Fritz Norkauer: Von der Postbauschule zum NS-Architekten

Fritz Norkauer machte sich zusammen mit seinem Kompagnon Theo Lechner einen Namen als Vertreter der modernen Postbauschule und Planer der Siedlung Neuharlaching. Später entwarf er jedoch Bauten für die NS-Großprojekte in Linz und für die geplante Südstadt in München.

 

Friedrich, genannt „Fritz“, Norkauer wurde am 26. Juni 1887 in München geboren. Seine Familie wohnte in einem Haus in der Luisenstraße 49/1 in der Münchner Maxvorstadt, wo sein Bruder August später ein Unternehmen für Bodenbeläge gründete.

Fritz Norkauer studierte Architektur und gründete nach dem Studienabschluss zusammen mit dem Architekten Theo Lechner (1883 – 1975) das Architekturbüro Lechner und Norkauer. Beide waren Vertreter der von Robert Vorhoelzer geprägten Postbauschule, mit dem zusammen sie auch das Postamt Deisenhofen entwarfen. 1927 errichteten sie auf der Ausstellung „Bayerisches Handwer“ eines der ersten Flachdach-Wohnhäuser in München. Laut der Architekturhistorikerin Irene Meissner war es aber Lechner, der mit Sep Ruf befreundet war, eine moderne Architekturauffassung vertrat.

Lechner und Norkauer planten zahlreiche Wohnbauten in Bayern mit Schwerpunkt München, Bad Reichenhall und Füssen. Das größte Projekt war die Siedlung Neuharlaching, die Norkauer und Lechner zusammen mit Eugen Dreisch und Wilhelm Scherer planten.

1930 erhielt Norkauer einen Ruf an die Hochschule für Baukunst in Weimar, wo er bis 1936 lehrte. Nach dieser Zeit arbeitete er für staatliche NS-Projekte, wie dem Rasthaus am Chiemsee an der neu erbauten Autobahn München – Salzburg und an den Wohnprojekten der Harbachsiedlung und der Schörgenhubsiedlung in Linz. Für die in München vorgesehene Südstadt wurde von ihm und Walter Kratz die Musterwohnanlage Südstadt an der Prinzregentenstraße / Ecke Brucknerstraße mit seitlichem Hochbunker erbaut. Die Südstadt selbst wurde allerdings nicht realisiert.

Nach dem Krieg wurde ein von ihm entworfenes Stadthaus in Hagen gebaut. Fritz Nockauer verstarb am 4. Mai 1976 in München. Sein Grab befindet sich im Winthirfriedhof in München-Neuhausen.

Bauwerke (Auswahl)

1915: Villa Finckh in Ebenhausen (Schäftlarn), Zeller Straße 19, Privathaus (mit Theo Lechner)

1922: Pfarrhaus Ebing 108, Waldkraiburg (mit Theo Lechner)

1924: Reihenhaus Friedrich-Herschel-Straße 12, München (mit Theo Lechner)

1925: Villa Mandlstraße 9 in München (mit Theo Lechner)

1925: Postamt Deisenhofen (mit Robert Vorhoelzer und Theo Lechner)

1927: Ortskrankenhaus (mit Theo Lechner), Füssen

1928: Haus Demmel (mit Theo Lechner), Weilheim

1928: Haus Grünig (mit Theo Lechner), Alsbach

1928: Haus Borst (mit Theo Lechner), Obermenzing, München

1928: Haus Ried & Kohorn (mit Theo Lechner), Isarhöhe, München

1928: Haus Köhler (mit Theo Lechner), Icking

1929: Beamtenwohnhaus der Hanfwerke (mit Theo Lechner), Füssen

1929: Haus Schneid (mit Theo Lechner), Isarhöhe, München

1929: Haus Benjamin (mit Theo Lechner), Ebenhausen

1930: Siedlung Neuharlaching, München (mit Theo Lechner, Eugen Dreisch, Wilhelm Scherer)

1938: Rasthaus am Chiemsee

1942: Wohnblock Leonfeldner Straße 99–107 Pöstlingberg, Linz  (Harbachsiedlung), Österreich

1943: Schörgenhubsiedlung Flötzerweg 90–130, Linz, Österreich

1943: Wohnanlage Neue Südstadt (Bauteil 2: Brucknerstraße 1), München

1952: Stadthaus, Hagen

Quellen:

Bildnachweis (von oben nach unten): Wohnanlage Neue Südstadt Prinzregentenstraße / Brucknerstraße, Foto Ulrich Lohrer