Christian de Portzamparc: Bescheidener Baumeister für Superreiche

Der adlige Bretone erhielt als erster französischer Architekt den Pritzker-Preis, baute die französische Botschaft in Berlin und hat vor Kurzem das 306 Meter hohes Wohnhaus One57 für Milliardäre in New York errichtet. Er selbst lebt allerdings relativ bescheiden.

 

Mit 95 Millionen Dollar liegt das Preis selbst für New Yorker-Verhältnisse auf einem Spitzenniveau. Die Wohnung in dem 306 Meter hohen und 2014 fertig gestellten One57 (siehe höchstes Gebäude Bild oben) ist das höchste in New York gelegene Penthouse. Mit der Lage am Central Park, der Höhe und der Gestaltung durch einen internationalen Stararchitekten, dem französischen Pritzer Preisträger Christian de Portzamparc, bringt das Gebäude alles mit, was zum Erfolg eines Supertalls beiträgt.

Christian de Portzamparc wurde am 5. Mai 1944 als Sohn eines Offiziers der französischen Armee und Angehöriger aus dem bretonischen Adelsgeschlecht de Portzamparc in Casablanca in Marokko geboren. Marokko war damals französisches Protektorat. Später zog die Familie im Zuge der französischen Besetzung Deutschlands in ein Militärcamp nach Landau in Deutschland.

„Als ich etwa 13 war, begann ich mich sehr für Kunst zu interessieren. Aber als ich zum ersten Mal Zeichnungen von Le Corbusier sah, beschäftigte ich mich auch immer mehr mit Architektur“, so Christian de Portzamparc in der Pressemeldung zum Pritzker Preis. Er studierte von 1962 bis 1969 an der L’École nationale supérieure des beaux-arts (ENSBA) in Paris. Dort wurde er von den Professoren Eugène Beaudouin, der ihn ermutigte sein Geschmack für formalen Expressionismus auszudrücken, und von and George Candilis, der ihm das systematische Arbeiten und den Aufbau von Netzwerken lernte, beeinflusst. Praktische Erfahrung sammelte er in dem Büro des Architekten und Städteplaner Eugène Élie Beaudouin. Geprägt hat ihn auch eine Studienreise, die er 1966 für einige Monate nach New York unternahm.  Die Grundsätze der modernen Architektur, die er schätzte, schienen ihm dabei ungenügend um den Reichtum des wirklichen Lebens zu erfassen. „Ich begann meine erste Einflüsse, die ich etwa von Le Corbusier hatte, zu kritisieren.“

Nach seinem Abschluss arbeitet er zunächst zusammen mit einer Gruppe von Soziologen, die die Wohn- und Lebensbedingungen der Architektur auf die Menschen untersuchte. 1980 gründete er sein eigenes Architekturbüro in Paris.

Zu seinen Mitarbeitern zählten Marie-Élisabeth Nicoleau, Étienne Pierrès and Bertrand Beau, und später Bruno Durbecq, Céline Barda, Léa Xu, André Terzibachian and Clovis Cunha. Später wurden Niederlassungen in New York und in Rio de Janeiro gegründet.

Mit der Fertigstellung der École de Danse de l’Opéra de Paris in Nanterre wurde die Architekturszene auf Christian de Portzamparc aufmerksam. 1995 folgte mit der La cité de la musique de Paris (Bild links) ein weiteres bedeutendes Werk.

Mit dem LVMH-Tower aus dem Jahr 1999 in New York City (siehe Bild unten links), der französischen Botschaft in Berlin 2002 und der Philharmonie Luxembourg (großes Bild ganz unten) 2003 erlangte er auch internationale Aufmerksamkeit. 2004 wurde ihm als erster Architekt aus Frankreich der Pritzker Architektur Preis verliehen. „His is an architecture that draws on French cultural tradition while paying homage to the master architect and countryman, Le Corbusier. It is a lyrical architecture that takes great risks and evokes excitement from its audience“, heißt es in der Begründung der Jury zur Verleihung des Pritzker-Preises.

Heute zählt Christian de Portzamparc neben Jean Nouvel und Dominique Perrault zu den bedeutendsten zeitgenössischen französische Architekten. 

Laut einem Bericht der Financial Times wohnt Christian de Portzamparc, der seit über 30 Jahre mit der brasilianischen Möbeldesignerin Elisabeth de Portzamparc verheiratet ist, in einer relativ bescheidenen Wohnung in einem normalen Viertel in Paris.  Ulrich Lohrer

 

Werke (Auswahl)

1979: Wasserturm Green Tower, Nosiel, Marne-la-Vallée, Frankreich

1979: Les Hautes Formes, Paris

1987: Café Beaubourg, Paris

1987: École de Danse de l’Opéra de Paris, Nanterre, Frankreich

1990: Cité de la musique, Westflügel im arc de la Villette, Paris, Frankreich

1991: Nexus II, Fukuoka, Japan

1995: Tour de Lille (früher Tour du Crédit-Lyonnais) in Eurolille, Lille, Frankreich

1995: Cité de la musique, Osttflügel im arc de la Villette, Paris, Frankreich

1999: Erweiterung des Palais des congrès de Paris, Frankreich

1999: LVMH-Tower (Bild links), New York City, USA

2000: Gerichtshof, Grasse, Frankreich

2000: Espace Lumiere,  Büros und Fernsehstudios, Boulogne-Billancourt, Frankreich

2000: Grande Bibliothèque du Québec, Montréal, Kanada

2002: Französische Botschaft, Pariser Platz, Berlin

2003: Philharmonie Luxembourg, Luxemburg

2005: Firmensitz von Le Monde, Paris, Frankreich

2006: Les Champs-Libres, Bibliothek, Ausstellungsräume und Planetarium, Rennes, Frankreich

2006: De Citadelle, Almere, Niederlande

2008: Cinema Gaumont, Rennes, Frankreich

2008: Tour Granite, La Défense, Paris, Frankreich

2009: Galeo Bouygues Immobilier, Issy les Moulineaux, Frankreich

2009: Hergé-Museum, Louvain la Neuve, Belgien

2009: Hotel Renaissance (Bild oben links), Paris, Frankreich

2010: Hopital de la Croix Rousse, Lyon, Frankreich

2011: Rhone-Alpes Ratshalle, Frankreich

2011: Weingut Cheval Blanc, Saint Emilion, Frankreich

2012: One57 (Bild links), New York City, USA

2012: Le Jardins de la Lironde, Montpellier, Frankreich

2013: Cidade das Arts, Rio de Janiero, Brasilien

2014: Flagship Store Dior, Seoul, Südkorea

2014: Prism Tower, New York City, USA

2016: Casarts, Casablanca, Marokko

 

Weitere Informationen:

Christian de Portzamparc: Offizielle Website

 

Bildnachweis: oben - One57 late January 2015, as seen from the Top of the Rock, Quelle: https://www.flickr.com/photos/quintanomedia/16212442999/sizes/o/; Foto: Anthony Quintano; Porträt Christian de Portzamparc, Atelier Christian de Portzamparc, Portzamparc Francais; La cité de la musique, Atelier Christian de Portzamparc, Portzamparc Francais, Foto: Nicolas Borel; LVMH Tower, New York, Portzamparc Francais, Foto: Wade Zimmerman; Renaissance Paris Wagram Hotel, Paris, Foto: Atelier Christian de Portzamparc — Alanya Knowles; One57 from Columbus Circle on 25 May 2014, Foto: Godsfriendchuck; La Philharmonie en Luxembourg Atelier Christian de Portzamparc, Portzamparc Francais, Foto: Wade Zimmerman;