Klassizismus in München: Die Glyptothek im neuen Glanz

Mit dem Königsplatz ließ König Ludwig I. das klassische Griechenland in München errichten. Der architektonische und künstlerische Höhepunkt ist Klenzes – nun nach dreijähriger Bauzeit sanierte – Skulpturensammlung Glyptothek.

 

Ende Dezember 2021 wurden die Arbeiten an der Glyptothek im veranschlagten Kostenbudget von 17 Millionen Euro vollendet. „Wir haben besonders viel Wert darauf gelegt, die Fassade, die in der Nachkriegszeit nur notdürftig repariert worden war, gemäß den Originalplänen wiederherzustellen“, so Bayerns Bauministerin Kerstin Schreyer. Mit der nun seit 2019 vorgenommenen Sanierung durch das Staatliche Bauamt München 1 und der Bauleitung durch das Architekturbüro Andreas Hlawaczek komme nun die klassizistische Architektur wieder richtig zur Geltung, so Bauministerin Schreyer. 

Während seiner ersten Italienreise 1804 bis 1805 reifte bei Kronprinz Ludwig die Idee Plastiken aus der Antike zu sammeln. Aufgrund der napoleonischen Kriege hatten sich in Italien die Machtverhältnisse der Einzelstaaten geändert, weshalb vermögende Kunstsammler dort bedeutende Werke erwerben konnten. Ab 1810 waren Johann Georg Dillis und Johann Martin von Wagner in Italien und Carl Haller von Hallerstein in Griechenland erfolgreich als Kunstagenten für Ludwig tätig. Zu den bedeutendsten Erwerbungen zählten der „Barberinische Faun“ sowie die antiken Skulpturen des Giebels vom Tempel in Ägina. Für seine wachsende Sammlung benötigte Ludwig ein würdiges Gebäude. Als Standort ließ er sich die Nordseite des ab 1808 geplanten Königsplatz in der neuen Maxvorstadt reservieren. Ein erster Entwurf (1813) des Sammlungsgebäudes für die antiken Plastiken stammt von Carl von Fischer. Dieser war von dem Rasterentwurf des französischen Revolutionsarchitekten Durand geprägt und sah einen Vierflügelkomplex mit quadratischem Grundriss und einen Eingangsportikus im Süden sowie eine zentrale Kuppelrotunde vor. Ein Anfang 1814 ausgeschriebener Wettbewerb brachte allerdings kein eindeutiges Ergebnis hervor. Schließlich beauftragte Kronprinz Ludwig Leo von Klenze 1815 in Paris mit der Ausarbeitung eines Entwurfs, wobei von Klenze vor allem auf das Konzept von Karl von Fischer zurückgriff. Klenzes endgültiger „griechischer“ Entwurf (1817/1818) sah ein vierflügeliges Gebäude mit quadratischem Grundriss mit ionischen Portikus vor. Auf Vorschlag des Hofbibliothekars Johann Philipp Lichtenthaler erhielt die antike Skulpturensammlung in Anlehnung der antiken Bezeichnungen Bibliothek und Pinakothek den Namen Glyptothek.

Kronprinz Ludwig legte als Bauherr und Stifter am 23. April 1816 den Grundstein zu dem Museum, das am 13. Oktober 1830 eröffnet wurde. Das Gebäude besteht aus einer Abfolge unterschiedlich großer Gewölberäume die über die vier Flügel mit einer Länge von jeweils 66 Meter angeordnet sind. Die Aufstellung der Exponate erfolgt dabei einer chronologischen Anordnung. Bestandteil der Gebäudes ist dabei ein an Skulpturen reiche Auschmückung im Giebel sowie in den Nischen der Frontseite und der Flügelseiten, die erst 1862 mit der Vollendung der letzten Plastiken ihren Abschluss fand.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Glyptothek durch Brand- und Sprengbomben schwer beschädigt. Ähnlich wie bei dem vorausgegangenen „schöpferischen Wiederaufbau“ der Alten Pinakothek, dem anderen führenden Ausstellungsgebäude Klenzes, wurde anstatt einer originalgetreuen Rekonstruktion im Inneren eine puristische minimale Teilwiederherstellung zu Gunsten einer ablenkungsfreien Präsentation der Exponate umgesetzt. Auf Vorschlag des Architekten Josef Wiedemann wurde auf die Rekonstruktion der reichen Ausschmückung der Decken und des Stuckmarmor der Seitenwände zugunsten eines geschlämmten Rohzustandes der sichtbaren Ziegelarchitektur verzichtet. Die Fußböden erhielten einen einfachen Muschelkalkplattenbelag und die Fenster Richtung Innenhof wurden wegen der besseren Belichtung bis nach unten zum Boden erweitert.

Quelle: Heinrich Habel, Johannes Hallinger, Timm Weski: Denkmäler in Bayern – Landeshauptstadt München – Mitte, Band 2; Seite 432 - 437

Bildnachweis: Fotos von Ulrich Lohrer