Johannes Ludwig: Skandinavische Architektur in München

Der Architekt und Hochschullehrer Johannes Ludwig prägte zusammen mit den Professoren Franz Hart und Josef Wiedemann die Münchner Nachkriegsarchitektur. Einen großen Einfluss übten dabei die skandinavische Architektur aus.

 

 

Johannes Ludwig wurde am 18. Juni 1904 in Düsseldorf geboren. Er ist der Sohn des österreichischen Architekten Alois Ludwig (1872 -1969), einem Schüler des bekannten Wiener Architekten Otto Wagner, sowie seiner Frau, der Prager Fabrikantentochter Klara Margarete Wanniek.

Südtiroler Kindheit

Um 1911 zog die Familie zunächst nach München, dann 1907 nach Meran. Dort prägte Johannes Ludwig die noch weitgehend intakte, archaische Einheit der südtiroler Bau- und Kulturlandschaft, da die Familie nach dem Ersten Weltkrieg Meran dort ein Obst- und Weingut bewirtschafteten. Aufgrund seiner frühen Begeisterung für den Schiffbau ging Johannes Ludwig als Praktikant zu den Werften Bremer Vulkan und Blohm & Voss.

Architekturstudium in München und Düsseldorf

Ab 1924 studierte er Architektur an der Technischen Hochschule bei Theodor Fischer und absolvierte ein Gastsemester bei Clemens Holzmeister an der Kunstakademie Düsseldorf, und schloss schließlich sein Studium mit Diplom bei German Bestelmeyer in München ab. 1926–1927 war er Mitarbeiter im Architekturbüro Amon & Fingerle in Bozen, war dann  von 1929 bis 1931 Assistent von Clemens Holzmeister an der Kunstakademie in Düsseldorf.

Einfluss der skandinavischen Architektur

1930 unternahm er eine Reise nach Skandinavien, wo er die Stockholmer Werkbundaustellung besuchte und den bekannten schwedischen Architekten Gunnar Asplund kennenlernte. Die skandinavische Architektur beeinflusste ihn stark in seinem Schaffen. So wurde er mit den skandinavische Architekten Sven Markelius, Uno Åhrén, Nils Einar, Eskil Sundahl und Olof Thundström kennen. 1934 heiratete er die Schwedin Elisabeth Lindström aus Stockholm. Später als Hochschullehrer führte er mit seinen Studenten zahlreiche Skandinavien-Exkursionen durch.

Linzer Bauprogramm während der NS-Zeit

1931 bis 1935 arbeitete Ludwig als freier Architekt in Meran, danach im Büro seines Onkels Gustav Ludwig 1876–1952) in München. In der zweiten Hälfte des Krieges war er zusammen mit Josef Wiedmann beim Ausbau der Stadt Linz und dem Linzer Wohnungsbau-Programm unter Roderich Fick beteiligt.  Von 1937 bis 1957 arbeitete er als freier Architekt in München, Trostberg und Mühldorf am Inn.

Das Münchner Dreigestirn

1955 wurde Ludwig auf den Lehrstuhl für Städtebau und Landesplanung an der Technischen Hochschule Wien und 1957 wurde Ludwig, der bereits seit 1955 als Professor des Lehrstuhls für Städtebau und Landesplanung an der Technischen Hochschule Wien lehrte, als Nachfolger von Hans Döllgast als ordentlicher Professor für Architekturzeichnen und Raumkunst an die Technische Hochschule München. Zusammen mit den befreundeten Professoren Josef Wiedemann und Franz Hart prägte er die Lehre und Architektur der stark handwerklich ausgerichteten Münchner Nachkriegsmoderne. Zu Ludwigs Schülern gehörten beispielsweise die Architekten Theodor Hugues und Christoph Sattler. Ludwigs Nachfolger Friedrich Kurrent bezeichnete daher Hart, Ludwig und Wiedemann als Münchner Dreigestirn. 1969 bis 1983 war Ludwig zudem Direktor der Abteilung Bildende Kunst der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. 1973 wurde er emeritiert. 1996 verstarb Johannes Ludwig.

Werke (Auswahl)

1937–1941: Wohnanlage Washington – Bolivarstraße, Siedlung Neuhausen (mit Hans Döllgast, Franz Ruf, Sep Ruf), München

1945–1955: Evangelische Kirche in Mühldorf

1949–1951: Schule, Winhöring

1952–1954: Situlischule (mit Franz Ruf), Freimann, München

1953–1954: Johanneskirche, Bruckmühl

1953–1956: Paul-Gerhardt-Kirche, Laim, München

1954–1956: Wohnhochhäuser (mit Franz Ruf) Parkstadt Bogenhausen, München

1957–1960: Predigerseminar, Pullach

1958–1959: Evangelisch-lutherische Erlöserkirche, Bogen

1960–1963: Jugendzentrum Frankenhof (mit Werner Wirsing), Erlangen

1961: Mittelschule an der Stuntzstraße, Parkstadt Bogenhausen, München

1960: Innenhof und Senatstrakt, Technischen Hochschule München, München

1960–1963: Christuskirche, Innenraum, Hanau

1961–1964: Versöhnungskirche St. Nikola, Straubing

1962-1966: Wiederherstellung, Innenraum Staatliche Antikensammlung (erbaut von Georg Friedrich Ziebland), Königsplatz, München

1962: Erweiterung des Pfarr- und Gemeindehauses der Johanneskirche, Bruckmühl

1965–1968: Aufstockung des Mittelbaus der Technischen Hochschule München an der Arcisstraße, München

1965–1966: St.-Markus-Kirche mit Pfarr- und Gemeindehaus (mit Heiko Folkerts, Jakob Adlhart, Franz Riepl), Coburg

1965–1973: Wohnanlage Mollau (mit Helmut von Werz, Johann-Christoph Ottow), Obersendling, München

1970er Jahre: Wohnanlage Konrad-Celtis-Str (mit Ludwig Roemer)., Mittersendling, München

1966–1967: Versöhnungskirche mit Gemeindesaal (mit Heiko Folkerts, Jakob Adlhart, Franz Riepl), Garching an der Alz

1981–1983: Evangelisches Gemeindezentrum, Feldkirchen-Westerham

Ausstellungen:

Johannes Ludwig: 2170 Wohnungen in München, 25. Oktober 2018 – 23. November 2018, Haus der Architektur

Quellen:

Winfried Nerdinger (Hrsg.): Architekturführer München, 3. Auflage, 2007

Winfried Nerdinger, Inez Florschütz (Hrsg.): Architektur der Wunderkinder, Aufbruch und Verdrängung in Bayern 1945 – 1960; Katalog, 2005

Bildnachweis: Paul-Gerhardt-Kirche, Foto: Ulrich Lohrer