Rafael Moneo: Moderne Architektur und antikes Rom

Der spanische Architekt Rafael Moneo wurde von den Meister der Moderne beeinflusst, entwarf dann aber bedeutende Bauten, die sich kritisch mit der Architektur der jeweiligen Region und der Architektur der Moderne auseinandersetzen. Nun feierte der Pritzker-Preisträger seinen 80. Geburtstag.

 

José Rafael Moneo Vallés  wurde am 9. Mai 1937 im nordspanischen Tudela als Sohn des Ingenieurs Rafael Moneo und dessen Frau Teresa geboren.

Nach der Schule wusste er zunächst nicht, was er machen wollte, studierte dann aber ab 1954 an der Technischen Hochschule für Architektur in Madrid (ETSAM) Architektur. Dies erwies sich als eine glückliche Entscheidung.

Beeinflusst wurde er von seinem Professor für Architekturgeschichte, Leopoldo Torres Balbás , und den Werken der Architektur der Moderne, vor allem von Le Corbusier, Ludwig Mies van der Rohe und Alvar Aalto. Zwischen 1958 und 1961 arbeitete er als Student mit Javier Saenz de Oiza in Madrid zusammen, der ihn sehr prägte.

Erste Erfahrung in Skandinavien und Italien

Nach dem er 1961 sein Studium mit Diplom abgeschlossen hatte reiste er durch Skandinavien.

Er arbeitete bei dem dänischen Architekten Jørn Utzon in Hellebaeck und war an der Planung der Oper von Sydney beteiligt. Danach begab er sich zurück nach Spanien, wo er den Wettbewerb für die Gestaltung der Räume der spanischen Akademie in Rom gewann. Er heiratete Belén Feduchi, die Tochter des Architekten Luis Feduchi, und zog für zwei Jahre nach Rom, um dort an der spanischen Akademie zu arbeiten.

Das Museum für Römische Kunst in Merida

Zurück von Italien, gründete er in Madrid ein Architekturstudio und lehrte an der Madrider Hochschule für Architektur. Dort knüpfte er Kontakte zu spanischen Architekten wie Oriol Bohigas, Federico Correa, Tusquets, Clotet, Bonet  sowie ausländischen Architekten wie Alvaro Siza, Aldo Rossi und Peter Eisenman. Seine erste größere Arbeit ist die nach einem Wettbewerb gewonnene Erweiterung der Stierkampfarena in Pamplona. Es folgten von Mitte der 1960er bis Ende der 1970er-Jahre etliche Wohnanlagen und Bürogebäude in Spanien. Mit dem Auftrag zum Bau der Bankinter und dem Rathaus von Logrono konnte er seine Vorstellung von Architektur verwirklichen. 1980 wurde er Professor für Architektur an der Hochschule in Madrid.

Sein bekanntestes Werk zu dieser Zeit ist das Museum für Römische Kunst in Merida. Anläßlich des 2000 Jahrfeier zur Gründung der Stadt wurde zwischen dem Theater und dem Amphitheater der Bau dieses Museums beschlossen. Moneo, der mit seinem Entwurf den Zuschlag erhielt, bringt mit seiner Architektur und den verwendeten Baumaterialien die römische Vergangenheit mit der Gegenwart in Einklang. Das Museum hat zwei von einer ehemaligen Römerstraße getrennte Gebäude. Die Gebäude sind durch einen Laufsteg über die archäologischen Reste verbunden. Das Museum besteht aus einem Haupttrakt und mehreren Korridoren, die senkrecht zur Haupthalle liegen, alle von Dachfenstern beleuchtet. Die Parallelbögen im Hauptschiff sind vom Trajanbogen inspiriert, die auf der Fassade entstandenen Strebepfeiler erinnern an den Aquädukt “Los Milagros”. Moneo, der das Museum für eines seiner wichtigsten Werke zählt, erläutert seine Idee: „Das Museum sollte dem Besucher an die Ordnung und die Größe der Stadt zur Zeit der Römer erinnern, ohne die römische Architektur nachzubilden”.

 

Infrastrukturprojekte: Bahnhof Atocha in Madrid und Flughafen Sevilla

Es folgte Lehrtätigkeiten in Harvard in den USA. Während dieser Zeit reiste er aber nahezu jeden Monat nach Spanien, da er den Wettbewerb für den Erweiterungsbau des Antocha Bahnhofs in Madrid gewonnen hatte, um den Entwurf auszuarbeiten. Im Anschluss folgte mit dem Bau des San Pablo Flughafens in Sevilla ein weiteres großes Infrastrukturprojekt in Spanien.

Kulturbauten: Kursaal San Sebastian, Moderna Museet und Prado-Erweiterung

Anfang der 1990er-Jahre gewann Moneo die Wettbewerbe zum Bau so bedeutender Kulturbauwerke wie das Kursaal Konzerthalle and Kulturzentrum in San Sebastián im Baskenland sowie das Museum für Kunst und Architektur in Stockholm.

 

Errichtet wurde der neue Konzertsaal in San Sebastian anstelle des ehemaligen Kursaals, weshalb der traditionelle Name übernommen wurde. Der von Moneo entworfene Gebäudekomplex besteht von außen hauptsächlich aus zwei gläsernen Würfeln. Sie erinnern an Steine, die an den Strand gespült wurden. Damit wollte Moneo die umliegende Geographie aufgreifen und die Harmonie zwischen der Natur und dem künstlichen Gebäude verdeutlichen. Obwohl zunächst viele Einwohner dem Gebäude skeptisch gegenüberstanden, ziehen nun nicht zuletzt aufgrund der einzigartigen Architektur des 1999 eröffneten Kursaal San Sebastian jedes Jahr rund 600.000 Besucher an.

Der von Moneo gestaltete Stockholmer Museumskomplex auf der Insel Skeppholm ist dagegen ein Ensemble niedriger Baukörper. Sie verschwinden hinter den klassizistischen Altbauten. An ein pavillonartiges flaches Eingangsgebäude schließt sich ein eingeschossiger, langgestreckter Korridor mit einem durchgehendenen Fensterband mit Loftartigem Charakter an. 

Mit der Erweiterung der berühmten spanischen Museums Prado hat Moneo ein minimalistisches Gebäude in Sichtmauerwerk entworfen (Bild links, rotes Gebäude im Hintergrund Bildmitte), dass dem Hieronymus-Klosters einen Kreuzgang gibt und die verschiedenen neuen Nutzungen in einem kubischen Baukörper anordnet.

Auszeichnungen

Rafael Moneo wurde 1996 mit dem Pritzker-Architekturpreis ausgezeichnet. 2001 erhielt er den European Union Prize for Contemporary Architecture (Mies van der Rohe Award for European Architecture) für das Kongresszentrum Kursaal in San Sebastián. 2003 wurde ihm die RIBA Gold Medal verliehen.

Werke (Auswahl)

1966: Umbau der Stierkampfarena Plaza de Toros de Pamplona, Pamplona, Spanien

1968: Diestre Fabrik, Saragossa, Spanien

1968: Wohnanlage Gómez-Acebo, Soto de la Moraleja, Spanien

1968: Torres Blancas (Mitarbeit bei Javier Saenz de Oiza), Madrid, Spanien

1972: Urumea Wohngebäude (mit anderen Architekten), Donostia, Spanien

1975: Galeriá Theo, Barelona, Spanien

1977: Bankinter, Madrid, Spanien

1981: Rathaus Logrono und Stadtplatz, Logrono, Spanien

1985: Museum für Römische Kunst, Merida, Spanien

1988: Prevision Espanola, Sevilla, Spanien

1992: Bahnhof Atocha, Madrid, Spanien

1991: Flughafen San Pablo, Sevilla, Spanien

1993: The Davis Museum im Wellesley College, Wellesley, USA

1993: Diagonales Haus L'illa Diagonal, Barcelona, Spanien

1996: Konzerthaus L Áuditori, Barcelona, Spanien

1997: Moderna Museet, Stockhom, Schweden

1998: Grand Hyatt Berlin (Innenarchitekt: H. Wettstein), Potsdamer Platz, Berlin

1999: Kursaal Congress Centre, San Sebastian, Baskenland, Spanien

2000: Bibliothek der Wissenschaften, Katholieke Universiteit Leuven, Leuven, Belgien

2000: Beck –Flügel des Museum of Fine Arts, Houston, USA

2002: Kathedrale „Our Lady of the Angels, Los Angeles, USA

2003: Valladolid Science Museum, Valladolid, Spanien

2006: Zentrum für Kunst, Huesca, Spanien

2008: Museum des römischen Theaters, Cartagena, Spanien

2010: Northwest Corner Building, New York City, New York, USA

2010: Beirut Souks, Beirut, Libanon

2007: Erweiterungsbau des Museo del Prado, Madrid, Spanien

2013: Princeton Neuroscience Institute, Princeton, New Jersey, USA

2015: Museum der Universität von Navarra, Pamplona, Spanien

 

Quellen: http://www.art-magazin.de/architektur/9337-rtkl-rafael-moneo-coruna-man-muss-vor-allem-den-ort-verstehen

https://deu.archinform.net/arch/319.htm

http://www.stadtlandextremadura.de/mer_1_nationalmuseum.php

Bildnachweis (von oben nach unten): Kursaal San Sebastian, Donostiako Kursaal biltzar jauregia paseo berritik ikusia ilunabarrean. Nik neuk egina, Foto: Josugoni; Rafael Moneo. Museo Universidad de Navarra; Rafael Moneo. Museo Universidad de Navarra; Atocha railway station in Madrid (Spain), Foto: Zaqarbal, http://www.flickr.com/photos/ces_vlc/2393190012/]. Licensing: Cc-by-2.0; Interior del Museo de Arte Romano en Mérida, España, Foto: EMEkblom