Karl Meitinger: Stadtbaurat, Bunkerbauer und Wiederaufbauer

Der Architekt und Münchner Baubeamter arrangierte sich zwar als Münchner Stadtbaurat mit dem NS-Regime, versuchte jedoch auch durch seine Bunker die Bevölkerung vor Bomberangriffe zu schützen. Nach dem II. Weltkrieg prägte er entscheidend den Wiederaufbau Münchens.

 

Karl Meitinger wurde am  11. Februar 1882 in München geboren.  Er studierte an der Technischen Hochschule München und der Technischen Hochschule Charlottenburg. Nach dem Studium war er zunächst bei der Münchner Bauunternehmung Karl Stöhr tätig.

Architekt und Stadtplaner der Stadt München

1910 begann seine Laufbahn in der Münchener Stadtverwaltung. 1924 wurde Meitinger Leiter der Hochbauabteilung II im Stadtbauamt.  Dort plante er zunächst vor allem die neuen Hochbausiedlungen in Stadtrandlage, z. B. an der Dachauer Straße, für die er nicht nur die Siedlungsform entwarf, sondern auch zugehörige öffentliche Einrichtungen wie etwa das Dantebad (siehe Bild oben). Ab 1928 war er städtischer Oberbaurat unter dem damaligen Stadtbaurat Fritz Beblo. Auf einer Tagung zum „Wohnungswesen der Stadt München“ stellte er diese und andere Planungen vor, die 1928 im gleichnamigen Tagungsband veröffentlicht wurden. Dabei arbeitete Meitinger eng mit Karl Preis, dem Wohnungsbaureferent des Münchner Stadtrats und späterem Gründer und Geschäftsführer des städtischen Wohnungsunternehmen GEWOFAG zusammen.

Nach der Machtübernahme der NSDAP behielt Meitinger im Gegensatz zu einigen anderen hohen Verwaltungsbeamten wie Karl Preis seinen Posten in der Bauverwaltung, zumal auch Beblo bis 1936 weiterhin seinen Posten als Stadtbaurat innehatte.  Wie Beblo scheint sich Meitinger mit den neuen Machthabern, wie Beblos kurzzeitiger Nachfolger, Hermann Alkers, dem Stadtbaurat mit besonderen Aufgaben, arrangiert zu haben. So war er auch an zahlreichen Projekten, auch solche die propagandistisch wie die Reichskleinsiedlung in Perlach eingesetzt wurden, beteiligt.

Stadtbaurat von München

Bereits Ende 1937 findet sich in seinen Aufzeichungen städtebauliche Entwürfe für Maßnahmen wie den Altstadtring, die nach Ende der NS-Zeit umgesetzt wurden. Karl Meitinger führte seit dem 28. Juni 1938 sogar die Geschäfte des Stadtbauamtes kommissarisch, denn zu diesem Zeitpunkt war Hermann Alker als Stadtbaurat abgetreten. Dafür setzte Adolf Hitler Ende 1938 Hermann Giesler als „Generalbaurat der Hauptstadt der Bewegung (GBR)“ ein.  Meitingers Karrieresprung zum Leiter des städtischen Hoch‐ und Tiefbauamtes mit der wichtigen Abteilung Stadtplanung erfolgte im November 1939 zu einem Zeitpunkt, als das Stadtbauamt einen großen Bedeutungsverlust hinnehmen musste und die Planungshoheit über München, an Generalbaurat Giesler abgegeben worden war.

Meitinger beschäftigte sich als Leiter des Stadtbauamts in der Kriegszeit schwerpunktmäßig mit Stadtbildpflege innerhalb der Altstadt. „Dabei ging es hauptsächlich um ‚Bereinigung‘ des Altstadtgebiets, das heißt um die ‚Beseitigung unschöner Ein‐ und Anbauten‘, die ‚Entrümpelung‘ und ‚Vereinfachung‘ historistischer Fassaden (Neues Rathaus) und um ‚Wiederherstellung alter Städtebilder‘ (Arkaden am Marienplatz), wobei der Raum inner‐ halb der Stadtumwallung Kaiser Ludwigs des Bayern (Karlstor, Sendlingertor, Isartor, lter Hof, Innere Brienner Straße) zur Diskussion stand. Unter Meitingers Leitung und oft nach  seinen Entwürfe wurden 40 Hochbunker und acht Tiefbunker in München zum Schutze der Bevölkerung errichtet. Im Gegensatz zu der radikalen Stadtplanung Giesler, stand für Meitinger jedoch die Entwicklung Münchens im Rahmen einer traditionellen Stadtentwicklung im Vordergrund. Kurz vor Einmarsch der Amerikaner verhinderte Meitinger die angeordnete Sprengung der Isarbrücken. Nach Kriegsende wurde er von den Amerikanern erneut von 1945 bis 1946 als Stadtbaurat mit Zuständigkeit für den Hoch-, Tiefbau und Stadtplanung eingesetzt. Karl Meitingers berufliche Laufbahn ist ein typisches Beispiel für die Kontinuität der Stadtplanung im Nationalsozialismus und in der Aufbauzeit. Dabei half es wohl auch, dass mit wie Oberbürgermeister Karl Scharnagl, ebenso wie Preis, nach der erzwungenen Pause der NS‐Herrschaft in München Personen in Schlüsselstellungen der Stadt eine zweite Amtszeit antraten, mit denen Meitinger bereits in der Zeit der Weimarer Republik zusammengearbeitet hatte.

Vorschläge zum Wiederaufbau

Meitinger hatte bereits am 9. August und 22. November 1945 „Vorschläge zum Wiederaufbau“ vorgestellt, die als Meitinger-Plan in der Öffentlichkeit diskutiert wurden, und verfasste mit seiner Schrift „Das neue München“ im Jahr 1946 den Leitfaden für den Wiederaufbau der zerstörten Großstadt. Vor allem um die Touristen, bereits damals eine zentrale Einnahmequelle der Stadt, wieder anzulocken, sollte die Stadt möglichst wiederaufgebaut werden: „München wird eines Tages wieder Brennpunkt für den neuen Fremdenverkehr sein, und sein alter Ruf als deutsche Kunststadt wird neu erblühen.“

Auch einen 50 bis 70 Meter breiten Altstadtring sah Meitinger zur Entlastung des Stadtverkehrs vor. Mit seinen Schriften und seinem Einfluß prägte Meitinger die Phase des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg maßgebich . Außerdem sprach er sich für die Errichtung von Fußgängerzonen ein, die in München erst zur Olympiade 1972 Wirklichkeit werden sollten. Der Meitinger-Plan wurde insbesondere von den Vertretern der modernen Architektur im Sinne der Moderne der 1920er Jahre scharf kritisiert. Sein Nachfolger als Stadtbaurat war Hermann Leitenstorfer. Karl Meitingers 1927 geborener Sohn Otto wirkte ab 1957 als Vorstand des Residenzbauamtes ebenfalls maßgeblich am Wiederaufbau Münchens mit. Am 2. März 1970 verstarb Karl Meitinger und wurde im Münchner Westfriedhof beigesetzt.

Werke  (Auswahl)

1926: Oskar-von-Miller-Polytechnikum Lothstraße 34 (heute FH München), München

1927: Kontorhaus 1, Thalkirchner Str 81, Großmarkthalle, Sendling, München

1928: Dantebad und Stadion der Jugend an der Dantestraße (zusammen mit Heinrich Bergthold), Moosach, München

1934: Straßenbahnbetriebshof 3 an der Westendstraße (2008 zum Teil abgerissen)

1933: Reichskleinsiedlung am Perlacher Forst, München

1935: Siedlung am Hart mit 338 Kleinstwohnungen, München

1934: Georgenschwaigbad am Riesenfeld (zusammen mit Fritz Beblo)

1934: Erweiterung des Schlacht- und Viehofs, Schlachthofviertel, Isarvorstadt, München

1936: Städtisches Männerfreibad in der Schyrenstraße (zusammen mit Fritz Beblo), Untergiesing, München

1936: Erweiterung Poliklinik, Pettenkoferstr 8a, Isarvorstadt-Kliniken, München

1937: Frauenfreibad in den Isarauen

1938: Wohnblockanlage für Minderbemittelte Milbertshofen, München

1940: Gynäkologische Klinik des Krankenhauses rechts der Isar, Bogenhausen, München  

1941: Städtisches Nordbad (zusammen mit Philipp Zametzer), Schwabing-West, München

1941: Hochbunker Blumenstraße 22, Altstadt, München

1941: Hochbunker Boschetsrieder Straße 68, Obersendling, München

1941: Hochbunker Lerchenauer Straße 53 (mit Leonhard Moll), Am Riesenfeld, München

1941: Hochbunker Riesenfeldstr (Gebrüder Rank), Milbertshofen, München

1941: Hochbunker Anhalter Platz 3, Am Riesenfeld, München

1941: Hochbunker Claude-Lorrain-Str. 26 (errichtet von Held & Francke), Untergiesing, München

1941: Hochbunker Löhnrößlerweg (Jung), Trudering, München

1941: Hochbunker Franz-Nißl-Str (Stock & Söhne), Allach, München

1941: Hochbunker Sonnwendjochstr (Berlinger), Berg am Laim, München

1942: Hochbunker (mit Leonhard Moll), Bäckerstraße, Pasing, München

1942: Hochbunker Lautenschläger Str, Allach, München

1942: Hochbunker Allacher Str/Krautheimer Str, Untermenzing, München

1942: Hochbunker Schleißheimer Str (Kunz & Co), Milbertshofen, München

1942: Hochbunker Quellenstr (Muy & Pitroff), Au, München

1942: Altersheim Schwabing an der Rümannstraße, München

1943: Hochbunker Steinerstr (Karl Stöhr), Thalkirchen, München

1943: Hochbunker Ungererstr (Brannekämper), Schwabing, München

1946: Konzept Altstadtring (156: Oskar-von Miller-Ring), München

Schriften

Das neue München. Vorschläge zum Wiederaufbau. Münchner Graphische Kunstanstalten, München 1946. Nachdruck durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege 2014

Quellen: https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Meitinger; https://de.wikipedia.org/wiki/Hochbunker_in_München ; https://deu.archinform.net/arch/72991.htm Carmen Maria Enss: Altstadt im Umbau, Der Wiederaufbau des Münchner Kreuzviertels zwischen 1945 und 1958; Dennis A. Chevalley, Timm Weski: Denkmäler in Bayern, Landeshauptstadt München, Südwest, Band 1 und 2

 

Bildnachweis (von oben nach unten): Dante-Stadion, Foto: Ulrich Lohrer; Karl Meitinger Porträt, Foto: Prof. Otto Meitinger