanlage Fernpassstraße, München

2012: Wettbewerb City of Wood (mit Matteo Thun), Bad Aibling

2013: IWL Landsberg Behindertenwerkstätte, Landsberg am Lech

2013: IZM – Illerwerke Zentrum Montafon Vandans, Österreich

2014: LCT One, Dornbirn. Östereich

2014: Biomasseheizwerk St. Christoph am Arlberg, Österreich

2015: Siedlung Heimat Österreich, Liefering, Salzburg, Österreich

2015: Propstei St. Gerold, Österreich

2015: Schmuttertal-Gymnasium (mit Florian Nagler Architekten), Diedorf bei Augsburg

2016: Umbau Naturhotel Chalet, Hirschegg, Österreich

 

Bücher (Auswahl)

Florian Aicher, Hermann Kaufmann (Hrsg.): Belebte Substanz – Umgebaute Bauernhäuser im Bregenzerwald, 2015

Otto Kapfinger: Hermann Kaufmann Wood Works, 2013

Hermann Kaufmann - Spirit of Nature, Wood Architecture Award 2010, 2012

Machtild Kaufmann, Martin Kühfuss, Mirjana Grdanjski: Bauen mit Holz – Wege in die Zukunft, 2012

Quellen: http://www.hermann-kaufmann.at/   https://deu.archinform.net/arch/31258.htm#   https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Kaufmann https://www.ar.tum.de/aktuell/news-singleview/article/hermann-kaufmann-zum-60-geburtstag/ 

 http://www.creebyrhomberg.com 

http://www.bauenmitholz.berlin/

 

 

Bildnachweis von oben nach unten: neue Olpererhütte im Juli 2008, Foto: böhringer friedrich; Hermann Kaufmann in Rennes, März 2010, Foto: Pymouss; Dorfplatz Schwarzenberg; Gasthaus Adler, Schwarzenberg, Foto: Adolf Bereuter; LifeCycle Tower One (LCT One) http://www.creebyrhomberg.com/projekte/