Pritzker-Preis für Lacaton & Vassal

Den renommierten Pritzker-Architekturpreis erhalten dieses Jahr die Architekten Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal in Paris. Sie gelten als Pioniere des preisgünstigen Wohnungsbau durch klimagerechten Umbau.

 

Der Pritzker-Preis gilt als die weltweit höchste Architekturauszeichnung. Wie die Stiftung des Preise, die Hyatt Foundation am 16. März 2021 in Chicago bekannt gab, erhalten Lacaton & Vassal dieses Jahr den Preis.

Das Architekturbüro Lacaton & Vassal wurde von Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal 1989 in Paris gegründet. Das Architekturbüro machte sich einen mit sozialen Wohnungsbauprojekte. Aber auch aufgrund ihrer Museumsbauten, wie dem FRAC in Dünnkirchen und dem Palais de Tokyo in Paris, zählt Lacaton & Vassal zu den führenden Architekturbüros Frankreichs.

Anne Lacaton wurde 1955 in Saint-Pardoux Frankreich geboren. Nach dem Abschluss an der Architektur Hochschule in Bordeaux im Jahr 1980 erwarb sie 1984 ein Diplom in Stadtplanung an der Universität von Bordeaux. Sie war an verschiedenen Hochschulen als Gastprofessorin tätig, so zum Beispiel an der Universität von Madrid (2007), an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (2010/11) und am Harvard Design School Studio in Paris (2011).

Jean Philippe Vassal wurde 1954 in Casablanca geboren. Nach seinem Abschluss an der Architekturhochschule Bordeaux im Jahr 1980 war er von 1980 bis 1985 als Stadtplaner im Niger tätig. Er lehrt seit 2012 an der Universität der Künste (UdK) in Berlin und war von 2007 bis 2010 Gastprofessor an der TU Berlin sowie von 2010/11 an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne.

Frische Gestaltungsideen für den sozialen Wohnungsbau

Aus der Feder des Architektenduos stammen ferner Wohnbauprojekte in Frankreich wie das Maison Latapie in Bordeaux, das „Haus in den Bäumen“ mit Blick auf die Bucht von Arcachon sowie mehrere Projekte im Bereich Sozialer Wohnungsbau: Umbau Tour Bois le Prêtre in Paris (in Zusammenarbeit mit dem Architekten Frédéric Druot), „Cité Manifeste“ in Mulhouse.

Faszinierende Raumerlebnisse der Museumsbauten

Bedeutende Projekte des Architekturbüros Lacaton & Vassal: FRAC Dünkirchen (Öffentliche Sammlung Zeitgenössischer Kunst), Palais de Tokyo in Paris, Zentrum für Zeitgenössische Kunst, Sozialwohnungen und Studentenwohnungen in Paris, Musik- und Mehrzweckhalle in Lille, Café für das Architekturzentrum in Wien; Pôle universitaire de sciences de gestion (Außenstelle der Universität Bordeaux), Ecole d'architecture (Architekturhochschule) in Nantes.

Besonders das FRAC Nord-Pas de Calais (Bild oben und Bild links) in der französischen Hafenstadt Dünnkirchen sorgte in der Architekturszene für Aufmerksamkeit. In Frankreich gib es 23 Regionalfonds für zeitgenössische Kunst (Fonds régionaux d’art contemporain, kurz: FRAC), die regional verteilt in Museen der Regionalzentren öffentliche Sammlungen zeitgenössischer bildender Kunst sowie regelmäßig Ausstellungen aktueller Künstler zeigen.

Für das FRAC in Dünnkirchen Basis gestalteten Lacaton & Vassal eine aufgegebene Werfthalle (Halle AP2) um. Dabei bediensten sich die Architekten des faszinierenden Raumerlebnisses des Bestandsgebäudes. Daneben wurde in Richtung Nordsee von der Dimension her ein Doppelgänger gebaut. Die Konstruktion der Zusatzhalle erstreckt sich auf fünf Ebene. Dabei wurde mit Hilfe von Fertigteilen auf eine flexible und freie Grundrissgestaltung geachtet. Eine Fußgängerbrücke verbindet beide Bauteile als überdachte Straße entlang der „Innenfassade“ des FRAC.

Aktuelle Projekte

Gegenwärtig arbeiten Lacaton und Vassal am Umbau von modernistischen Sozialwohnungen in Saint-Nazaire, La Chesnaie und in Bordeaux Grand-Parc, einem Fünf-Sterne-Hotel in Dakar (Senegal) sowie der Errichtung von 96 Wohnungen in Chalon-sur-Saône und 59 Wohnungen in Mulhouse. Jedes der genannten Projekte ist vom Prinzip der Großzügigkeit und Wirtschaftlichkeit geprägt: Durch eine Änderung des bestehenden Standards sollen die Wohn- und Nutzungsbedingungen sowie die Raumaufteilung optimiert werden.

Werke (Auswahl)

1993: Maison Latapie, Floriac, Frankreich

1994: Tageszentrum für Postadolszenten, Bègles, Frankreich

1995: Archäologisches Museum Saintes, Frankreich

1996: Places Aucoc, Bordeaux, Frankreich

1997: Wohnhaus, Dordogne, Frankreich

1998: Wohnhaus, Lège-Cap-Ferret, Frankreich

2000: Wohnhaus, Coutras, Frankreich

2001: Erneuerung Palais de Tokyo, Paris, Frankreich

2001: Café Una im Architekturzentrum, Wien, Österreich

2001: Bürogebäude, Nantes, Frankreich

2005: Wohnanlage, Mühlhausen, Frankreich

2005: Wohnhaus, Keremma, Frankreich

2006: Pôle universitaire de sciences de gestion, Bordeaux, Frankreich

2009: Ausstellungshalle Paris Nord Villepinte, Paris, Frankreich

2009: École d'architecture de Nantes, Nantes, Frankreich

2012: Umbau des Palais de Tokyo, Paris, Frankreich

2013: FRAC Nord-Pas de Calais, Dünnkirchen, Frankreich

2013: Salle de spectacle polyvalente, Lille, Frankreich

2014: Erweiterungsbau mit 40 Wohneinheiten, Saint-Nazaire, Frankreich

2015: Jardins Neppert mit 59 Wohneinheiten, Mühlhausen, Frankreich

2016: Umbau mit 40 Wohneinheiten, Sozialer Wohnungsbau, Daint-Nazaire, Frankreich

2017: Umbau von Wohnanlagen Grand Parc mit 530 Wohneinheiten , Sozialer Wohnungsbau, Bordeaux

2019: Fünf-Sterne-Hotel Lacoste mit Freizeitanlage, Dakar, Senegal

2020: Wohn- und Bürogebäude, Genf, Schweiz

2021: Apartmentgebäude für sozialen Wohnungsbau, Rixheim, Frankreich

 

Auszeichnungen / Preise

2021: Pritzker-Preis

2020: Großer BDA-Preis

2019: European Union Prize for Contemporary Architecture - Mies van der Rohe Award

2016: Heinrich-Tessenow-Medaille

2006: Schelling-Architekturpreis

Bildnachweis: oben Cap Ferret House, © photo courtesy of Lacaton & VassaEine Innenansicht des FRAC, Foto: JoJan (CC BY-SA 3.0)