Umnutzung einer Architekturikone

Mit der Produktionshalle und dem Verwaltungsgebäude der Deckel Maschinenfabrik entwarf Walter Henn ein Vorzeigebau der modernen Architektur. Nun wird die Halle umgeplant und das Areal mit neuen Wohn- und Bürogebäuden ergänzt.

 

Die in München bis 1993 bestehende Deckel Maschinenfabrik wurde von dem Feinmechaniker Friedrich Deckel und ehemaligen Mitarbeiter der Firma Zeiss in Jena 1903 zusammen mit dem Erfinder Christian Bruns als „Bruns & Deckel“ in München gegründet. Zunächst als Hersteller von Kameraverschlüssen spezialisiert, fertigte das Unternehmen ab 1934 auch Einspritzpumpen für Diesel- und Benzinmotoren und nach dem Zweiten Weltkrieg Fräsmaschinen. Da die Werksanlagen 1943 bei den Luftangriffen stark beschädigt wurden und neue moderne Fertigungsmethoden eingeführt werden sollten, wurden die Produktions- und Verwaltungseinheiten in Obersendling an der Plinganserstraße / Ecke Boschetsrieder Straße als flexibel nutzbare und erweiterbare Großraumstrukturen realisiert. 1956/57 wurde nach Plänen des Architekten Walter Henn der Bau des langen, fünfgeschossigen Fertigungsgebäudes für Werkstätten, Transporteinrichtungen und sanitäre Räume erbaut. Da die Maschinenaufstellung für sich ändernde Produktionsflüsse beweglich zu halten waren, erhielt das Gebäude keine Innenstützen. Für eine optimale Steifigkeit der Konstruktion wurde es in Stahlbeton ausgeführt, so dass die hohen Deckenlasten durch Spannbetonriegel abgefangen werden. Die Fassade ist ein plastisches, grau gestrichenes Stahlbetonskelett mit Fensterbrüstungen aus weißen, glatten Betonflächen und Leichtmetallfenstern. Das zurückgesetzte Dachgeschoss wurde großflächig verglast. Einen besonderen Akzent erhielt das Produktionsgebäude durch die vorgehängte, filigrane Glasfassade des Nottreppenhauses an der Westfassade.

1958/59 folgte der Bau der zweigeschossigen Produktionshalle. Ihre Konstruktion basiert auf einer Mischbauweise. Während das Erdgeschoss in Stahlbetonbauweise mit einem engen Stützenraster von 5 x 5 Metern ausgeführt wurde, erhielt die Produktionshalle des Obergeschosses durch die geschweißte Stahlrohrkonstruktion eine großzügige Weite sowie die Besonderheit des Gebäudes: Das 60 Meter weit gespannte Dach. Seine frei spannenden, räumlichen Fachwerkbinder liegen auf Längsbindern, die nur alle 20 Meter abgestützt sind. Die 60 Grad geneigten Außenflächen der Hauptbinder wurden an der Südseite mit Gasbetonplatten belegt und mit Welleternit verkleidet. Auf der Nordseite erhielten die Binder eine kittlose doppelte Vergasung, um die Halle optimal und ohne blendendes Sonnenlicht natürlich zu belichten.

1960/61 kam der nördliche Teil des mehrgeschossigen Fertigungsgebäudes zur Ausführung, das mit dem 1962 an seiner nördlichen Stirnseite errichteten, siebengeschossigen Verwaltungsgebäude - einem Stahlskelett mit Stahlbetonkern und Vorhang-Glas-Fassade - einen eleganten Abschluss erhielt.

1993 erschmolz die Deckel AG mit der Maho AG zur Deckel Maho AG, die allerdings bereits ein Jahr später Konkurs anmeldete. 1994 Jahr übernahm Gildemeister die in Schwierigkeiten geratene Deckel Maho AG, führte deren Fräsmaschinenkonzept weiter und firmierte danach unter dem Namen DMG (Deckel Maho Gildemeister). DMG ist heute Teil der DMG Mori AG.

Nun wird die denkmalgeschützte Deckelhalle mit den markanten Sheddächern in Obersendling revitalisiert. Auf gut 12.000 Quadratmetern sind neben Lagerräumen Flächen für Einzelhandel, ein Café, eine Kindertagesstätte sowie Sportflächen geplant. Im südlichen Bereich des Deckelgeländes an der Tölzer Straße wird der Bau eines vier- bis achtgeschossigen Wohngebäudes samt Tiefgarage vorbereitet. Mehr als 350 Wohneinheiten sollen entstehen, ein Teil davon als geförderte Wohnungen. Als drittes Projekt im näheren Umfeld ist ein siebengeschossiges Bürogebäude mit Tiefgarage an der Plinganserstraße geplant .

Das Referat für Stadtplanung und Bauordnung hat die drei Bauanträge bereits genehmigt, so dass die Bauarbeiten zeitnah starten können. Für den Bau eines vier- bis siebengeschossiges Büro- und Gewerbegebäudes nördlich der Deckelhalle, an der Ecke Steinerstraße/Tölzer Straße, liegt ein positiver Vorbescheid vor. Der Bauantrag wird derzeit geprüft. Das Planungsgebiet Deckelgelände umfasst die ehemaligen Werksgebäude der Maschinenbaufirma Friedrich Deckel an der Tölzer Straße und die südlich angrenzenden Flächen. Im Kern des etwa 5,8 Hektar großen Gebiets liegt die denkmalgeschützte Deckelhalle. 

 

Bildnachweis: oben: Visualisierung des geplanten Wohngebäudes in der Tölzer Straße / Landeshauptstadt München / Studiolux; kleines Schwarz-Weiß-Foto: Institut Heidersberger