Kasernenviertel: Designstudenten ziehen in Zeughaus

Nach umfangreicher Sanierung und Umbau mit Kosten von 62 Millionen Euro, bezieht die Fakultät für Design der Hochschule München das landesherrliche Zeughaus von 1866. Den Umbau planten die Berliner Staab Architekten.    

 

Seit ihrem Bestehen waren die verschiedenen Einrichtungen der Fakultät für Design der Hochschule München an verschiedenen Standorten verteilt. Nun hat die größte staatliche Institution für akademische Designforschung und - lehre in München einen „Maßanzug“ bekommen: Das historische Zeughaus der Bayerischen Armee an der Lothstraße im Bezirksteil Alte Kaserne des Münchner Stadtbezirk Neuhausen-Nymphenburg wurde über einen Zeitraum von zehn Jahren aufwändig geplant, saniert und um einen Pavillon für vielfältige Arbeitsformen und Ausstellungen erweitert. Entstanden ist ein Hochschulgebäude zur zeitgemäßen Ausbildung von Designerinnen und Designern und ein neues Zentrum für die Auseinandersetzung mit Designthemen in München, das am 6. Februar feierlich vom Bayerischen Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Bernd Sibler, eröffnet wird.

Der historische Bau als neues Zentrum für den Designdiskurs

Kriegsminister Moritz von Spies schlug am 4. August 1861 den Bau eines neuen Zeughauses am Oberwiesenfeld in München vor. König Maximilian II. erteilte dem Vorhaben am 30. September deselben Jahres seine Genehmigung. Die ersten Entwurfsskizzen erstellte der Ingenieur und Hauptmann im Generalstab Andreas Friedlein am 2. Oktober 1861. Diese wurden vom Baukunstausschuss unter Vorsitz von Leo von Klenze am 2. Dezember 1861 und kurz darauf am 21. Januar 1862 auch von König Maximilian II. genehmigt.

Die Grundrisse der einzelnen Stockwerke entsprechen bereits in weiten Teilen den Grundrissen, die in der Garnisonsbeschreibung von 1890 enthalten sind und den tatsächlichen Bau wiedergeben. Der Baubeginn wird auf den 15. September 1862 datiert. Der Inge- nieur und Hauptmann Mathias Gläser der 1. Genie-Direktion der bayerischen Armee hatte die Leitung über das Bauvorhaben.

 

Die Garnison München veranschlagte für die Errichtung des Zeughauses am Oberwiesenfeld insgesamt 275.443 Gulden und 56 Kreuzer. Als Architekt wird in der Sekundärliteratur häufig Baurat Georg Heinrich von Hügel genannt. Der spätere Eisenbahnbauunternehmer von Hügel war ein Schüler Georg Mollers (Begründer der Darmstädter Schule) und trat nach August Hahn dadurch hervor, dass er dem damals gebräuchlichen Maximilianstil (bayerische Gotik) bei der Gestaltung des Zeughauses nicht vollumfänglich folgte. Er verzichtete auf die zeitgenössischen Stilformen mit Lisenen und Spitzbögen und schuf einen gedrungenen, klareren Bau, die üblichen Zinnentürmchen aber behielt er bei.

Staab Architekten plant Umbau für Umnutzung

Das landesherrliche Zeughaus von 1866 diente von Anfang an auch als Repräsentationsbau der Bayerischen Armee, der Aufbewahrung, Pflege und Präsentation historischer Waffen. In jüngerer Zeit diente das denkmalgeschützte Gebäude verschiedenen Zwecken und Einrichtungen. Die Herausforderung für das Berliner Büro  Staab Architekten, das in einer Ausschreibung für seinen Lösungsvorschlag den Zuschlag erhielt, bestand darin, ein wichtiges Baudenkmal in seinem Charakter zu erhalten und es gleichzeitig für eine völlig neue Nutzung für Projektstudios, Hörsäle, unterschiedliche kollaborative und kreative Arbeitsweisen sowie zahlreiche Werkstätten umzubauen. Gleichzeitig musste der städtebauliche Kontext berücksichtigt werden: Die Fakultät für Design kann sich nun stärker mit anderen Fakultäten vernetzen und ein neues Zentrum für den Designdiskurs darstellen. Das Zeughaus, das früher eine Portalfunktion für das Militärareal hatte, wird künftig den Süd-Eingang zum neuen Kreativquartier darstellen und wird so baulich zum Ausdruck von Interdisziplinarität und Zusammenarbeit.

Design als relevante Schnittstellendisziplin

Mit dem neuen Standort in der Lothstraße erhält die Fakultät für Design einen angemessenen Platz in der Landeshauptstadt, der auch der wachsenden Bedeutung der Designdisziplin Rechnung trägt und den politischen Impuls widerspiegelt, Design und Kreativwirtschaft stärker zu fördern. In die Sanierung und Erweiterung des denkmalgeschützten Gebäudes für die Fakultät für Design investierte der Freistaat Bayern gut 62 Millionen Euro.

Dass sich das neue Domizil in einem historischen Gebäude befindet, passt zum Selbstverständnis einer Disziplin, die sich als Impulsgeber für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts versteht: „Die komplexen Aufgabenstellungen unserer Zeit erfordern Lösungen, die nicht aus einer einzelnen Fachperspektive heraus entwickelt werden können. Design als Schnittstellendisziplin kann verschiedene Kompetenzen vereinen und wird deshalb eine immer größere Rolle bei sozialen und ökologischen Fragen spielen“, sagt Dekan der Fakultät Prof. Ben Santo.

 

Traditionsreiche Vergangenheit und Erfolge der Gegenwart

Die Fakultät für Design begreift den gesellschaftlichen Wandel als Gestaltungsaufgabe und setzt sich mit Themen wie Globalisierung, Migration, Ressourcenschonung oder der Vermittlung zwischen Digitalisierung und Gegenständlichkeit auseinander – was sich etwa im seit 2012 angebotenen Masterstudiengang „Advanced Design“ spiegelt, der seine Schwerpunkte im Bereich des Transformationsdesigns sieht. Die Fakultät hat für ihre große Bandbreite von Tätigkeitsbereichen sechs Arbeitsfelder definiert (• Sozialer Wandel und transformative Prozesse • Innovation im dreidimensionalen Gestalten • Kommunikation, Marken und Identitäten • Bildwelten und Medien • Digitale und interaktive Lebenswelten • Designtheorie und Designkultur). Diese Arbeitsfelder betrachten die aktuellen Aufgaben der Disziplin übergreifend und stehen für eine größere Interdisziplinarität der einzelnen Fachdisziplinen.

Gleichzeitig knüpft die Fakultät für Design mit ihren drei Studienrichtungen Fotodesign, Industriedesign und Kommunikationsdesign im Bachelorstudiengang an ihre Vorgängerinstitutionen an, die z. T. auf eine über 100jährige Tradition blicken können:

Hier lernten und lehrten berühmte Personen der Designwelt wie Paul Renner oder Eduard Ege. Unter den Absolventinnen und Absolventen finden sich unzählige erfolgreiche Designer/innen oder Künstler/innen wie Ingo Maurer, Peter Schreyer, Juergen Teller oder Saskia Diez. Viele Lehrende der Fakultät sind feste Größen in der Designszene. Die Erfolge der Designausbildung spiegeln sich deshalb auch in zahlreichen Preisen wie dem Förderpreis der Landeshauptstadt München oder dem Bayerischen Staatspreis für Nachwuchsdesigner, mit denen die Studierenden bereits wiederholt ausgezeichnet wurden.

 

 

 

 

Publikation: Fakultät für Design im historischen Zeughaus. Publikation MHM- Magazin, Hochschule München, 2019.

Dietmar Gauder: Das historische Zeughaus. Ein Rückblick

Projektdaten:

Adresse: Lothstrasße 17, 80335 München

Bauherr: Staatliches Hochbauamt München 2

Nutzer: Hochschule München, Fakultät für Design

Planung/Bauzeit: 10/2012 – 08/2018

Gesamtkosten: 62 Mio. €

BGF: 12.4000 Quadratmeter

Architekten: Staab Architekten

Bildnachweis (von oben nach unten):  Ende 2018 zog die Fakultät für Design in das vom Büro Staab Architekten renovierte Zeughaus, Foto: © Franz Schmid; der verglaste Pavillon im historischen Ehrenhof wird wie ein Diamant behutsam vom alten Gebäude eingefasst, Foto: © Oliver Jaist ; Pavillon – Das neue Zentrum der Fakultät für Unterricht und Ausstellungen, Foto: © Oliver Jaist; Im Treppenhaus dominiert eines der prägenden Materialien des Umbaus: Aluminium. Foto: © Oliver Jaist