Kloster Fürstenfeld: Ein Kirchenbau zur Sühne

Das Kloster Fürstenfeld, mit einen „der großartigsten Kirchenbauten Oberbayerns“ (Dehio), verdankt seine Entstehung einem tragischen Irrtum. Heute ist der spätbarocke Baukomplex von Giovanni Antonio Viscardi die Hauptattraktion der Stadt Fürstenfeldbruck..

 

Als der Bote von Maria von Brabant zwei Briefe der Gemahlin des Herzogs Ludwig II. dem Strengen verwechselte, kostete dies der Herzogin ihr Leben. Der Brief des Gemahls gelangte an den Wildgraf Heinrich von Kyrburg, der Brief an den Grafen bekam der strenge Herzog. Weil die Inhalte deshalb mißverständlich waren, fühlte sich der Herzog durch seine Frau betrogen und ließ sie kurzerhand enthaupten. Später stellte sich der Irrtum heraus – und der Herzog bereute die Tat zutiefst. Zur Sühne gründete er 1263 das Kloster Fürstenfeld in der heutigen Stadt Fürstenfeldbruck. 

Das Backsteinkloster als Sühnestiftung

Zwischen 1270 und 1290 entstand die erste Klosteranlage in Backsteinbauweise, die. Der Herzog fand nach seinem Tod 1294 in der Klosterkirche seine letzte Ruhe. Auch die Verbindung von Ludwigs Sohn, dem späteren Kaiser Ludwig dem Bayern, zur Klosterstiftung des Vaters war sehr eng, er nannte sie "monumentum paternae poenitentiae": Denkmal väterlicher Bußgesinnung. Am 11. Oktober 1347 starb er in der Nähe des Klosters unterhalb des Dorfes Puch auf der Bärenjagd. In den folgenden Jahrhunderten wurde das Kloster immer wieder umgebaut, erweitert und renoviert.

Das Monumentalkloster in heutiger Form

Nachdem der Dreißigjährige Krieg (1618 - 1648) Fürstenfeld großen Schaden zugefügt hatte, gelang es dem wohl bedeutendsten Abt Martin I. Dallmayr (1640 - 1690), die Voraussetzungen für einen inneren und äußeren Neubeginn zu schaffen.
1691 wurde unter seinem Nachfolger Balduin Helm der Grundstein für die barocke Klosterkirche gelegt, 1700 begann der Bau der Kirche. Der damalige Hofbaumeister der Wittelsbacher, Giovanni Antonio Viscardi, war der Architekt, der die Vorstellungen des Kurfürsten Max Emanuel von einem "bayerischen Escorial" verwirklichen sollte.

Bereits 1701 wurden die Bauarbeiten eingestellt und erst 1716 unter der Leitung Johann Georg Ettenhofers, der als Polier für Viscardis Projekte tätig war, weitergeführt. Der Chor war 1723 vollendet, die Weihe des Langhauses erfolgte am 16. Juli 1741 unter Abt Konstantin Haut durch den Freisinger Fürstbischof Kardinal Johann Theodor, ebenfalls ein Wittelsbacher. 1747 konnte man die Fassade fertigstellen, 1745 den Turm. Die Innenausstattung zog sich bis 1766 hin.

Klosteranlage für nichtklerikale Nutzung

Die Säkularisation 1803 bedeutete schließlich auch für die Abtei Fürstenfeld das Ende. Kloster und Kirche wurden zunächst an einen Privatmann veräußert, 1817 kaufte sie der Staat zurück. Bereits am 13. August 1816 war die ehemalige Klosterkirche Fürstenfeld durch König Maximilian I. Joseph zur königlichen Landhofkirche ernannt worden. Die seelsorgliche Betreuung übernahmen ein Hofkaplan und ein Sakristan.

 

Nach der Errichtung der modernen Pfarrkirche St. Bernhard (1964) gliederte man die ehemalige Klosterkirche an die Pfarrei St. Magdalena an. Der riesige Sakralraum dient also seit dieser Zeit faktisch nur als Nebenkirche für Trauungen und Gottesdienste. Von 1965 bis 1978 wurde die Kirche umfassend saniert und die Aussenfassung dem Originalbefund angeglichen. Der endgültige Abschluss aller Restaurierungsarbeiten wurde 1978 am 16. Juli, dem Weihetag der barocken Kirche, mit einem festlichen Gottesdienst begangen, den Joseph Kardinal Ratzinger, damals Erzbischof von München und Freising und heute Papst Benedikt XVI., mit den Äbten von Mehrerau, Stams, Schlierbach und Ettal und der ganzen Pfarrgemeinde von St. Magdalena feierte.

Die restlichen Klostergebäude werden seit 1817 bis in die Gegenwart auf verschiedene Weise genutzt: im 19. Jahrhundert als Kaserne und Lazarett, heute als Bayerische Beamtenfachhochschule mit dem Fachbereich Polizei. 1918 waren Kloster und Kirche in den Besitz des Freistaates Bayern übergegangen. Die ehemaligen Wirtschaftsgebäude gehören heute der Stadt Fürstenfeldbruck und werden als Kulturzentrum genutzt.

 

Die Klosteranlage

 

Die Anlage setzt sich neben der Klosterkirche St. Mariä Himmelfahrt im Osten aus zahlreichen weiteren Gebäude zusammen (siehe Übersichtsplan oben links). Nördlich an Kirche schließt ein Komplex an, der heute weitgehend als  Polizeifachschule dient. Ein von der Kirche ausgehender Flügelbau bildet zudem die Verbindung zu dem südlichen Trakt, der heute als Stadtmuseum dient. Parallel zu dem Kirchenbau bildet er mit den weiter westlich aufgereihten Gebäude (siehe Bild links) mit Klostergalerie, dem Wirtshaus Klosterstüberl, sowie den Gebäuden für den heutigen Klosterladen und für die Bildungsagentur Fürstenfeld einen kleineren Innenhof. Von dort erstrecken sich weitere Gebäude weiter nach Westen und bilden einen großen, nördlich gelegenen Innenhof.

 

Veranstaltungsforum Fürstenfeld

In diesen Ökonomiegebäuden der Zisterzienserabtei befindet sich das im Herbst 2001 eingeweihte Veranstaltungsforum Fürstenfeld. Neben und in baulicher Verbindung mit den restaurierten Ökonomiegebäuden wurde ein moderner Stadtsaalbau erstellt. Heute finden in der Gesamtanlage Veranstaltungen aller Art statt wie beispielsweise Weiterbildungsseminare, Tagungen, Theateraufführungen, Konzerte, Kabarett, Produktpräsentationen sowie jahreszeitlich orientierte Veranstaltungen (z. B. Oster-, Weihnachtsmarkt).

Klosterkirche St. Mariä Himmelfahrt

Die monumentale Kirche ist außen 87 Meter lang und 32 Meter breit. Die Firsthöhe beträgt 43,5 Meter, der Turm ist 70 Meter hoch und nördlich im Winkel zwischen Chor und Langhaus angelegt. Die kolossale zweigeschossige Westfassade wird in fünf Achsen durch sechs Doppelsäulen getrennt, am Giebel befindet sich ein weiteres Säulenpaar.

 

Die Kapitelle sind unten toskanisch, am Obergeschoss ionisch, am Giebel korinthisch ausgebildet. Die Mittelnische des Giebels birgt Kupferstatuen des Erlösers und der Ordensheiligen Bernhard und Benedikt. 

Vorbild für Grundriss und Raumgestalt des monumentalen Wandpfeilerbaus ist die Renaissancekirche St. Michael der Jesuiten von Friedrich Sustris in der Münchner Altstadt. Das strenge Konzept der Spätrenaissance wurde jedoch in typisch barocker Manier prachtvoll umgedeutet und bereichert.

Zahlreiche führende Künstler der Zeit führten die Ausstattung aus: Cosmas Damian Asam malte die Deckenfresken, sein Bruder Egid Qurin Asam schuf die Seitenaltäre und wohl auch den Entwurf zum Hochaltar. Von den Brüdern Jacopo und Francesco Appiani stammen weitere Malerarbeiten. Die Besonderheit sind umlaufende Emporengänge oberhalb des Hauptgebälks. Die Orgel auf der Westempore ist das einzige nahezu vollständig erhaltene zweimanualige Werk aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Südbayern und ist eine Arbeit von Johann Georg Fux.

Ulrich Lohrer; erste Version erstellt am 19.08.2015

 

Fotografien: Ulrich Lohrer; Klosterlageplan: http://www.fuerstenfeld.de