Kriegsministerium: kriegszerstört, wiederaufgebaut und nun saniert

Im November 2015 zeichnete die Landeshauptstadt München 25 private Gebäude mit dem Fassadenpreis 2015 aus und erwähnte sechs Gebäude der öffentlichen Hand lobend. Lobend erwähnt wurde auch das renovierte Staatsarchiv, das ehemalige Kriegsministerium in der Ludwigstraße 14.

 

Ende 1807 entstand das Armee-Monturmagazin, das 1816 nach Plänen von Joseph Keck zum Bürogebäuede des Kriegsokonomierats umgebaut und erweitert wurde. 1822 wurde das Armeeministerium von der Altstadt in dieses Gebäuede im heutigen Bezirksteil Schönfeldvorstadt der Maxvorstadt verlagert. Leo von Klenze wurde der Auftrag zum völligen Umbau übertragen. In der Schönfeldstraße wurde in der Mitte des Ehrenhofes zunächst bis 1826 das Wohngebäude für den Armeeminister, Nikolaus Maillot de la Treille,  errichtet. Entlang der Ludwigstraße wurde im Frühjahr 1827 das ursprüngliche Gebäude mit dem Westtrakt des Kriegsministerium verlängert. Schließlich wurde 1830 das Wohngebäude und das Kriegsministerium parallel der Schönfeldstraße mit einem Arkadentrakt miteinander verbunden. Der spiegelbildliche östliche Arkadentrakt wurde aber erst wesentlich später nach einem Entwurf von Heinrich Häring fertig gestellt.

Der Westbau an der Ludwigstraße 14 ist insgesamt 77 Meter lang und besteht aus einem dominierenden dreigeschossigen 39 Meter langen Mittelrisalit sowie aus zweigeschossigen Seitenflügel. Die eingezogene offene Vorhalle hinter den Arkaden des Mittelbaus gehört zu Klenzes bemerkenswerten Inventionen.

Nach schwersten Luftkriegsschäden 1943/44 wurde der lange ruinöse Komplex durch das Landbauamt München schrittweise zwischen 1964 bis 1977 für die staatlichen Archive wiederaufgebaut.  Zum Originalbestand gehört heute nur noch die markante Eingangsarkade.

Nachdem an der Fassade des Archivgebäudes zahlreiche Risse und Schadstellen festgestellt worden waren, war nun vor einigen Jahren erneut ein dringender Handlungsbedarf gegeben. Der Zustand wurde genau dokumentiert und ein Teilsanierungskonzept erarbeitet. Die Schadstellen wurden partiell ausgebessert. Der Sockel und der erdgeschossige Mittelteil in gelblich-grünem Sandstein wurden gereinigt. Der neu entwickelte Fenstergrundtypus wird allen Anforderungen eines Archivgebäudes gerecht und gewährleistet darüber hinaus ein einheitliches Erscheinungsbild der Fassade. Die Putzflächen wurden nach Befund in einem Sandton gestrichen und die Holzfenster farblich in einem leichten Grauton abgesetzt.

Mit Feingefühl gelang es hier vortrefflich, die Spuren der Zeit an dem Gebäude, trotz der notwendigen Instandsetzungsarbeiten, erkennbar zu lassen. Aufgrund der leichter wirkenden Fassadengestaltung fügt sich der geschichtsträchtige Bau wieder vollkommen in das Gesamtbild der Ludwigstraße ein.

Quellen: Lokalbaukommission, Landeshauptstadt München, Dokumentation Fassadenpreis 2015; Heinrich Habel, Johannes Hallinger, Timm Weski: Denkmäler in Bayern, Landeshauptstadt München Mitte, Band 2, Seite 504, 505, 506

Foto: Landeshauptstadt München / Maja Kaltenbach