Münchens Mies van der Rohe

Am 30. September 2014 starb der Architekt Peter C. von Seidlein in München. Der Schüler von Mies van der Rohe wurde zum Lehrer bedeutender Architekten. In München hat er Bauten von zeitloser Eleganz und technischer Perfektion geschaffen. Es wäre schön, wenn es mehr von diesen Perlen geben würde.

 

Peter C. von Seidlein  wurde am 25. Juni 1925 in München geboren. Während des Krieges wurde er vom Gymnasium weg eingezogen und während der Kämpfe in der Normandie verwundet. Nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft in Amerika studierte er von 1946 bis 1950 bei Franz Hart, Hans Döllgast und Martin Elsässer an der TH München Architektur. Anschließend erhielt er ein Stipendiat am Illinois Institut of Technology, Chicago, wo er bei Ludwig Karl Hilberseimer (1885–1967) und Ludwig Mies van der Rohe (1886 – 1969) studierte, die einen großen Einfluss auf ihn ausübten. Von Seidlein war von 1952- 1953 für den Bayerischen Staatsdienst tätig, legte die Staatsprüfung ab, arbeitete dann aber im Büro von Professor Egon Eiermann in Karlsruhe und bei Prof. Gerhard Weber in München. Es folgte von 1957 bis 1969 eine Assistenzstelle bei dem Bauhausschüler Gustav Hassenpflug (1907 - 1977) an der TH München.

1959 machte er sich mit seinem eigenen Büro selbständig und zählte zu seinen Mitarbeitern zeitweilig Helmut Jahn, Christoph Sattler (Hilmer & Sattler und Albrecht) und Thomas Herzog, die heute selbst zu der Riege bekannter Architekten gehören. Zu seinen Schülern oder Mitarbeitern zählen eine Vielzahl anderer Architekten wie Thomas Albrecht (Hilmer & Sattler und Albrecht), Manfred Fischer Rainer Hacher (Hascher Jehle Architektur), Hanja Schmid und Matthias Päzold (Pätzold + Schmid Architekten) und Sonja Weber (Sieveke Architekten).

Trotz eindringlicher Gebäude wie das Wohngebäude für die Siemens AG in Saarbrücken erlangte er außerhalb der Lehre erst mit dem Bau des Druckereigebäude der Süddeutschen Zeitung Bekanntheit. Seit 1977 war er lange Jahre Dozent für Baukonstruktion und Entwerfen an der Universität Stuttgart und arbeitete als Architekt in München. 1995 erhielt er den Architekturpreis der Stadt München. Verheiratet war er mit der 2003 verstorbenen Karen von Seidlein, die Tochter von Franz Josef Schöningh, einem der Eigentümer und Gründer der „Süddeutschen Zeitung“ („SZ“). 

Zu den Münchner Werken Peter C. von Seindleins gehören zudem  das puristische Wohn- und Geschäftshaus in der Hildegardstraße in der Altstadt, das durch mehrere Hinterhöfe durchziehende Bürogebäude für die Allianz in der Leopoldstraße sowie das konvex verlaufende Büro- und Geschäftshaus am Löwenturm in der Altstadt. In Harlaching entstand nach seinen Plänen eine Reihenhausanlage in einer Parklandschaft, dass durch seine äußere Einfachheit und innere Raffinesse beeindruckt – hier wohnte Seidlein auch selbst.

Am 30. September 2014 starb Peter C. von Seidlein im Alter von 89 Jahren in München. Er wurde am 7. Oktober in Gmund am Tegernsee auf dem Bergfriedhof beerdigt

 

„Seine Lehre und sein Wirken als bauender Architekt waren deckungsgleich. Er wollte nicht vordergründig interessante, sondern nachhaltig wirkende, gute Bauwerke schaffen.“  

Friedrich Wagner, Jürgen Braun, Peter Seger

„Peter C. von Seidlein hat sich um Stadtbild und ‚Neues Bauen in alter Umgebung’ verdient gemacht, sowohl durch seine langjährige Mitgliedschaft in der Münchner Kommission für Stadtgestaltung als auch im Bayerischen Landesdenkmalrat. Dabei hat er sich durchaus auch in kontroversen Diskussionen mit Verve eingebracht und sich nachhaltig für die Belange der Baukultur eingesetzt. Ein besonderes Augenmerk richtete er auch immer auf die Interessen der Bürgerinnen und Bürger, für die geplant und gebaut wird.“

Dieter Reiter, Oberbürgermeister von München

„Es ist ihm stets um das Prinzip gegangen, nicht um den persönlichen Erfolg. Das A und 0 seines Werkes als Architekt ist technische Perfektion pur, ohne irgendeine Zutat. Sie ist die Quelle von allem Wahren, Guten und Schönen in dieser Architektur. Allein aus dieser Quelle kommt die Qualität des Klassischen, die keine Stilkunde und keine Vorbilder braucht.“

Karlheinz Beer, BDA Bayern

Bilder: Porträt Peter C. von Seidlein – BDA; oben – Ulrich Lohrer