Schönfeldvorstadt: Die Bayerische Staatsbibliothek

Die Bayerische Staatsbibliothek ist mit mehr als zehn Millionen Bänden nach der Deutschen Nationalbibliothek und der Staatsbibliothek zu Berlin Deutschlands drittgrößte Bibliothek. Auch architektonisch hat Deutschlands größter Blankziegelbau einiges interessantes zu bieten.

 

Die Bayerische Staatsbibliothek in der Ludwigstraße 16 in der Schönfeldvorstadt der Maxvorstadt ist ein beeindruckendes Gebäude der Münchner Prachtstraße zwischen Feldherrnhalle und Siegestor. Es enthält eines der größten und ältesten Bibliotheken Europas und die umfangreichste Sammlung von Inkunabeln (zwischen 1454 und 1500 mit beweglichen Lettern entstandene Bücher und Einblattdrucke) in Deutschland. Zudem verfügt die Bibliothek über besonders wertvolle und einzigartige Bücher, wie das Perikopenbuch Heinrich II, eine der ältesten Handschriften des Nibelungenliedes (Hohenems-Münchner Handschrift A) und das Wessobrunner Gebet, die Pergament-Sammelhandschrift des ältesten erhaltenen christliche Gedicht der deutschsprachiger Literatur. Interessant wie die Geschichte der Bibliothek ist auch die des von Friedrich von Gärtner entworfenen Bauwerks.

Geschichte der Bibliothek bis zum Bau an der Ludwigstraße

1558 begründete Herzog Albrecht V. durch den Ankauf des Nachlasses des österreichischen Orientalisten und kaiserlichen Kanzlers Johann Albrecht Widmanstetter die Hofbibliothek. Sie befand sich zunächst im über dem Antiquarium der Residenz in München. 1571 wurde die Hofbibliothek durch den Erwerb der Sammlung des Augsburger Johann Jakob Fugger um mehr als 10.000 Bände beträchtlich erweitert und ab 1581 im Nordostbau des Alten Hofs, der sogenannten Librei im Pfisterstock, verlagert. Wilhelm V. erweitert die Bibliothek durch den Ankauf weiterer Sammlungen. Im Jahr 1600 umfasste der Bestand bereits 17.000 Bände. 1778 veranlasste Kurfürst Karl Theodor die Übersiedlung der Hofbibliothek zunächst ins ehemalige Palais Fugger ins Kreuzviertel der Altstadt und fünf Jahre später ins ehemalige Jesuitenkolleg (Alte Akademie) in die Neuhauser Straße 8, wo sie auch öffentlich zugänglich wurde. Die Säkularisation in Bayern sorgte um 1803 für einen gewaltigen Zuwachs der Kurpfälzischen Hofbibliothek um etwa 550.000 Bänden und 18.600 Handschriften, da die Bestände der Bibliotheken der Klöster übernommen oder aufgekauft wurden. Die Unterbringung der Büchermassen in der Alten Akademie war folglich äußerst beengt und höchst unsachgemäß.

Baugeschichte der heutigen Bayerischen Staatsbibliothek

Bald nach seiner Thronbesteigung nahm sich König Ludwig I. des Problems an. Er überging  dabei aber seinen Hofarchitekten Leo von Klenze und beauftragte 1827 Friedrich von Gärtner mit der Planung eines repräsentativen Gebäudes für die Hof- und Staatsbibliothek. Der Bau war zunächst in der Ludwigstraße 1, dann 1828 gegenüber der Glyptothek am Königsplatz und noch im gleichen Jahr wieder in der Ludwigstraße vorgesehen. 1831 wurden die Entwürfe fertig. Wegen des mit 1,3 Millionen Gulden teuren und damals größten staatlichen Bauvorhabens in Bayern musste sich der König die Bewilligung der Baugelder in mehreren Anträgen vom Landtag bewilligen lassen, weshalb sich der Baubeginn verzögert. Die Grundsteinlegung erst am 8. Juli 1832 durch den Innenminister Fürst von Oettingen-Wallerstein. Die durch Maurermeister Joseph Röschenauer ausgeführten Arbeiten überwachte als Baufphrer Anton Mühe. Der Bibliotheksbau wurde nach elf Jahren Bauzeit 1843 fertig gestellt.

Architektur und Grundriss

Das mit 152 Meter für die damalige Zeit extrem langgestreckte Bauwerk setzt sich aus zwei Quadrate mit einer Tiefe von 77 Metern zusammen und die so zwei Höfe umschließen. Der Grundriss und die Gestaltung basiert auf der Palastarchitektur der italienischen Frührenaissance. Gärtners Großbau übertraf die Klenze-Bauten in der Ludwigsstraße weit und wurde als Deutschlands größter Blankziegelbau gefeiert. Für Aufsehen sorgte darin Gärtners monumentale einläufige Treppenanlage mit reichgeschmückten Säulenarkaden und ausgemalten Lunetten. Die prachtvolle Treppenanlage wurde mehrfach kopiert – so auch von Klenze für den Bau der Neuen Erimitage in St. Petersburg in Russland.

Die ursprünglichen Sitzfiguren griechischer Gelehrter an der Freitreppe wurden von Ludwig von Schwanthaler geschaffen. Aufgrund der schweren Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg  sind die jetzigen Figuren des Aristoteles, Homer, Thukydides und Hippokrates, an der Treppe des Hauptportals, Nachschöpfungen verschiedener Künstler.

Seit 1919 trägt die Bibliothek den Namen Bayerische Staatsbibliothek. Während des Zweiten Weltkriegs kam es trotz Auslagerung von Beständen zum Verlust von über 500.000 Bänden. Das Gebäude selbst wurde zu 85 Prozent zerstört. 1946 begannen der Wiederaufbau des Bibliotheksgebäudes und die Rückführung der ausgelagerten Bestände. Zunächst wurde eine räumliche, aber nicht organisatorische Zusammenlegung mit der fast völlig zerstörte Universitätsbibliothek überlegt; Widerstand der Universität beendete diese Überlegung aber 1956. Deshalb plante die Staatsbibliothek einen modernen Anbau, in dem zeitgemäße Einrichtungen unterzubringen wären. Der Erweiterungsbau an der Ostseite nach Plänen von Hans Döllgast und Sep Ruf wurde 1966 fertiggestellt. Dieser Anbau, der unter anderem den Allgemeinen Lesesaal beherbergt, wurde 1967 mit dem BDA-Preis Bayern ausgezeichnet. Der Wiederaufbau wurde 1970 mit der Einweihung des wieder hergestellten Südflügels abgeschlossen. 1988 wurde die Speicherbibliothek Garching in Betrieb genommen.

Quellen:

Heinrich Habel, Johannes Hallinger, Timm Weski: Denkmäler in Bayern – Landeshauptstadt München, Mitte, Band 2, Seite 507 - 511

https://www.bsb-muenchen.de/

https://de.wikipedia.org/wiki/Bayerische_Staatsbibliothek

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