Fumihiko Maki und der Silberstreif der Moderne aus Japan

Die Bauwerke des Pritzker-Preisträgers stehen in Tokio, im Hallbergermoos bei München, am Ground Zero in New York und in Singapur. Der Japaner Fumihiko Maki ist einer der weltweit führenden  Architekten der Moderne, der die japanische Bautradition der Leichtigkeit mit modernen Materialien wie Glas, Metall und Beton verbindet.

 

Fumihiko Maki (japanisch: 槇文彦, Maki Fumihiko) wurde am 6. September 1928 in der Präfektur Tokio in Japan geboren. „Tokio ist der Platz in dem ich geboren wurde, aufwuchs und ausgebildet wurde. Es war auch Tokio wo ich in Berührung mit den wenigen Bauwerke der modernen Architektur kam, die dort damals existierten – die weißen Häuser der Pioniere der Moderne wie Kameki Tsuchira – einem ehemaligen Student von Frank Lloyd Wright, der damals das Imperial Hotel gestaltete, Sutemi Horiguchi und Antonin Raymond“, so Fumihiko Maki gegenüber dem Pritzker-Komitee. Er studierte bis zu seinem Abschluss im Jahr 1952 bei Kenzo Tange an der Universität Tokio Architektur.

Ausbildung, Lehre und Arbeiten in den USA

Danach begab er sich in die USA und erwarb 1953 seinen Master-Abschluss an der Cranbrook Academy of Art in Bloomfield Hills, Michigan  sowie ein Jahr später einen weiteren Master-Titel an der Harvard School of Design (GSD), das damals noch von führenden Vertretern des Baushauses, Martin Gropius und Marcel Breuer geprägt war. Einen prägenden Einfluss hinterließ jedoch sein damaliger Harvard Lehrer, dem spanischen Architekten und Stadtplaner Jose Lluís Sert (1902- 1983), einem Schüler von Le Corbusier. Zeitweilig arbeitete Maki in Serts Architekturbüro Sert Jackson and Associates in Cambridge, aber auch bei Skidmore, Owings and Merill (SOM) in New York.

1956 nahm Maki eine Stelle als Assistant Professor für Architektur an der Washington University in St. Louis an, wo er auch seinen ersten Gestaltungsauftrag für die Steinberg Hall am Uni-Campus erhielt. Von 1962 bis 1965 lehrte Maki dann an der Fakultät der Harvard GSD sowie als Gastprofessor bei zahlreichen anderen Hochschulen in den USA.

Metabolismus und Gründung von Maki and Associates in Japan

1960 war Maki zeitweilig zur Tōkyō World Design Conference nach Japan heimgekehrt und hatte dort die Metabolism Group mit zwei anderen Schülern von Kenzo Tange – Kiyonori Kikutake und Kisho Kurokawa – gegründet. Der Metabolismus versuchte architektonische Megastrukturen mit den Strukturen eines organischen biologischen Wachstums zu verbinden.

1965 ließ sich Maki dann endgültig wieder in Japan nieder und gründete sein eigenes Architekturbüro, Maki and Associates. Zu den bemerkenswerten frühern Arbeiten in Japan zählen das Memorial Hall Auditorium der Universität Nagoya und das Osaka Sport Center. 

 

Hillside Terraces Apartments in Tokio

Zwischen dem ersten Entwurf und der Fertigstellung des letzten von mehreren Bauabschnitten erstreckte sich das Projekte der Wohnanlage Hillside Terraces Apartments (siehe Bilder oben links und links) von 1967 bis 1992, also über einen Zeitraum von einem Vierteljahrhundert. Dabei entstand auf verschiedenen Ebenen ein Komplex aus mehreren urbanen Einzelgebäuden mit intimen Innenhöfen in einem gemeinsam genutzten Landschaftspark. „By articulating several layers of threshold spaces between the busy street edge and the densely wooded interior of the block, Maki is able to impart a sense of depth to spaces that physically are quite compact.“ (Pritzker Jury)

Maki als Museumsbauer

Über die Jahrzehnte entstanden zahlreiche Museumsbauten, zunächst in Japan (1974: Toyota Kuragaike Memorial Hall ; 1985: Spiral, Tokio; 1986: National Museum of Modern Art Kyoto,, 1987: Iwasaki Art Museum Annex, Ibusuki, 2002: TRIAD, Nagano; 2006: Shimane Museum of Ancient Izumo), später auch im Ausland (1993: Yerba Buena Center fort he Arts, San Francisco , 2013: museum RE, Limburg an der Lahn, 2014: Aga Khan Museum, Toronto, Kanada; 2015: Shenzhen Sea World Cultural Arts Center, China). Sie zeichnen sich durch die von Maki typische Leichtigkeit sowie dem Einsatz von Materialien wie Glas, Metall und Beton aus.

Gewerbeparks und Messen

Maki zeichnet sich als Konstrukteur einzelner gewerblich genutzten Gebäuden zu Megastrukturen mit einem gemeinsamen Erscheinungsbild zugunsten eines funktionalen Zusammenhang aus. Stellvertretend dafür steht die Makuhari-Messe in der Stadt Chiba (siehe Foto links), eines der bekanntesten Kongresszentren Japans. Der in den 1980er-Jahren erstellte und eingeweihte Gebäudekomplex besteht aus der Internationalen Ausstellungshalle 1-11, der Internationalen Kongresshalle und der Makuhari Event Hall auf einer Gesamtfläche von rund 210.000 Quadratmeter. Das Gebäude hieß zunächst Nippon Convention Center. Am 1. Juli 2005 wurde der Name durch die Betreiberfirma in Makuhari Messe geändert. Der Name des Gebäudes wurde von Makuhari, dem Namen des Geschäftsviertels, und dem deutschen Wort Messe entlehnt.

„Beyond satisfying a variety of function and capacity requirements, each program space is given its own specific expression, creating a festive urbanism. Contemporary, and technologically driven details at a large scale combined with more delicate details at the human scale to produce a sense of density and warmth, despite the large scale of the project.“ (Maki and Associates).

Tōkyō Taiikukan

Wie ein Ufo erscheint die 1991 von Maki fertiggestellte Tokyo Metropolitan Gymnasium, das Tōkyō Taiikukan oder Sporthalle der Präfektur Tokio“ (siehe Foto oben). Die Sporthalle wurde ursprünglich 1954 für das World Werstling Championship erbaut und auch für die Olympiade 1964 in Tokio genutzt. Maki gestaltete das Gebäude in seinen futuristischen Stil neu.  liegt im Tokios Stadtteil Sendagaya und fasst 10.000 Zuschauer. 1993 wurde Maki dafür den Pritzker Architektur Preis, die wohl höchste Auszeichnung für Architekten, verliehen.

 

Hochhäuser zum Wohnen und Arbeiten

Zu den bekanntesten Bauwerke jüngeren Datums gehört das 2013 fertig gestellte Four World Trade Center (siehe Bild links unten) mit 73 Stockwerken am Ground Zero in Manhattan in New York. Es ist eines von mehreren Wolkenkratzer und Mega-Gebäude die nach dem Masterplan von Daniel Libeskind an der Stelle der am 11. September 2001 zerstörten World Trade Center errichtetet wurden oder noch errichtetet werden. Der Turm fällt durch seine skulpturale Gestaltung und seinen silbernen Fenstern von Weitem auf.

Ab einer Höhe von 217 Metern verschmälert sich das kantige Bauwerk bis zum Flachdach in 297 Metern Höhe. Die Nutzfläche von 176.000 Quadratmeter verteilt sich auf insgesamt 72 überirdische Stockwerke, unterirdisch verfügte der Wolkenkratzer noch über vier Kellergeschosse. Die unteren Etagen des Hochhauses sind mit einem Einkaufszentrum mit zahlreichen Geschäften, Restaurants und Cafés belegt. Neben den technischen Einrichtungen sind in den darüber liegenden Geschossen lediglich Büroräume untergebracht; unter anderem gehört die New Yorker Hafenbehörde zu den Mietern. Die Baukosten für Turm 4 belaufen sich auf 800 Millionen US-Dollar.

Spektakulär ist auch ein anderes, nur etwas später fertiggestellte Hochhaus, das Skyline @ Orchard Boulevard in Singapur. Mit 33 Stockwerken ist es zwar bedeutend niedriger als der Tower 4, doch fällt das Wohnhochhaus mit Luxuswohnungen aufgrund seiner  freien Stützpfeiler über eine Parkanlage optisch auf.

Auszeichnungen und Hochschultätigkeit

1993 wurde Fumihiko Maki mit dem Pritzker-Architektur-Preis, 1999 mit dem Praemium Imperiale für Architektur ausgezeichnet. Das American Institute of Architects verlieh ihm 2011 die AIA Gold Medal.

1956 bis 1961 war Maki Associate Professor an der Washington University, 1958 bis 1960 lehrte er als Graham Foundation Fellow, 1962 bis1965 war er Associate Professor an der GSD Harvard University. Zwischen 1965 und 1985 war er an zahlreichen Universitäten in den USA und Europa Gastprofessor. Von 1979 bis 1989 nahm er den Lehrstuhl am Department of Architecture an der University of Tokyo ein.

Werke (Auswahl)

1960: Steinberg Hall, Washington University, St. Louis, USA

1960: Memorial Hall Auditorium der Universität Nagoya, Nagoya, Japan

1970: Expo 70 (mit Kenzo Tange und anderen), Osaka, Japan

1971: St. Mary ´s International School, Tokio, Japan

1972: Osaka Prefectural Sports Center, Osaka, Japan

1978: Haus Maki, Tokio, Japan

1982: YYK Gästehaus, Kurobe, Japan

1984: Fujisawa Municipal Gymnasium, Fujisawa, Japan

1985: Spiral, Tokio, Japan

1986: National Museum of Modern Art Kyoto, Kyoto, Japan

1987: Iwasaki Art Museum Annex, Ibusuki, Japan

1989: Makuhari-Messe, Chiba, Japan

1989: Tepia, Tokio, Japan

1990: Shonan Fujisawa Campus der Keio-Universität, Fujisawa. Japan

1991: Tokyo Metropolitan Gymnasium Sendagaya, Tokio, Japan

1992: Hillside Terrace Complex, Tokio, Japan,

1993: Yerba Buena Center fort he Arts, San Francisco, USA

1994: Büropark Isar, Halbergermoos bei München

1995: Tokyo Church of Christ, Tokio, Japan

2001: Solitaire, Düsseldorf

2003: TV Asahi, Tokio, Japan

2006: Global Gate, Düsseldorf

2006: Republic Polytechnic, Singapur

2006: Mildred Lane Kemper Art Museum/Walker Hall, Washington University, St. Louis

2008: Delegation of the Ismaili Imamat, Ottawa, Kanada

2009: Gebäude Platz 3, Novartis Campus, Basel, Schweiz

2009: Annenberg Public Policy Center, University of Pennsylvania, Philadelphia, USA

2009: MIT Media Lab, Massachusetts Institute of Technology, Cambridge, USA

2013: Four World Trade Center (Tower 4) am Ground Zero, New York, USA

2013: Gate of Taipei, Teipeh, Taiwan

2013: museum RE, Limburg an der Lahn

2013: 51 Astor Place, New York, USA

2014: Aga Khan Museum, Toronto, Kanada

2015: Skyline @ Orchard Boulevard, Singapore

2015: 2015: Shenzhen Sea World Cultural Arts Center, Shenzen, China

Quellen:

Bildnachweis: The Japanese architect Fumihiko Maki at MIT Media Lab., 6. März 2010, Foto: jeanbaptisteparis derivative work: aghith - flickr: Fumihiko MakiTokyo_Metropolitan_Gymnasium_2008.jpg, Foto: Wiiii derivative work: 110kuwahara (talk); File:Makuhari Messe, North hall 2.jpg, Foto: 掬茶; File:The MIT Media Lab - Flickr - Knight Foundation.jpg; Nikolai Fedak: http://newyorkyimby.com/about-new-york-yimby - New York YIMBY: http://newyorkyimby.com/