Christian Kessler: Der Generalplaner der Gautinger Villenkolonie

Der Architekt Christian Kessler ist einer der Väter der ab 1902 entstandenen Villenkolonie Gauting. Obwohl die Pläne sehr viele Villen seine Unterschrift tragen, ist unklar, wie viel er davon selbst entworfen hat.

 

Am 29. April 1902 wurde von den Investoren Ludwig Böhm, Hugo Graf von Pestalozza, Gustav Metz, die Gebrüder Metz und Georg Hiltl die „Gautinger Immobiliengesellschaft“ gegründet. Sie sollte oberhalb des kleinen Bauerndorf Gauting am Bahnhof eine Villenkolonie mit vorwiegend Ferien- und Wochenendhäuschen entwickeln. Prokurist wurde der Bankier Albert Model. „Für die technische Leitung der Gesellschaft und die Abwicklung von Planung und Verkauf hatte man den Architekten Christian Kessler unter Vertrag genommen.“

Wahrscheinlich nahm bei der Ausarbeitung des Baulinienplans August Exter, ein Freund des Aktionärs Ludwig Böhm und Gründer Villenkolonien Pasing I und II neben Kessler maßgeblichen Einfluss auf die Planung. Die geschwungene Linienführung war wohl auch von den Planungsgrundsätzen Theodor Fischers und Camillos Sitte einer malerischen Gestaltung geprägt. Unterschrieben hat als technischer Leiter des Gautinger Büros die Baulinienentwürfe jeweils Christian Kessler.

Als angestellter Architekt der Gautinger Immobiliengesellschaft war Kessler wohl auch bei der Gestaltung etlicher Musterhäuser für die Villenkolonie beteiligt. Laut Gerhard Schrober, dem Verfasser des Standardwerkes zur Villenkolonie Gauting, ist jedoch auch dabei nicht geklärt, welche Entwürfe auf Christian Kessler oder einem anderen Mitarbeiter der Gautinger Immobiliengesellschaft, Emil Ludwig, zurückzuführen ist.

Kesslers bekanntestes und größtes Werk im neuen Quartier entstand jedoch im Jahr 1911 relativ spät: Das Gasthaus „Zum Bären“ an der Nordseite des Pippinplatzes.  Mit der Errichtung des lange geforderten Wirtshauses wurde ein wesentlicher Infrastruktur-Baustein der Villenkolonie sichergestellt. Das Gasthaus wurde zur Anlaufstelle der Ausflügler und der Villenkolonisten und stellte mit Fassbier und Frischfleisch mit der angeschlossenen Metzgerei die Versorgung sicher. Es ist bis heute der Mittelpunkt der Kolonie geblieben.

Werke (Auswahl)

1903: Villa Unterbrunner Straße 12 ((oder Emil Ludwig), Gauting

1903: Haus Ammerseestraße 92 (abgerissen), Gauting

1905: Haus Gisilastraße 4 (oder Emil Ludwig), Gauting

1905: Haus Gisilastraße 8 (oder Emil Ludwig), Gauting

1906: Haus Gisilastraße 6 (oder Emil Ludwig), Gauting

1908: Haus Unterbrunner Straße 14 (abgerissen), Gauting

1909: Haus Gartenpromenade 94, Gauting

1909: Villa  von Reichert, Germeringer Straße 2 (wahrscheinlich Kessler), Gauting

1911: Gasthaus zum Bären, Pippinstraße 1, Gauting

Quellen: Gerhard Schober: Die Gautinger Villenkolonie, 2015

Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Baudenkmäler Gauting