Oberföhring: Die Sammlung Goetz

Eine der größten Privatsammlungen zeitgenössischer Kunst in Deutschland ist die der Münchnerin Ingvild Goetz. Doch nicht nur die Werke der Sammlung Goetz sind etwas Besonderes, sondern auch das von dem Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron entworfene Museumsgebäude.

 

Die Sammlung Goetz entstand als von der Münchnerin Ingvild Goetz – Tochter des 2011 verstorbenen Unternehmers und Wirtschaftspionier Werner Otto („Otto-Versand“) und seiner ersten Ehefrau Eva –zusammengetragene private Kunstsammlung mit Werken der Zeitgenössischen Kunst. Ein Schwerpunkt waren zunächste Werke der Arte Povera, später Arbeiten junger US-amerikanischer und britischer Künstler. Mittlerweile umfasst die Sammlung mit rund 4600 Kunstwerken auch rund 1300 Fotografien, 900 Arbeiten auf Papier, über 350 Skulpturen, etwa 850 Gemälde sowie Installationen, Filme, Videos und Dias.

Der Museumsbau

Anfang der 1990er-Jahre ließ sich Ingvild Goetz einen kleinen Museumsbau nach Plänen der Basler Architekten Herzog & de Meuron entwerfen und errichten. 1993 zog sie mit ihrer Sammlung Goetz in das Gebäude in die Oberföhringer Straße 103 im Bogenhausener Bezirksteil Oberföhring.

Das Museumsgebäude befindet sich auf einem umzäunten parkähnlichen Gelände. Da die Bauvorschriften für das Wohngebiet dem Gebäude Grenzen in Bezug auf Grundfläche und Höhe auferlegten, musste der Ausstellungsraum durch ein Kellergeschoss ergänzt werden, um die gewünschte Ausstellungsfläche zu erreichen. Die beiden Etagen verfügen über eine Raumhöhe von 5,5 beziehungsweise vier Metern und sind mit ungestrichenem Putz versehen.

Die Architekten verzichteten auf die traditionelle Lösung, einen großen Ausstellungsraum mit Oberlicht in der oberen Etage unterzubringen. Stattdessen befindet sich der große Ausstellungssaal im Keller, drei kleinere Ausstellungsräume im oberen Stockwerk. Statt für ein klassisches Oberlicht entschieden sie sich, unterhalb der Decke Bänder aus mattiertem Glas einzusetzen, damit so im oberen Geschoss wie im Kellergeschoss das Tageslicht blendfrei und gleichmäßig einfallen kann. So ist die Lichtsituation in allen Ausstellungsräumen gleich – egal ob man sich im Untergeschoss oder im oberen Stockwerk befindet. Damit gelang es, auf beiden Ausstellungsebenen eine gleichwertige Raumqualität zu schaffen. Die komplexe Infrastruktur wurde in angebaute Räume unter der Erdoberfläche verlegt.

Die Konstruktion ist denkbar einfach: Auf eine in die Erde eingelassene Betonkiste sind auf Gartenniveau zwei Betonröhren eingeschoben, auf denen eine Holzkiste aufsitzt. Dennoch besitzt das Gebäude von außen eine beinahe mystische Qualität.

Quellen:

© Gerhard Mack: Herzog & de Meuron 1989–1991. Das Gesamtwerk, Band 2, Basel 1996. S. 73.

http://www.sammlung-goetz.de/

https://de.wikipedia.org/wiki/Sammlung_Goetz

Bildnachweis: Fotografien von Ulrich Lohrer